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Religion vs. Profit  

Partystadt Dubai lockert für Tourismus Alkoholregeln im Ramadan

27.06.2016, 11:03 Uhr | AP

Dubai lockert für Tourismus Alkoholregeln im Ramadan . Eine Bar in Dubai. (Quelle: imago-westend61)

Eine Bar in Dubai. (Quelle: imago-westend61)

Bisher hieß Ramadan in Dubai, dass auch Touristen keinen Alkohol vor Sonnenuntergang kaufen durften. Aber Touristen lieben ihre Drinks und die Herrscher die Einkünfte durch die Alkoholsteuer. So hat sich dieses Jahr etwas geändert.

In Dubai, der Partystadt in der nahöstlichen Wüste, fließt der Alkohol seit langem reichlich. Und jetzt noch mehr. Der Stadtstaat hat sich dazu entschlossen, Regeln zu lockern, die den Verkauf alkoholischer Getränke tagsüber während des muslimischen Fastenmonats Ramadan untersagten. Das ist ein Novum - und unterstreicht, wie sehr Dubais Herrscher die Einkünfte schätzen, die der Touristenstrom und die Alkoholsteuer dem Emirat bescheren.

Leise Musik und versteckte Gäste

In den vergangenen Jahren mussten jene, die es im Ramadan nach einem Bier oder einem Glas Wein gelüstete, bis nach Sonnenuntergang warten. Dann beenden die Muslime ihr tägliches Fasten mit den ersten Schlucken Wasser und ihrer Abendmahlzeit. Bars in dieser Stadt der Wolkenkratzer spielten während des Fastenmonats auch gewöhnlich leise Musik und waren darauf bedacht, dem Alkohol frönende Gäste hinter verschlossenen Türen und getöntem Glas zu verbergen.

Aber just vor diesem Ramadan, der am 6. Juni begonnen hat, haben Hotelmanager überall im Land eine Mitteilung von Dubais Ministerium für Tourismusund Handelsmarketing erhalten. Sie stammt vom 31. Mai, liegt der Nachrichtenagentur AP vor und besagt, dass auch während des Ramadan die normalen Regeln Gültigkeit hätten.

Ramadan-Regeln respektieren

Auf eine Anfrage der AP nach dem Warum antwortete das Ministerium, dass es stets darauf bedacht sei, "Erfahrungen der Superlative" für Besucher sicherzustellen. Das liege auf einer Linie mit "Dubais Bedeutung als ein Weltklasse-Tourismusziel".

Zugleich wurde aber an Besucher appelliert, die Ramadan-Regeln zu respektieren. Fast eine Million Touristen würden während des Fastenmonats kommen und sich an "allen Aspekten der Stadt erfreuen", hieß es in einer Ministeriumsmitteilung. "Wir erwarten, dass alle Betreiber und Reisenden dem Heiligen Monat mit Respekt begegnen und den kulturellen Empfindlichkeiten Aufmerksamkeit schenken."

Warum die Regeln gerade jetzt geändert wurden, bleibt aber im Nebulösen. Dubai, gleichzeitig Sitz der Langstrecken-Airline Emirates, ist schon seit langem darauf bedacht, sich als Tourismuszentrum zu etablieren. Es weist das höchste Gebäude der Welt auf, künstliche Inseln, eine überdachte Skipiste und Shopping Malls der Spitzenklasse mit Kilometern von Gehwegen, angenehm gekühlt durch Klimaanlagen.

Dubai ist auch Gastgeber der Weltausstellung 2020, und rechtzeitig davor sollen Vergnügungsparks und andere neue Attraktionen entstehen.

Ein Teil der Anziehungskraft des Stadtstaates liegt im Angebot von Alkohol, da Saudi-Arabien, Kuwait und der Iran den Kauf von Prozentigem verbieten. Sogar im benachbarten Schardscha, einem weiteren der sieben Scheichtümer der Vereinigten Arabischen Emirate, gilt ein Bann.

Herrscher freuen sich über die Einnahmen

Aber jenseits des Tourismus haben Dubais Herrscher noch einen anderen guten Grund, großzügiger zu sein. Jedes Bier nämlich, das gezapft wird, jeder Cocktail in einer Bar unterliegt einer 30-prozentigen Gemeindesteuer. Es gibt außerdem eine 50-prozentige Einfuhrsteuer auf Alkohol. Das heißt, das Trinken kann teuer sein - obwohl Besucher und Einwohner in Duty-Free-Läden auf Dubais Flughäfen oder bei Schwarzhändlern billiger einkaufen können.

Die Steuern haben den Konsum auch nicht beeinträchtigt. Nach Ermittlungen des Forschungsinstituts Euromonitor International im Jahr 2014 wurden in den Vereinigten Arabischen Emiraten 67,2 Millionen Liter Bier und 20 Millionen Liter an Spirituosen verkauft. Bis 2019, so wird vorausgesagt, dürften es insgesamt 91,2 Millionen Liter Bier und 27 Millionen Liter Spirituosen sein.

"Starkes Bevölkerungswachstum, getragen von politischen Unruhen in benachbarten arabischen Ländern und wirtschaftliche Härten in Europa (...) werden den Verkauf alkoholischer Getränke wahrscheinlich noch über die Vorhersage hinaus treiben", so Euromonitor in einem Report vom Oktober 2015. Auch die künftigen Investitionen im Zuge der Expo 2020 in Gastgewerbe und Immobilien dürften den Tourismus anheizen und damit auch den Alkoholkonsum weiter beflügeln, sagt das Forschungsinstitut voraus.

Alkohol-Gesetze sind sehr streng

Trotz all dieser Großzügigkeiten sind die Gesetze in Dubai in Sachen Alkohol unglaublich streng. Theoretisch muss jeder, der alkoholische Getränke nach Hause mitnimmt oder dort konsumiert, eine von der Regierung ausgestellte Alkohollizenz besitzen. Um sie zu erhalten, muss der jeweilige Arbeitgeber seine Zustimmung geben.

Jeder, der auch nur mit einer kleinsten Spur von Alkohol im Blut am Steuer erwischt wird, muss sich auf sofortige Festnahme und Anklage gefasst machen. Trunkenheit in der Öffentlichkeit ist ebenfalls ein strafrechtliches Vergehen.

"Unabhängig von jeder anderen Straftat kann man gewiss allein deswegen angezeigt werden", sagt Radha Stirling von der in Großbritannien ansässigen Gefangenen-Hilfeorganisation Detained in Dubai. "Was immer du anstellst, wenn du dich in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufhältst: Kommt da noch Alkohol hinzu, gibt es garantiert eine Verurteilung."

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