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Eine der sonnigsten Gegenden der Schweiz: Tessin

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Eine der sonnigsten Gegenden der Schweiz: Tessin

13.03.2013, 13:17 Uhr | Margit Boeckh, srt

Eine der sonnigsten Gegenden der Schweiz: Tessin. Der Blick von der Brissago-Insel Isola Grande auf den Lago Maggiore bedeutet pure Idylle. (Quelle: SRT /Margit Boeckh)

Der Blick von der Brissago-Insel Isola Grande auf den Lago Maggiore bedeutet pure Idylle. (Quelle: Margit Boeckh/SRT )

Südländisches Dolce Vita und Schweizer Präzision - das genießt der Gast im Tessin. In einer der sonnigsten Regionen der Schweiz kann er getrost unter Palmen die Seele baumeln lassen - und die Busse fahren trotzdem pünktlich. Seit jeher ist das ja einer dieser magischen Sehnsuchtsorte für Sonnensucher aus dem Norden. Gelegen dort, wo die Schweiz schon fast Italien ist. Sehen Sie Tessin auch in unserer Foto-Show.

Mental Italiener, politisch Schweizer, geologisch Afrikaner

"Wir sind ja auch irgendwie Italiener, jedenfalls mental und kulturgeschichtlich", meint denn auch Maria Pia Aerne. "Politisch und wirtschaftlich natürlich Schweizer. Und geologisch - da sind wir Afrikaner", fügt sie hinzu und lacht über unsere verblüfften Mienen. Die zierliche Fünfzigerin mit den schwarzen Locken zeigt Gästen ihre schöne Heimat in einer charmanten Mischung aus Schweizer Gründlichkeit und italienischem Temperament. Mit ihr sitzen wir bei Espresso und Kastanienkuchen an der Promenade von Ascona. Weit hinter der pastellfarbenen Häuserkulisse grüßen schneebedeckte Gipfel. Ein paar Schritte vor uns plätschern die Wellen des Lago Maggiore.

Berge schaffen mildes Klima

Das fröstelig-graue Zuhause ist unterm blanken, blauen Tessiner Himmel weit weg. Afrika übrigens auch. Und doch ist das milde Klima scheinbar ewigen Frühlings, das wir hier genießen, quasi ein Geschenk des schwarzen Kontinents. So klärt uns Maria Pia auf und erzählt von geologischen Verwerfungen vor Jahrmillionen, einer großen afrikanischen Landplatte, die Richtung Europa trieb und letztlich jene Berge schuf, die die Gegend vor den kalten Nordwinden schützen. So ist das Tessin mit mehr Sonne und Wärme gesegnet als jede andere Schweizer Gegend.

Künstler-Refugium in den Hügeln

Kein Wunder, dass es Nordlichter wie uns seit je hierher zog. Nicht wenige Promis waren darunter. Schon seit Anfang des 19. aber vor allem im 20. Jahrhundert machten Künstler und Lebenskünstler, die Reichen und Schönen die Orte am Ufer des Lago zu mondänen Hotspots. Schon der Schriftsteller Stendhal hatte schließlich geschwärmt: "Wer ein empfindsames Herz hat, verkauft auch noch sein letztes Hemd, um an den Lago Maggiore zu gelangen." Manche sind gleich für immer hiergeblieben. Zum Beispiel Erich Maria Remarque. Der schrieb hier aus seinem Haus in Ronco Liebesbriefe an Marlene Dietrich und holte schließlich die Hollywood-Mimin Paulette Goddard als seine letzte Frau in das Refugium in den Hügeln.

Einer der teuersten Immobilienplätze liegt im Tessin

Über steile, enge Serpentinen gelangt man zum Friedhof von Ronco, wo das Paar seine letzte Ruhestätte fand. Mit Traumblick über den See, wie ihn der Ästhet und Lebemann Remarque so gerne von der Terrasse seiner Villa genoss. Die steht jetzt zum Verkauf. Als Spekulationsobjekt, dem womöglich der Abriss droht. Remarquefreunde wollten das Anwesen als museales Begegnungszentrum retten - bislang vergeblich. Das hier ist schließlich einer der teuersten und begehrtesten Immobilienplätze der Schweiz. Was den alteingesessenen Tessinern so manches Problem bringt.

