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Seilbahn "Vanoise Express": Drahtseilakt der Superlative

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Drahtseilakt der Superlative

23.02.2011, 11:08 Uhr | Stéphanie Souron, Spiegel Online, Spiegel Online

Seilbahn "Vanoise Express": Drahtseilakt der Superlative. Der "Vanoisse Express" verbindet die Skigebiete Les Arcs und La Plagne. (Foto: Selalp)

Der "Vanoisse Express" verbindet die Skigebiete Les Arcs und La Plagne. (Foto: Selalp)

Die größte und schnellste Seilbahn der Welt verbindet in Frankreich zwei Skigebiete - und soll die weltweite Vermarktung der Region La Plagne/Les Arcs ankurbeln. Solche Superlative sind wichtig: Denn eine bauliche Schönheit sind die Bettenburgen im Tal nicht. Sehen Sie die Seilbahn und das Skigebiet auch in unserer Foto-Show.

"Vanoise Express": Fast 2 Kilometer ohne Stützpfosten

Sie weiß nicht, wie oft sie schon hier oben stand, den Blick geradeaus gerichtet auf die Station auf der anderen Talseite, die linke Hand an dem Schalter, der die Gondel in Bewegung setzt. "Ich habe aufgehört zu zählen", sagt Gaëlle Combet. Sie mag es, wenn der Frühnebel im Tal hängt oder wenn die Abendsonne die Berge rot färbt. Manchmal kreist auch ein Adlerpärchen um die Gondel, das sind ihre liebsten Fahrten. Die Tür des "Vanoise Express" schließt sich, der Motor surrt, die Gespräche in der Gondel verschwimmen zu einem unverständlichen Gemurmel. Nein, Angst habe sie keine, sagt die 36-Jähirge, die seit sechs Jahren als Gondel-Führerin arbeitet. Jedenfalls jetzt nicht mehr. Am Anfang habe sie immer gezuckt, wenn sich der "Vanoise Express" in Bewegung gesetzt hat. Die Skifahrer hinter ihr merkten davon nichts, aber die wussten ja auch nicht, was bei der Fahrt über das "Vallée du Ponthurin" auf sie zukommen würde: Denn wenn die Gondel über dem Tal schwebt, liegen knapp 400 Meter Luftlinie zwischen ihr und der Erde. "Es ist fast so, als würde man mit dem Helikopter fliegen", sagt Combet. Das ist ein bisschen übertrieben. Der "Vanoise Express" ist eher ein stämmiger Airbus als ein wendiger Hubschrauber. Die doppelstöckige Gondel ruckelt während der Fahrt kaum, so dass kein Achterbahngefühl im Magen aufkommt. Denn der "Vanoise Express" hat weder eine Berg- noch eine Talstation: Start und Ziel der Seilbahn liegen praktisch auf gleicher Höhe. Trotzdem ist die vierminütige Fahrt ein Erlebnis. Zwischen den beiden Endpunkten liegen 1824 Meter Kabellänge - ohne einen einzigen Stützpfosten dazwischen. Die Bezeichnung als "Express" ist berechtigt: Bis zu 12,5 Meter schafft die Seilbahn in einer Sekunde - und das selbst voll beladen mit 200 Passagieren nebst ihren Skiern, Stöcken und Rucksäcken.

Geschwindigkeitsrekord am Seil

Damit ist der "Vanoise Express" die größte und schnellste Seilbahn der Welt. Er verbindet die Skigebiete von La Plagne und Les Arcs in den französischen Alpen. Skifahrern stehen in dem Verbundgebiet "Paradiski" mehr als 100 Liftanlagen und 400 Pistenkilometer zur Verfügung. "Seit wir den Vanoise Express haben, spielen wir in einer Liga mit den 'Trois Vallées' und dem 'Espace Killy'", prahlt Laurent Chelle. Er sitzt vor einer Tasse Espresso, es ist noch früh am Morgen. Die Lifte stehen still, der Schnee auf den Pisten leuchtet nachtblau. Chelle ist der Chef der Liftanlagen, er kennt das Skigebiet praktisch so gut wie ein Bergführer. Vor elf Jahren, als die erste Bauphase der Riesengondel begann, haben sie Chelle zum Chef des Marketings befördert. "Ich sollte unsere Seilbahn in der Welt berühmt machen", sagt er. Ein Budget von umgerechnet vier Millionen Euro hatte er dafür zur Verfügung - ein Viertel dessen, was der gesamte Bau der Gondel gekostet hat. "Das war auch dringend nötig", sagt Chelle. "Denn außerhalb von Frankreich waren La Plagne und Les Arcs kaum bekannt." Die Gondel sollte ihr Trumpf werden.

