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Warum Urlauber vor Gericht gehen

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Kuriose Reiseurteile  

Warum Urlauber vor Gericht gehen

11.12.2008, 16:45 Uhr | srt

Kuriose Reiseurteile - fehlende Eisschollen bei einer Antarktis-Expedition (Foto: srt)Kuriose Reiseurteile - fehlende Eisschollen bei einer Antarktis-Expedition (Foto: srt)Der Jahreswechsel ist für viele Menschen die Zeit, Urlaubspläne zu schmieden. Beim Anblick der Fotos in den Reisekatalogen fällt es leicht, von schönen Ferien zu träumen. Ein paar Monate später sieht es oft anders aus. In der Realität entpuppt sich vieles anders, als auf den bunten Bildern im Internet oder im Katalog. Worüber Reisende sich ärgern und wie Gerichte darüber urteilen zeigen einige neue Reiseurteile. Dass es in der Vergangenheit schon recht kuriose Reiserechtsfälle gab, beweist unsere Klick-Show, in der wir die verrücktesten Fälle gesammelt haben.

Haben auch Sie einmal schlechte Erfahrungen im Urlaub gemacht? Nutzen Sie die Kommentar-Funktion am Ende des Artikels!

Zum Durchklicken Kuriose Reiserechtsfälle
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Sturz von der Leiter

Ferien auf dem Bauernhof sind für die ganze Familie eine feine Sache. Die Kinder tollen auf den Wiesen herum und im Stall gibt es Einiges zu entdecken. Das ging auch einer Frau so, die bereits zum zweiten Mal in einem Appartement auf einem Bauernhof in der Oberpfalz urlaubte. Auf dem Heuboden, etwa drei Meter hoch, hatte die Hofkatze Junge geworfen. Über eine Leiter kletterte die Frau hinauf, um einen Blick auf den tierischen Nachwuchs zu werfen. Beim Hinabsteigen allerdings passierte es: Die Frau stürzte ab - offenbar weil die Leiter verrutschte - und zog sich einen komplizierten Fersenbeinbruch zu. Daraufhin verklagte sie den Landwirt auf Schadensersatz und Schmerzensgeld. Und zwar zu recht, entschied in der Berufung das Oberlandesgericht Nürnberg fest. Denn der Appartement-Betreiber sei seiner Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen, er hätte die Leiter befestigen müssen. Allerdings bekam die Klägerin eine Teilschuld von immerhin zwei Dritteln, weil sie jemanden hätte um Hilfe bitten müssen (OLG Nürnberg, AZ. 3 U 1274/08).

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Ausgeraubt von Kriminellen

Sehr unangenehm war der Urlaubsauftakt für ein deutsches Ehepaar, das mit seinen zwei kleinen Kindern nach Brasilien reiste. Nach der Landung auf dem Flughafen der Provinzhauptstadt Salvador ging es per Bus zum Hotel. Doch auf der Fahrt dorthin wurde das Fahrzeug von Banditen gestoppt, die die Insassen mit vorgehaltenen Maschinenpistolen ausraubten. Die Urlauber versuchten später, den Wert ihres Gepäcks, einen Teil des Reisepreises und eine Entschädigung einzuklagen. Ihr Argument: Der Veranstalter hätte angesichts der unsicheren Gegend für Polizeischutz sorgen müssen. Stimmt nicht, urteilte das Landgericht Frankfurt/Main: "Die Gefahr eines Überfalls in Urlaubsregionen gilt als allgemeines Lebensrisiko." Und vor diesem könne und müsse der Veranstalter seine Gäste nicht schützen (Landgericht Frankfurt/Main, Az. 2-19 O 105/08).

