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Reiserecht  

Wenn das Ferienhotel krank macht

19.02.2010, 09:47 Uhr | E. Elo, srt

Oft im Urlaub serviert: Crevetten  (Foto: R.Krause/srt)Oft im Urlaub serviert: Crevetten (Foto: R.Krause/srt) Wer im Pauschalurlaub krank wird und behauptet, Schuld daran seien Essen und Hygiene im gebuchten Hotel, der braucht dafür gute Beweise. Denn sonst scheitert er mit Forderungen gegen den Reiseveranstalter nach Preisminderung oder Schadensersatz. So forderte das Landgericht Düsseldorf eine "signifikant hohe Anzahl" von Hotelgästen, die am gleichen Symptom erkrankt sein müssten. Nur dann, so die Juristen, sei dies ein "Anscheinsbeweis" dafür, dass die Ursache der Erkrankung auch wirklich im Veranstalter-Hotel zu suchen sei. In diesem Fall waren sechs von 60 Türkei-Urlaubern aus dem gleichen Hotel von Durchfall betroffen. Zu wenig, um deswegen zu klagen, meinten die Richter (LG Düsseldorf, Az.: 22 S 399/04).

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22 Kranke bei 900 Betten reichen nicht

Andere Türkei-Urlauber fanden gleich 22 weitere Zeugen aus dem gleichen Hotel, die ebenfalls tagelang unter Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Magenkrämpfen litten. Sie machten das Essen und die mangelnde Hygiene im gebuchten Pauschal-Hotel dafür verantwortlich. Auch hier winkten die Richter ab: Bei insgesamt 900 Hotelbetten, so rechneten sie vor, bedeute dies "lediglich eine Krankheitsquote von 2,44 Prozent". Solche Infektionen, erklärten die Juristen, könnten sich Urlauber auch "auf dem Flugplatz, auf einer nicht hoteleigenen Toilette oder durch Übertragung durch Meerwasser zugezogen haben". Schließlich könnten auch "Hitze, Klimaumstellung, andere Nahrungsmittel und kalte Getränke" eine Rolle gespielt haben (AG Hannover, Az. 502 C 1714/02).

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Ohne genaue Angaben gibt es keine Entschädigung

Immer wieder bemängeln Richter, die Schilderungen erkrankter Urlauber seien zu "pauschal", zu wenig "schlüssig". Als Rhodos-Urlauber klagten, weil sie an Salmonellen erkrankt waren, vermissten die Juristen Angaben darüber, "wann genau" sie erkrankten und "auf die Einnahme welcher Gerichte oder Getränke sie die Erkrankung zurückführen". Das konnten die Betroffenen nicht präzise schildern, und es half ihnen auch nichts, dass von 800 Hotelgästen etwa 120 unter den gleichen Krankheits-Symptomen zu leiden hatten. Das hätte ihnen nur genutzt, wenn andere Hotelgäste "in derselben Nacht nach dem eingenommenen Abendessen" erkrankt wären - was nicht mehr bewiesen werden konnte. Selbst die Versicherung der Urlauber, sie hätten außerhalb ihres Hotels nichts gegessen und außerhalb nur Getränke aus verschlossenen Flaschen konsumiert, überzeugte vor Gericht nicht. Die Juristen hielten entgegen: Es könne ja nicht ausgeschlossen werden, "dass auch die Flaschen mit Erregern infiziert sein konnten"(AG Bad Homburg, Az.: 2 C 2400/04 [10]).

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Bei trübem Poolwasser haftet der Veranstalter

Zu hoch dürfen aber die Anforderungen für den "Beweis der Kausalität" auch nicht sein, wie ein Streit zeigt, bei dem das Oberlandesgericht München ein vorinstanzliches Urteil vom Tisch fegte. Hier hatte eine Familie ihren Türkei-Urlaub wegen Darminfektionen abbrechen müssen und die Heimreise angetreten. Vom Reiseveranstalter verlangten die Deutschen die Rückerstattung des vollen Reispreises. Begründung: Sie hätten sich im Swimmingpool des gebuchten Pauschal-Hotels im Ort Kiris (nahe Antalya) infiziert, und zwar mit Amöbenruhr. Dieses Schwimmbecken war erst gereinigt worden, als der Boden des Pools im trüben Wasser nicht mehr sichtbar war. Auch andere Gäste waren inzwischen erkrankt. Die Richter glaubten den Schilderungen der Urlauber, wonach sie das Hotel in der betreffenden Zeit nicht verlassen hatten. Die Juristen gaben ihrer Forderung Recht und urteilten: Wenn durch "ersichtliches Verschulden" des Reiseveranstalters "unhygienische Verhältnisse" geschaffen werden, dann dürfen auch keine "allzu strengen Anforderungen" an die Nachweispflicht der Urlauber gestellt werden. Reisenden ihre Schilderungen nur dann zu glauben, wenn eine Erkrankung "epidemieartig" im Hotel um sich greift, das sei zuviel verlangt (OLG München, Az.: 26 U 4306/99).

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