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Skifahren auf dem Vulkan

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Skifahren auf dem Vulkan

10.01.2013, 17:08 Uhr | Christoph Schrahe , srt

Skifahren auf dem Vulkan. Der Mount Ruapehu in Neuseeland eignet sich zum Skifahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Mount Ruapehu in Neuseeland eignet sich zum Skifahren. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Vulkan. Das Wort weckt Assoziationen an glühende Lava, Feuerfontänen und fliegende Felstrümmer. Aber viele Vulkane sind auch prädestinierte Skiberge, denn die ebenmäßigen Flanken der Giganten bieten lange, konsistent geneigte Hänge, grenzenlose Aussicht und den Reiz unberechenbarer Naturgewalten. Da sie meist einsam in den Himmel ragen, treffen Wolken mit ihrer ganzen Feuchtigkeit auf die Feuerberge - was im Winter nichts anderes als satte Schneefallmengen bedeutet. Schauen Sie sich die Vulkane auch in unserer Foto-Show an.

Ätna auf Sizilien

Europas bekanntester Vulkan ist der Ätna auf Sizilien. Mit 3340 Metern ist er zugleich der höchste aktive Vulkan des Kontinents. Seit den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wird an den sanften Flanken des rastlosen Riesen Ski gefahren - mit eruptionsbedingten Unterbrechungen. Seit 2004 läuft der Skibetrieb auf der Südseite oberhalb von Nicolosi aber ohne Störungen durch Asche oder Lava. Mit den von Stardesigner Pininfarina entworfenen Sechserkabinen der wieder aufgebauten Gondelbahn schweben Skifans bis auf 2500 Meter Höhe, ein anschließender Schlepplift führt noch etwas höher hinauf. Die Kulisse sucht ihresgleichen: azurblaues Meer, saftig grüne Orangenhaine und als Krönung das rauchende Haupt des Ätna. 

Vulkan in Frankreich

Nicht ganz so weit ist es bis zur Plomb du Cantal (1855 Meter) im französischen Zentralmassiv. Schon seit 1967 breiten sich an der Plomb die Skigefilde der Station "Super Lioran" aus. Vom Zentrum fährt eine Seilbahn bis knapp unterhalb des Gipfels. Buckelfreaks stürzen sich von dort in die Steilhänge von La Combe oder Les Crêtes (bis zu 70 % Gefälle). Eine leichte, knapp fünf Kilometer lange Variante ins Tal gibt es ebenfalls. Die Baumgrenze liegt auf 1400 Meter, und auf der Rückseite der Plomb locken weite Tiefschneehänge. Insgesamt stehen 42 Kilometer Abfahrten zur Verfügung. 

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Vogelsberg in Deutschland

Lust auf Vulkane aber gerade keine Zeit für eine Fernreise? Skifahren auf feurigem Untergrund geht auch vor der Haustür. Das größte geschlossene Basaltmassiv Europas liegt nämlich mitten in Deutschland: der Vogelsberg. Wirklich heiß geht's hier zwar schon seit Jahrmillionen nicht mehr her und auch der Schnee macht sich eher rar, aber wenn Frau Holle (die ebenfalls in Hessen beheimatet sein soll), dann doch mal ihre Betten ausschüttelt, kann man am längsten Skilift Hessens (1025 m) schon ein paar Schwünge aneinander reihen. Glühen tut allenfalls der Wein in der Skihütte. 

Erciyes in der Türkei

In rund drei Flugstunden Entfernung bietet Zentralanatolien fast die gleichen klimatischen Bedingungen, wie die Wasatchberge in Utah oder die Rockies in Colorado. Bislang fehlte es dort bloß an ausreichender Infrastruktur. Nicht mehr: Im Dezember gingen am Vulkan Erciyes (fast 4000 m) unweit von Kayseri in Kapadokien vier neue Liftanlagen in Betrieb - bereits vorigen Winter hatten sechs neue Bahnen die bestehende Flotte von fünf Anlagen ergänzt. Mit 50 Kilometer Pisten über baumlose Hänge (160 sollen es noch werden) rückt Erciyes damit zum größten Skigebiet zwischen den Alpen und Japan auf. 

Elbrus in Russland

Noch weiter im Osten und trotzdem noch in Europa liegt der 5642 Meter hohe Elbrus. Der stark vergletscherte Riese ist nicht mehr aktiv, explosiv geht es hier bisweilen trotzdem zu: Im Februar 2011 sprengten Terroristen die neue Seilbahn an der Asau Alm in die Luft. Die fährt aber inzwischen wieder. An der Bergstation "Mir" findet man außer einem Café passender Weise ein Militärmuseum. Ein uralter Sessellift führt von dort weiter bis auf 3800 Meter, per Pistenraupe gelangt man sogar auf 4100 Meter, höher als in jedem anderen erschlossenen Skigebiet der Welt. Die Skisaison dauert hier oben bis in den Juni hinein. 