Die Brissago-Inseln, Juwelen im Lago

Vor jeglicher Spekulanten-Gier bewahrt bleiben die Brissago-Inseln. Verlockend wie Schmuckstücke liegen sie im See. In Sichtweite vor Porto Ronco und dem Ort Brissago, dem sie ihren Namen verdanken. Das kleinere Eiland mit seiner ursprünglichen Vegetation dient botanischen Forschungszwecken und ist nicht öffentlich zugänglich. Die Isola Grande gleich nebenan jedoch empfängt in der Saison täglich Besucherscharen. Sie kommen per Schiff und landen geradewegs im Garten Eden des Tessin. Gar nicht mal so groß ist die Insel mit ihren zweieinhalb Hektar. Bequem zu erlaufen. Doch braucht man weit länger als erahnt für einen Spaziergang auf den verschlungenen Wegen, über Stufen und Terrassen. Denn unterwegs locken mehr als 1700 Pflanzenarten aus allen Kontinenten zum Schauen, Schnuppern und Schnappschüsse machen.

Vielfältige Botanik

Eine Weltreise durch die Botanik, die viele seltene, auch merkwürdige Gewächse zum Vorschein bringt. Da leuchten die grellgelben Blüten des aus Kalifornien stammenden Flanellstrauches. Bis zu acht Zentimeter groß werden die, und wer sie anfasst, verspürt tatsächlich dieses flaumige Stoffgefühl. Die Früchte des Johannisbrotbaumes dagegen werden noch heute in Italien zu einer Art Kakao vermahlen, während die winzigen Kerne (italienisch: carato) in der Antike als Wägeeinheit für Gold und Diamanten genommen wurden, was zum heutigen "Karat" wurde. Aus den Früchten des Paternosterbaumes schnitzten die Padres in Südamerika einst ihre Rosenkranzperlen.

Die tragische Geschichte der Baronin de Saint-Léger

Die Natur steckt hier voller Geschichten, genauso wie die Insel insgesamt. Ihre botanische Pracht verdankt sie einer schillernden Dame, die angeblich sogar als uneheliche Tochter der Zarenfamilie entstammen soll. Diese Baronin Antoinette de Saint-Léger hatte 1885 mit dem Geld ihres dritten Ehemannes die Brissago-Inseln gekauft. Damals befand sich darauf nur eine überwucherte Klosterruine. Die Baronin ließ eine Villa bauen, Erdreich auf die Insel schaffen und Pflanzen und Bäume aus aller Welt herbringen. In ihrem Salon verkehrten Künstler wie James Joyce und Rainer Maria Rilke. Und wohl auch mancher Liebhaber. Jedenfalls heißt es, dass ihr Mann sie wegen ihres lockeren Lebenswandels verließ. Sie verarmte, musste die Insel 1927 verkaufen und starb 1948 als Sozialhilfeempfängerin.

Brissago-Inseln seit 1940 in öffentlicher Hand

Käufer der Insel war der Hamburger Geschäftsmann Max Emden, dem unter anderem das Berliner KaDeWe gehörte. Seine Leidenschaft galt weniger der Gärtnerei als dem Dolce Vita. Neben einem prächtigen Palais ließ der Frauenliebhaber einen riesigen Pool im römischen Stil errichten. Einst skandalumwitterter Schauplatz freizügiger Partys, zeigt der sich heute als stilles, romantisches Gewässer. Nach Emdens Tod verkauften seine Erben die Insel an den Kanton Tessin. So ist das Refugium seit 1940 in öffentlicher Hand. Im "Palazzo Emden" kann man heute in noblen Räumen übernachten, tagen und feiern, gerne auch heiraten. Oder als Tagesgast nach dem Parkrundgang auf der Restaurant-Terrasse feinste Tessiner Küche und ebensolchen Wein genießen. Inklusive Traumblick über den See und diese wahrhaftige Isola bella im Lago Maggiore.

Weitere Informationen:

Allgemeine Auskunft: Schweiz Tourismus, Rossmarkt 23, 60311 Frankfurt/Main, ervice-Telefon 00800/100 200 29 (gratis), www.MySwitzerland.com, www.ticino.ch
Brissago-Inseln: Saison 2013 vom 20. März bis 28. Oktober, geöffnet täglich 9-18 Uhr. Eintritt acht (Erw.) bzw. 2,50 CHF (Kinder bis 16 Jahre). Schiffsverkehr von Ascona, Porto Ronco und Brissago.

Erstmals veröffentlicht am 12.03.2013

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