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Neue EU-Urlaubs-Richtlinie: Für Deutsche nicht alles besser

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Neue EU-Regeln bei Pauschalreisen  

Für Deutsche muss nicht alles besser werden

27.10.2015, 15:32 Uhr | Markus Roman, AFP, dpa

Neue EU-Urlaubs-Richtlinie: Für Deutsche nicht alles besser. Die neuen EU-Regeln stärken die meisten Rechte der Urlauber. (Quelle: dpa)

Die neuen EU-Regeln stärken die meisten Rechte der Urlauber. (Quelle: dpa)

Mit einer neuen Richtlinie will die Europäische Union (EU) die Rechte ihrer Bürger bei Pauschalreisen verbessern und vereinheitlichen. Das Europa-Parlament verabschiedete die neuen Regelungen mit großer Mehrheit. Sie sollen ab 2018 in Kraft treten.

Ziel der neuen Regeln ist, die Richtlinie für Pauschalreisen aus dem Jahre 1990 zu ergänzen und vor allem an das digitale Zeitalter anzupassen. Auf den Inhalt hatten sich EU-Minister für Wettbewerb mit dem EU-Parlament schon im Mai geeinigt. Insgesamt dürften auch deutsche Bürger davon profitieren. Doch in einigen Punkten ist der Schutz nach deutschem Recht jetzt noch umfassender als künftig vorgesehen.

Auch Bausteinreisen sind künftig oft Pauschalreisen

Künftig können unter anderem auch sogenannte Bausteinreisen als Pauschalreisen gelten, wenn etwa auf einer Vermittler-Website bei verschiedenen Anbietern Flug, Mietwagen und Hotel angeboten werden. Voraussetzung für eine Wertung als Pauschalreise ist, dass die Online-Angebote miteinander verknüpft sind, etwa durch Links. Ein weiteres Anzeichen dafür ist die Weiterleitung von persönlichen Daten des Kunden - wie Name, Adresse und Bankverbindung - von einem Anbieter zum anderen. Vor allem Online-Reisebüros dürften dadurch stärker in die Pflicht genommen werden.

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Nach den neuen Regeln soll für die Kunden klar erkennbar sein, ob sie eine Pauschalreise buchen und wer bei Problemen verantwortlich ist. Der Kunde hat dann einen einheitlichen, vorher benannten Ansprechpartner - unabhängig davon, ob es Probleme bei Flug, Mietwagen oder Unterkunft gibt.

Auch weiterhin Individualbuchung möglich

Die Juristin Sabine Fischer-Volk der Verbraucherzentrale Brandenburg sagte gegenüber t-online.de bereits bei der Vorstellung der Richtlinien Ende Mai, dass es auch bei Internetbuchungen weiterhin Individualreisen gebe. Bei diesen genießt der Kunde meist weniger Schutz. Das müsse dann aber für den Kunden klar erkennbar sein.

Das wäre etwa der Fall, wenn ein Verbraucher im Internet dagegen auf einem Portal einen Flug bucht und unabhängig davon bei einem anderen Anbieter eine Ferienwohnung. In diesem Fall muss er sich mit Reklamationen an den jeweils zuständigen Anbieter wenden.

Nachteile für deutsche Urlauber

Gegenüber t-online.de sagte Sabine Fischer-Volk, die neue Richtlinie für deutsche Bürger könnte auch zu Verschlechterungen im Vergleich zu heutigem Recht führen. Grund: Derzeit herrsche in Deutschland in einigen Punkten ein "höheres Schutzniveau" für Pauschalreisen.

Das vielleicht prominenteste Beispiel ist das Stornierungsrecht bei Preissteigerungen. Die neue EU-Richtlinie sieht ein Rücktrittsrecht vor, wenn sich eine Pauschalreise nach Buchung um mehr als acht Prozent verteuert. Nach geltendem Recht haben deutsche Bürger aber schon bei einer Verteuerung um fünf Prozent die Möglichkeit, kostenlos von der Reise zurückzutreten. Da die EU mit den neuen Regeln vermutlich eine "Vollharmonisierung" der Mitgliedsländer anstrebt, hielt es Fischer-Volk in diesem Fall für wahrscheinlich, dass der Schutzstandard in Deutschland sinkt.

Höhere Gewalt: Keine Preisminderung mehr, dafür Stornierungsrecht

Auch die Regelung, dass Deutsche jetzt schon in Fällen höherer Gewalt wie Katastrophen nachträglich den Reisepreis mindern können, könnte durch die neue Richtlinie gekippt werden.

Dafür werden Reiseveranstalter durch die EU-Regelungen in solchen Fällen generell stärker in die Pflicht genommen. Sie müssen etwa bis zu drei Übernachtungen für ihre Kunden organisieren und übernehmen, wenn wegen ungewöhnlicher Umstände eine Reise nicht durchgeführt werden kann. Außerdem können Reisen bei Naturkatastrophen, Kriegen oder anderen schwerwiegenden Störungen am Urlaubsort kostenfrei storniert werden. Hier waren Urlauber in der Vergangenheit häufig auf die Kulanz der Anbieter angewiesen.

Fischer-Volk führte einen weiteren deutschen Sonderfall auf, der künftig keinen Bestand mehr haben könnte. Bietet hierzulande ein Reiseveranstalter einen Katalog mit Ferienwohnungen an, gilt eine Buchung darüber als Pauschalreise samt höherem Schutzniveau. Und dass, obwohl der Kunde bei einer Ferienwohnung in der Regel eine Einzelleistung bucht. Das wäre "eventuell nicht mehr so", sagte Fischer-Volk im Mai.

EU-Parlament verabschiedete Richtlinie im Oktober

Neben den genannten Änderungen sieht die Richtlinie viele weitere Neuerungen und Regelungen vor, etwa bei Bankrott eines Anbieters. Auch sollen Stornobedingungen flexibler und Verantwortlichkeiten bei Buchungsfehlern geklärt werden.

Die EU-Minister einigten sich trotz Bedenken einiger Staaten insgesamt auf die Neuregelung. Deutschland war für den auf dem Tisch liegenden Vorschlag. Das EU-Parlament stimmte jetzt zu. Nun haben die einzelnen Staaten zwei Jahre Zeit, die Vorgaben in nationales Recht umzusetzen. Spätestens dann wird sich auch zeigen, ob deutsche Schutzbestimmungen aufgeweicht werden.

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