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Kürzung von Landgängen bei Luxus-Kreuzfahrt

Dass auch Gäste von besonders teuren Reisen nicht vor Ärger gefeit sind, macht die Klage eines Paares deutlich, die für ihre Kreuzfahrt "Von der Arktis zur Antarktis" immerhin gut 21.000 Euro überwiesen hatten. Die Reederei hatte sich mit der Dauer der insgesamt vier Abschnitte verkalkuliert. Deshalb wurden Landgänge gekürzt, Abstecher fielen aus. Besonders schmerzhaft war das offenbar beim "Kreuzen vor Kap Hoorn", das eine Vorinstanz als "eines der berühmtesten Panoramen dieser Erde" gewürdigt hatte. Das Oberlandesgericht Köln musste dabei der Frage nachgehen, in welcher Höhe eine nachträgliche Minderung des Reisepreises gerechtfertigt sei. Insgesamt errechneten die Richter dafür einen Betrag von 3207,60 Euro. Das Gericht stellte fest, dass ein Anspruch auf Entschädigung auch dann gegeben sei, "wenn nicht die gesamte Reise, sondern nur ein Teil hiervon Mängel von erheblichem Gewicht aufweist" (OLG Köln, Az. 10 O 170/07).

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Fehlende Eisschollen bei einer Arktis-Expedition

Ganz ähnlich ging es einem Passagier, der per Schiff arktische Gewässer durchqueren und dabei durch "meterdickes Packeis" kreuzen wollte. Das zumindest hatte der Veranstalter im Reisekatalog versprochen. Das Problem: Aufgrund milder Temperaturen waren keine Eisschollen aufzutreiben. Der Mann klagte und bekam Recht. Wenn der Veranstalter ein solches Erlebnis zusichere, müsse er sich daran halten. Der Hinweis des Anbieters, dass es im Fall "extremer Witterungs- oder Wetterverhältnisse" zu Änderungen kommen könne, ändere daran nichts. Schließlich sei aus Sicht des neutralen Beobachters offensichtlich eher zu viel Packeis gemeint. Der Veranstalter muss einen Teil des Reisepreises erstatten (OLG Hamburg, Az. 9 U 92/08).


Schulterbruch bei Safari-Reise

Pech hatte eine Frau während einer Safari-Reise in Südafrika: Auf dem Weg zum Treffpunkt zu einer Exkursion mit Wildhütern stürzte sie im Dunkeln und brach sich ein Schultergelenk. Zurück in Deutschland klagte sie, weil der Reiseleiter sie allein durchs unbekannte Gelände hatte gehen lassen. Tatsächlich hafte der Veranstalter, meinten die Richter. Das Beschreiben des Weges durch den Reiseleiter vor Ort habe nicht ausgereicht, er hätte seine Gäste begleiten müssen. Allerdings wurde der Klägerin eine Teilschuld von einem Drittel zugerechnet. Sie hätte besonders vorsichtig marschieren oder den Ausflug abbrechen müssen (OLG Köln, Az. 16 U 3/08).


Schwindelnde Urlauber werden auch mal entlarvt

Aber nicht immer sind es die Reiseveranstalter, die sich etwas zu Schulden kommen lassen. Manchmal drehen auch Urlauber ein krummes Ding. So hatte ein Ehepaar acht Jahre lang immer wieder Ferien in Clubanlagen eines großen deutschen Anbieters gemacht. Dabei fiel den Urlaubern ein Trick ein, um Geld zu sparen: Sie machten ihre mitreisenden Kinder jünger. Bei der letzten Reise an die türkische Riviera meldete der Vater seinen 19jährigen Sohn als Sechsjährigen an, dessen 18jährige Freundin fuhr als fünfjähriger Sohn mit, der acht Jahre alte Filius wurde drei Jahre jünger gemacht. Als der Jüngste aufgrund einer Verletzung ins Krankenhaus musste, wollte die Reiseleitung die Eltern entlasten und stellte Betreuer für die beiden anderen Kleinen. Dabei flog der Schwindel auf. Ein klarer Fall von Betrug, meinten die Richter des Dortmunder Landgerichts. Zudem kam heraus: Mit Hilfe eines örtlichen Reisebüros hatte der Beklagte sich Rabatt bei insgesamt 16 Reisen erschlichen, der Schaden für den Veranstalter lag bei mehr als 17.000 Euro. Den allerdings müssen die Urlauber mit den Dauer-Kleinkindern nun zurückzahlen (LG Dortmund, Az. 3 O 172/08).


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