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Unterwegs in der Antarktis: Auf dem kältesten Kontinent

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Auf dem kältesten Kontinent

03.01.2013, 17:02 Uhr | Christian Nowak, srt

Unterwegs in der Antarktis: Auf dem kältesten Kontinent. Eselspinguine vor Port Lockroy. (Quelle: SRT /Christian Nowak)

Eselspinguine vor Port Lockroy. (Quelle: Christian Nowak/SRT )

Auf der winzigen Goudierinsel mit der ehemaligen Walfangstation Port Lockroy sind die Menschen nur Gäste der wahren Hausherren: Hier leben mehr als 800 Eselspinguin-Paare. Doch nur zwischen November und März ist die abenteuerreiche Reise möglich, zu der ein Besuch des Museums und des Souvenirladens ebenso gehört wie das Verschicken einer Postkarte mit dem beliebten, aber raren Poststempel. Sehen Sie Eindrücke einer Antarktis-Reise in unserer Foto-Show.

Nur wenige Monate mit dem Schiff zu erreichen

Im antarktischen Sommer - von November bis März - sind die Gewässer rund um den kältesten Kontinent so weit eisfrei, dass Expeditionsschiffe bis zur Antarktischen Halbinsel und zum südlichen Polarkreis vordringen können. Die Natur ist überwältigend: gigantische Tafeleisberge, unzählige Gletscher, wild gezackte Berge. Pinguinkolonien, Robben und Wale lassen jeden ehrfürchtig staunen. Nur wenige Menschen leben hier im Sommer auf kleinen Stationen wie dem britischen Port Lockroy.

Vorbei an Eisbergen und Gletschern

Vorsichtig tastet sich die "MS Fram" auf der Suche nach einem sicheren Ankerplatz in die Bucht von Port Lockroy, so wie es früher auch die Wal- und Robbenfangschiffe gemacht haben. Die kleinen Eisberge, die überall auf dem Wasser treiben, fordern von Kapitän Rune Andreassen auf der Brücke höchste Konzentration. Die Passagiere genießen derweil das antarktische Postkartenmotiv an der Reling. Mehrere Gletscher rahmen die Bucht ein, ihr gleißendes Weiß steht im Kontrast zu den hoch aufragenden, gezackten Bergen der Wieneckeinsel.

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Museum, Post und Souvenirladen

Mitten in der Bucht liegt unser Ziel, die kleine Goudierinsel. Die Franzosen haben die blank geschliffenen Felsen 1904 entdeckt, die Norweger danach als Walfangstation genutzt, bevor die Briten dort im Zweiten Weltkrieg eine Marinestation einrichteten, die sie 1962 wieder aufgaben und die daraufhin verfiel. Erst 1996 haben die Briten die Station Port Lockroy wieder instand gesetzt. Heute betreibt der United Kingdom Antarctic Heritage Trust auf dem winzigen Stück Land ein Museum, eine Post und einen Souvenirladen.

Putzige Frackträger

"Mindestens fünf Meter Abstand zu den Pinguinen", mahnt wie immer beim Verlassen der Polarcircle-Boote Expeditionsleiterin Anja Erdmann. Doch bei diesem Landgang kann sie nicht so streng sein, denn auf der Insel brüten rund 800 Eselspinguin-Paare dicht an dicht. Sie besitzen die Insel und teilen sie freundlicherweise mit den vier ständigen menschlichen Bewohnern und den neugierigen Touristen. Sie laufen geschäftig hin und her, suchen Steinchen für ihre Nester, klauen dem Nachbarn Steinchen, wenn er sie mal aus den Augen lässt. Sie zanken und zetern - und ignorieren die großen Zweibeiner mit den Fotoapparaten vollkommen. Anjas warnt: "Wenn Sie Ihre Freunde nicht langweilen wollen, zeigen Sie ihnen zu Hause nicht mehr als fünf Pinguin-Fotos". Das wird schwer, denn die Frackträger sind einfach zu putzig.

