
14.12.2012, 13:55 Uhr | t-online.de, www.lichtjahre.eu
Das faszinierende Foto heißt: "Eintritt ins verzauberte Reich" ("Entering the Enchanted Realm"). (Quelle: www.lichtjahre.eu / Where Geoscience Meets Art )
Es gibt auf Reisen nichts Schöneres, als mit offenem Mund vor einem Gebäude, einer wundervollen Landschaft oder einem faszinierenden Stück Natur zu stehen und einfach fassungslos zu staunen. Ohne diese Höhepunkte würde etwas fehlen. So geht es Besuchern, die sich die 50 Meter lange Eisgrotte auf der zugefrorenen Gletscherlagune des Svínafellsjökull-Gletschers im Skaftafell-Nationalpark, Island, anschauen. Island hat zudem einige weitere natürliche Eisskulpturen zu bieten. Sehen Sie diese und andere von der Natur geschaffene Eisskulpturen in unserer Foto-Show.
Der Fotograf Christian Klepp hat das obige Foto nicht ohne Grund "Eintritt ins verzauberte Reich" ("Entering the Enchanted Realm") genannt. Er beschreibt das Phänomen so: Das Betreten dieser tiefblauen, 50 Meter langen, 10 Meter breiten und 1,8 Meter hohen Eisgrotte auf der zugefrorenen Gletscherlagune erzeugt eine ehrfurchtgebietende Atmosphäre. Dieser bis zu 1000 Jahre alte Schnee ist in hochverdichtetes Gletschereis umgewandelt worden. Dadurch absorbiert das Eis das sichtbare Licht bis auf den gestreuten blauen Anteil, der die tiefblauen Farben des welligen Eises erzeugt. Regen und Schmelzwasser sammeln sich auf der Gletscheroberfläche und dringen als Wasserfall durch Spalten im Gletscher in die Tiefe vor. Das im Gletscher gestaute Wasser fließt talabwärts, wobei es lange Tunnel und Grotten in das Eis schmilzt. Diese treten am Ende des Gletschers als Gletschertore zutage. Die feinkörnigen Sedimente im Schmelzwasser sowie die windverfrachteten Sedimente geben dem gefrorenen Schmelzwasserstrom eine braune Färbung, während der obere Teil im tiefen Blau des Eises erstrahlt. Durch die schnelle Fließbewegung des Gletschers von bis zu einem Meter pro Tag über unebenes Gelände bilden sich tiefe Spalten.
Nicht weniger faszinierend ist das "Tor zur Arktis" ("Arctic Gate"). Die nördlichsten Regionen Islands berühren den Polarkreis auf 66 Grad Nord. Auf die hochgelegenen Inlandeiskappen Islands fallen bis zu 15 Meter Schnee pro Jahr. Trotz dieser harschen Klimaparameter herrscht auf Island insgesamt ein überraschend mildes Klima. Im Gegensatz dazu verursachen die Eiskappen Islands ihr eigenes regionales Klima. Hier können die Lufttemperaturen örtlich deutlich unter die Umgebungstemperatur fallen. Dies ist der Hauptgrund, dass die Brackwasser-Gletscherlagune Jökulsárlón des Vatnajökull im Winter komplett zufrieren kann. Dies ermöglicht den Zugang zu den eingefrorenen Eisbergen. Das bis zu 1000 Jahre alte Eis dieses Eistores ist der Überrest eines ehemaligen Eistunnels, dessen Schmelzwasserstrom den Gletscher entwässerte. In der klirrenden Kälte scheint der zunehmende Mond durch das Eistor. Bereits im nächsten Frühling wird diese Eisformation von der Brandung des Nordatlantiks für immer zerstört.
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Die Mitternachtssonne im Zeitfenster um den 21. Juni und die tiefe Wintersonne um den 21. Dezember bietet auf Island einzigartige Photo-Bedingungen. In beiden Fällen steht die Sonne stundenlang am Horizont und bietet endlose Sonnenauf- und Untergänge mit spektakulären Lichtbedingungen, die die Landschaften Islands auf jeweils ganz einzigartige Art und Weise beleuchten. Am Strand der Gletscherlagune Jökulsárlón des Vatnajökull verursacht die tiefe Wintersonne ein einzigartiges Naturschauspiel, wenn sie hinter den gestrandeten Eisbergen aufgeht und diese von hinten beleuchtet. Jede einzelne Fläche im Eis reflektiert das Sonnenlicht in eine andere Richtung, wodurch die Eisberge auf dem tief-schwarzen Basaltsand des Strandes wie Diamanten funkeln. Da der starke Tidenhub des Nordatlantiks die Eisfläche der zugefrorenen Gletscherlagune am Ausfluss zweimal täglich aufbricht, gelangen auch im Winter genug Eisberge in den Ozean und damit an den Strand.
