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Türkische Skigebiete  

Verschneite Pisten statt Badeurlaub

28.01.2008, 13:09 Uhr | dpa-tmn, t-online.de

Im türkischen Skigebiet Uludag sieht es fast aus wie in den Alpen. (Foto: Kultur- und Tourismusministerium Ankara)Im türkischen Skigebiet Uludag sieht es fast aus wie in den Alpen. (Foto: Kultur- und Tourismusministerium Ankara)

Der blendend weiße Schnee knirscht verheißungsvoll unter den Brettern. Vertraut surrt der Sessellift. Aus der Höhe schweift der Blick über verschneite Gipfel und Pisten, auf denen Skiläufer und Snowboarder ihre Kurven ziehen. Gleich daneben liegen ein verschneiter Wald und Hütten. Diese Szene aus dem winterlichen Nationalpark Uludag im Westen der Türkei unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht sehr von den Alpen - wenn der Bergwind nicht orientalische Musik aus einem Lautsprecher herübertragen würde. Und statt Jagertee gibt es hier Cay und Raki.

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Skigebiete ohne Menschenmassen

Trotz der Schönheit der winterlichen Bergwelt zieht es nur ganz wenige ausländische Touristen in die türkischen Wintersportgebiete. Russen und einige Niederländer haben den Weg auf den Uludag gefunden. Drei Stunden Autofahrt und eine kurze Fährpassage liegen hinter den Gästen, die aus dem etwa 190 Kilometer entfernten Istanbul anreisen. Nur etwa zehn Prozent der Touristen kommen aus dem Ausland, sagen Hotelbesitzer. Auf dem Uludag steigen vor allem Türken aus Istanbul für Wochenendtouren auf die Bretter. In SUVs oder mit Schneeketten haben sie die kurvige Bergstraße erklommen, die von einer festgefahrenen Schneedecke bedeckt ist. Alle paar Kilometer haben Bauern ihre Traktoren in Stellung gebracht, um Ausflügler nach Unfällen aus dem Straßengraben zu ziehen. Noch lieber aber verkaufen sie in Haltebuchten einen Satz Schneeketten. Gestikulierend bieten sie die dringend benötigte Winterausrüstung an.

Wedeln auf dem "Heiligen Berg"

Der 2500 Meter hohe Uludag ("Heiliger Berg") ist ein erloschener Vulkan. In der griechischen Mythologie ist er als Olympos Misios bekannt. Die Skisaison beginnt hier im Dezember und geht bis zum April, wenn nicht frühes Tauwetter einsetzt. 16 Lifte bringen die Gäste bis auf 2200 Meter Höhe. "Uludag steht ganz oben auf der Liste der türkischen Skigebiete", sagt Serdar Özger, der 33-jährige Trainer der türkischen Snowboard-Nationalmannschaft und den Wintersportfans seines Landes besser bekannt unter seinem Spitznamen "Carlos". In den Jahren 1998, 1999 und 2000 war er selbst nationaler Champion. Özger sagt, sein Land müsse in der Infrastruktur noch viel investieren, um auf internationales Niveau zu kommen. Vor allem die Liftanlagen sind ein Problem. In der Türkei gehören sie traditionell zu einem Hotel und werden vor allem den eigenen Gästen zur Verfügung gestellt. Andere Skifahrer müssen sich jeweils für einzelne Lifte Karten besorgen, was bei Preisen von rund 25 Euro schnell ein teurer Spaß werden kann - für den man nicht überall mit Kreditkarte bezahlen kann. Einige Hotels nehmen nur Bargeld.

Meist schneesichere Gebiete

Streng genommen gibt es in der Türkei keine Wintersportorte, sondern Ski-Hotels mit eigener Infrastruktur. "Seit zehn Jahren versuchen wir, ein System für einen gemeinsamen Skipass zu schaffen, mit dem im ganzen Gebiet gefahren werden kann. Aber es läuft den Interessen einiger Hotelchefs zuwider", sagt Kutlu Yurtsever, Juniorchef eines Hotels auf dem Uludag. Außerdem habe die Türkei international noch kein Image für den Wintersport: "Vor zwölf Jahren ging ich nach England. Da wurde ich noch gefragt, ob ich wohl ein Kamel habe. Die Menschen denken bei der Türkei nicht an Schnee." Dabei sind die meisten türkischen Gebiete schneesicher. Eine Schneekanone ist auf dem Uludag vorhanden, aber seit vier Jahren nicht mehr benutzt worden. "Das Skigebiet Uludag ist zehnmal größer als das von Innsbruck. Aber wir nutzen hier nur fünf Prozent", sagt Yurtsever. "Dabei könnten wir hier eine acht Kilometer lange Piste erschließen."

Kartalkaya - für Familien ideal

Ein anderes Skigebiet ist Kartalkaya. Etwa vier Stunden Fahrzeit sind es von Istanbul aus, eine Stunde weniger aus der Hauptstadt Ankara. Fast 30 Kilometer schlängelt sich am Ende die Bergstraße durch verschneite Nadelwälder. Die Straße passiert einige Weiler und Gasthöfe. Auf dem Berg erwarten den Touristen in 2000 Metern Höhe drei Hotels, die mit "Skilaufen ohne Schlangestehen" werben. Zumindest während der Woche können die Hotels dieses Versprechen auch einlösen, denn auch hier reisen vor allem Türken aus den großen Städten für das Wochenende an. Die Pisten sind nicht besonders anspruchsvoll. Ambitionierte Skifahrer könnten bald gelangweilt sein. Für Abfahrten von Familien ohne viel Gedränge sind sie aber optimal.

Bequemes Skifahren bevorzugt

Touristen aus Deutschland sind auf dem Berg Exoten. "Deutsche kommen nur ganz selten her. Und dann sind es meist Leute, die Familienbeziehungen in die Türkei haben", sagt ein Skilehrer. Obwohl die Geografie auch herrliche Langlaufloipen möglich machen würde, ist die nordische Wintersportart in der Türkei nicht verbreitet. Auch Rodler werden auf den Pisten schnell verscheucht. "Der türkische Skiläufer will bequem auf den Berg und rasant runter", sagt der Skilehrer und lacht. "Für alles andere ist er zu faul."

Baden und Skifahren - direkt nebeneinander

Den wohl extremsten Gegensatz von Sommer- zu Winterurlaub können Antalya-Urlauber gegen Ende März erleben. Dann erlaubt sich in der Küstenstadt durchaus schon der ein oder andere Gang ins Meer. Doch nur 50 Kilometer nordwestlich, in den Beydaglari-Bergen, lässt sich ein Tagesausflug in den Schnee unternehmen - ins Ski Resort Saklikent. Ab einer Höhe von etwa 2000 Kilometern reicht die Schneedecke normalerweise, um die Pisten hinunterzuwedeln. Und wenn man genug hat vom kalten Schnee, fährt man gerade wieder zurück an den warmen Strand ins Hotel in Antalya.

Weitere Informationen: Kultur- und Informationsabteilung des türkischen Generalkonsulats Frankfurt, Baseler Straße 35-38, 60329 Frankfurt (Tel.: 069/23 30 81 82, Internet: www.reiseland-tuerkei-info.de)

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