Legendäre Skirouten in den Skigebieten

In den französischen Skigebieten spielen Après-Ski und Wellness kaum eine Rolle. Die Werbebroschüren prahlen stattdessen mit Pistenkilometern, Transportkapazitäten - und der Tatsache, dass man seine Skier direkt vor dem Haus anschnallen kann. La Plagne und Les Arcs waren mit all dem gut ausgerüstet, es gibt hier Pisten für jeden Anspruch und jedes Alter. Familien schätzen vor allem die zahlreichen breiten Boulevards in La Plagne, die sich wie Autobahnen über die Berge ziehen, von Plagne Montalbert auf 1350 Meter bis hoch zur Roche de Mio auf 2700 Meter. Wer dann noch höher hinaus will, fährt mit kleinen, bunten Eiergondeln auf den Glacier de la Chiaupe und genießt dort Aussicht und Pulverschnee: Der Gletscher liegt auf fast 3400 Metern. Gegenüber, in Les Arcs, treffen sich eher die Abenteurer. Die Pisten sind steiler, viel als dunkelrot und schwarz eingestuft, und Freerider können sich im ungespurten Gelände austoben. Einige der Skirouten sind in Frankreich legendär, wie etwa der "Couloir du Fond Blanc" oder die "Pentes des L'Aiguille Rouge". Auf diesem Berg fand während der Olympischen Winterspiele 1992 das Speed-Rennen statt: jene Disziplin, bei es darum ging, einen unfassbar steilen Berg möglichst schnell und geradlinig herunter zu brettern. Inzwischen ist die Piste auch für Publikum geöffnet - und selbst als Kurvenfahrt noch eine Herausforderung. Das alles gab es schon vor dem "Vanoise Express" - doch kaum einer wusste davon. "Wir hatten keinen internationalen Ruf", sagt Chelle. "Und ich musste der Welt klarmachen, dass es sich lohnt, zu uns zu kommen."

Retortenstädte mit Bettenburgen

Keine einfache Aufgabe. Denn das Skigebiet ist zwar riesig und bei Franzosen längst als Reiseziel etabliert, aber Les Arcs und La Plagne sind typische Retortenstädte aus den sechziger und siebziger Jahren. Arc1600, Arc1800 und Arc2000 heißen so, weil sie auf 1600, 1800 und 2000 Metern liegen. Sie unterscheiden sich kaum von den Orten Plagne Bellecote, Plagne Village oder Plagne Centre auf der anderen Seite des Tales. Dazwischen gibt es zwar auch ein paar kleine, gemütliche Orte wie Montchavin oder Peisey-Vallandry, aber zwischen den Pisten schrauben sich allerorten imposante Bettenburgen in die Höhe. Die Gebäude stammen aus einer Zeit, als das Skifahren in Frankreich zum Volkssport wurde. Es ging darum, möglichst viele Menschen auf engsten Raum unterzubringen. Das haben sie hier, auf den Hängen über Bourg St. Maurice, ziemlich gut hinbekommen: 55.000 Menschen können in La Plagne übernachten, 43.000 in Les Arcs.

13.000 Fahrgäste am Tag

"Natürlich gab es anfangs einige, die gesagt haben: 'Wir brauchen den Vanoise Express nicht. Das Skigebiet ist groß genug'", sagt Chelle. Vogelschützer sahen durch den Bau der Giga-Gondel Nistplätze in Gefahr, Ökonomen warnten vor den finanziellen Risiken. "Aber die meisten, die dagegen waren, fürchteten den Verlust ihrer Identität", sagt Chelle. "Die hatten Angst, dass wir mit der Gondel die Orte La Plagne und Les Arcs auslöschen und es nur noch Paradiski gibt." Chelle konnte sie damals beruhigen. Denn selbst die schärfsten Kritiker wussten sehr genau, dass die Zukunft der beiden Orte im Wintersport lag. Seit Ende der fünfziger Jahre die Silbermine von La Plagne wegen Unrentabilität geschlossen worden war, blieb den Menschen in der Region nur die Milch- und Käsewirtschaft - oder die Flucht in die Stadt. Sie haben sich für die dritte Möglichkeit entschieden: den Tourismus. "Und jetzt treten wir gemeinsam gegen die Großen an", sagt Chelle. Er leert den Espresso mit einem Zug und schlüpft in seine Jacke. Vielleicht wird er am späten Vormittag mit seinen Söhnen noch auf eine Skitour aufbrechen. Er schaut nach draußen, dort hat inzwischen der Betrieb Fahrt aufgenommen. Die Skifahrer rutschen über die Pisten, der Schnee glitzert in der Sonne. Der Rekord aus der vergangenen Saison liegt bei 13.000 Fahrgästen an einem einzigen Tag. Marketing-Mann Chelle lächelt zufrieden. Das sollen sie ihm erst mal nachmachen in den anderen großen Skigebieten.

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