Der Zugang zur zugefrorenen Gletscherlagune Jökulsárlón auf Island gelingt nur selten: Eine Vielzahl von Tiefdruckgebieten brachte ergiebigen Regen ins südliche Island. Dieser Regen schmolz die Schneeauflage der Eisberge und polierte das tiefblaue Eis. Gleichzeitig fielen die Wassertemperaturen in der Lagune unter den Gefrierpunkt, der wegen des einströmenden, salzigen Meerwassers unterhalb von null Grad Celsius liegt. Dadurch, dass die eiskalte und daher schwere Luft des Inlandeises mit hoher Geschwindigkeit die Hänge des Gletschers herabströmt, wächst die Eisdecke auf dem See stark an, obwohl die Umgebung recht warm ist. Im schneefreien Süden gab es dagegen einen Sand- und Aschesturm. Die schwarze vulkanische Asche zeichnete feinste Strukturen auf der Eisoberfläche nach, wodurch die Formen, Farben und Muster des Eises im Erdschattenlicht ganz einmalig hervorgehoben wurden.
An der Nordseite des Vatnajökull gibt es oft starken Schneefall. Im Süden der Eiskappe, am Strand der Jökulsárlón verursachte dies wiederum absinkende Luftmassen und dadurch einen Effekt, der zu tagelangem wolkenlosem Himmel bis hinauf auf den atlantischen Ozean führte. Erst am Horizont brach dieser Effekt zusammen, sichtbar an den entfernten Wolken. Durch diese spektakulären Lichtverhältnisse glitzern diese kleinen gestrandeten Eisberge wie Juwelen auf dem tiefschwarzen vulkanischen Sand.
Bei dauerhaften Temperaturen unter -8°C können die den Gletschern vorgelagerten, Eislagunen zufrieren und eine bis zu 50 Zentimeter mächtige Eisschicht ausbilden. Bei solch frostigen Bedingungen sind die fragilen Eisgrotten in den Gletschern erreichbar und einigermaßen stabil, so dass der kurzfristige Zugang gewagt werden kann. Der Gletscher verlangsamt aber im Winter seine Fließgeschwindigkeit keineswegs. Getrieben von der Gravitation kriecht das Eis mit der bemerkenswerter Geschwindigkeit von bis zu einem Meter pro Tag die Hänge der Eiskappe hinunter. Diese Eisgrotte im Svínafellsjökull Gletscher in Skaftafell, Island folgt dieser Bewegung unter ständigen Knack- und Bruchgeräuschen, wobei das Eis der Lagune am Seerand empor gedrückt wird. Am Lagunenrand ist das Eis etwa 1000 Jahre alt. Zahlreiche horizontale schwarze Lagen durchziehen das Eis, die durch Vulkanausbrüche entstanden. Die Asche fiel wiederholt auf den frisch gefallenen Schnee der Eiskappe, der langsam zu Eis wurde und seine lange Gletscherreise Richtung Ozean antrat. Das tiefblaue Eis verrät, dass das Eis starker Kompression unterworfen wurde, denn es enthält so gut wie keine Lufteinschlüsse mehr. Der gefrorene Boden der Eishöhle enthält ein Gemisch aus Schmelzwasserstrom und Seewasser. Der Aufenthalt in dieser Ehrfurcht gebietenden Kristallgrotte von 50 Metern Länge, 10 Metern Breite und 7 Metern Höhe und der Blick von Innen nach Außen auf den Sonnenuntergangshimmel macht dieses Erlebnis unvergesslich.
Website des Skaftatell-Nationalparks (englisch): http://www.vatnajokulsthjodgardur.is/english/destinations/skaftafell/
Website des Fremdenverkehrsbüros: http://de.visiticeland.com/
Quelle: t-online.de, www.lichtjahre.eu
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