14.000 Touristen pro Jahr

Die Station leitet eine Deutsche, Ylva Grams, Biochemikerin, gebürtige Marburgerin, die, wenn sie nicht gerade in der Antarktis ist, in den Niederlanden lebt. "Als ich mit der Bark 'Europa' hier war, habe ich erfahren, dass die Leitung der Station frei wird. Daraufhin habe ich mich beworben und wurde genommen". Jetzt ist sie schon das zweite Jahr von November bis März in Port Lockroy. Zusammen mit drei Britinnen unterhält sie die meistbesuchte Antarktis-Station. Knapp 14.000 Touristen kommen pro Jahr, Tendenz steigend, aber viel mehr geht nicht, denn maximal drei Schiffe dürfen pro Tag Passagiere anlanden und nur 60 von ihnen dürfen gleichzeitig an Land.

Postkarten besonders beliebt

Die drängen sich dann in dem kleinen Museum, das die Station so zeigt, wie sie früher aussah. Von der Wand lächelt die jugendliche Queen würdevoll in schwarz-weiß, daneben ein Gemälde der blonden Diana Dors, einer englischen Schauspielerin aus den 50er-Jahren, die auf Marilyn Monroe macht. In den Regalen stehen noch rostige Konserven mit "Hunter's Royal Pork Sausages" und "Christmas Pudding". Ebenso beengt ist der Souvenirladen, in dem natürlich Pinguine die Hauptrolle spielen. Selbst auf jedem Kugelschreiber ist das Pinguinlogo. Heiß begehrt ist auch der Stempel der südlichsten Poststelle der Welt - es dauert zwar eine ganze Weile, aber die Postkarten kommen wirklich an, das ist Ehrensache für die britische Post. Laden und Post sind überlebenswichtig, denn sie finanzieren die Arbeit des Antarctic Heritage Trust, der historische Stätten wie diese renoviert und für die Nachwelt erhält.

Pinguin-Studie zeigt Überraschendes

"Trotz der 12-Stunden-Tage haben wir eigentlich keine Zeit für Forschung. Nur eine kleine Pinguin-Studie führen wir seit einigen Jahren durch", erklärt Ylva bedauernd. Die Studie zeigt Überraschendes. Im hinteren Teil der Insel dürfen die Pinguine ungestört brüten, Menschen haben keinen Zutritt. Doch die Tiere bevorzugen den Teil der Insel, über den jeden Tag Menschen laufen. Heißt das, dass Pinguine Menschen mögen? Nicht unbedingt, aber Menschen vertreiben Raubmöwen und die sind ständig hinter Pinguineiern her.

Kein Luxus auf der Insel

Eine Stunde unter Pinguinen ist viel zu kurz, doch fünf Monate inmitten einer streng riechenden Kolonie? "Pinguine nerven nie", versichert Ylva Grams sofort. Und doch genießt sie es, zum Duschen, zum Dinner und um Mails zu schreiben, mit auf die "MS Fram" zu kommen, denn diesen Luxus gibt es auf der Goudierinsel nicht - nur Gletscherwasser. "Wir haben nicht einmal ein Boot, um die Gegend zu erkunden, das wäre viel zu gefährlich."

Weitere Informationen:

Die "MS Fram" der norwegischen Hurtigruten ist von November bis März in der Antarktis unterwegs. Die 10- bis 19-tägigen Expeditionskreuzfahrten kosten inklusive Linienflug nach Buenos Aires und Charterflug nach Ushuaia ab 5218 Euro pro Person. Die Schiffsreise führt über die Drake Passage zur Antarktischen Halbinsel. Alle Anlandungen dort sind wetterabhängig. Anbieteradresse: Hurtigruten, Burchardstr. 14, 20095 Hamburg, Tel. 040/37693-0, ce.info@hurtigruten.com, www.hurtigruten.de

(Erstmals veröffentlicht am 27.11.2012)

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