Kuh-e-Sabalan - erloschen im Iran

Der Kuh-e-Sabalan (4811 m), ein erloschener Schichtvulkan, ist der zweithöchste Berg des Iran. Er liegt im Nordwesten, unweit von Ardabil. Von dort geht es über eine gut ausgebaute Straße bis zur kleinen Skistation Alvares. Ein einsamer Doppelsessellift bedient sanfte und überaus sonnige Skihänge, es gibt einen Verleih, ein Restaurant an der Bergstation - Frauen und Männer dürfen auf der gleichen Piste fahren. Wer Tourenski dabei hat, der kann weiter aufsteigen, die Optionen sind schier endlos. 

Aktiver Changbaishan in China

Der aktive Vulkan Changbaishan in China wird bisher vor allem für seine Naturwunder gerühmt, der legendäre Himmelssee ist der größte vulkanische Kratersee Chinas, in den Birkenwäldern und Schluchten leben Bären und Zobel. Am Fuß des Berges tummeln sich seit zwei Jahren aber auch Skifahrer. Die Dalian Wanda Gruppe investiert hier insgesamt 3,4 Milliarden Dollar, in Skipisten und Gondelbahnen, Golfplätze und Fünfsternehotels, um China als Skidestination auf die internationale Landkarte zu hieven. 

Niseko vor Japan

Internationales Publikum lockt der Vulkan Niseko auf der japanischen Insel Hokkaido schon länger an. Vor allem Australier haben ihn für sich entdeckt. Im Gegensatz zu den Alpen oder Rockies liegt er in der gleichen Zeitzone wie ihre Heimat, und der Flug ist kürzer als in die Rockies. Massenhaft Pulverschnee gibt es trotzdem. Am Gipfel des Berges laufen die Liftstaffeln von drei Skiarealen zusammen, für die es einen gemeinsamen Liftpass gibt. Das Panorama ist atemberaubend: Gegenüber dem Niseko liegt der Mount Yotei, der in puncto perfekter Kegel mit dem Fuji auf einer Stufe steht. Dank der vulkanischen Aktivität gibt es zahlreiche heiße Quellen, die Onsen, in denen man nach einem Skitag entspannen kann. 

Ruapehu in Neuseeland

Während des australischen Winters pilgern skibegeisterte Aussies bevorzugt nach Neuseeland. Auf dessen Nordinsel erhebt sich der Vulkan Ruapehu, an dem Peter Jackson Szenen für den Herrn der Ringe drehen ließ. Oberhalb von 1600 Metern präsentiert sich der Berg im Winter statt dunkel und grau aber weiß und hell, und gleich drei Skigebiete nehmen an seinen Flanken ihren Betrieb auf. Die längste Saison hat Turoa auf den schneesicheren Südhängen, die Lifte laufen manchmal bis in den Sommer. Vom höchsten Lift erreicht man in einer Stunde Aufstieg den Gipfel mit seinem phantastischen Blick in den kochenden Kratersee und bis zum Pazifik. Die anschließende Abfahrt über 1200 Höhenmeter ist ein Traum. 

Villarica in Chile

Noch eindringlicher ist das vulkanische Erlebnis am Villarica in Chile. In dessen Krater kocht nicht nur Wasser, sondern brodelt Magma. Die ersten Skiläufer waren Deutsche, die sich in den nahen Städtchen Valdivia und Osorno niedergelassen hatten. Das erste Skigebiet wurde 1948 durch einen Ausbruch zerstört. Der zweite Versuch, ein Skigebiet zu etablieren, scheiterte am extremen Wetter. Seit 1991 laufen die Lifte wieder. Von deren Bergstation benötigt man zwei Stunden für den Aufstieg. Der Blick auf das glühende Magma, das sich hebt und senkt als würde der Berg atmen, ist die Mühe allemal wert, die grandiose Abfahrt auch. 

Mammoth Mountain in Kalifornien

Per Gondelbahn gelangt man am Mammoth Mountain in Kalifornien zum höchsten Punkt. Der 3369 Meter hohe Berg in der Sierra Nevada bildet den Südrand einer riesigen Caldera und beherbergt das populärste Skigebiet des Golden State und das größte Vulkanskigebiet weltweit. Anders als die meisten Skigipfel der Rockies ragt er weit über die Baumgrenze auf, was dem Terrain einen enormen Abwechslungsreichtum beschert. An den Wochenenden überfluten die Skisportler aus Los Angeles die 150 Abfahrten, unter der Woche geht es meist ruhig zu. Mit Schneeschuhen, per Snowmobil oder Hundeschlitten kann man Exkursionen zu Kratern, Seen und heißen Quellen unternehmen. Ein Bad sollte man nicht nehmen - die jederzeit möglichen Heißwassereruptionen enden meist tödlich. 

Mount Bachelor in Oregon

Der wohl ebenmäßigst geformte Skiberg auf unserem Globus steht im US-Staat Oregon. Der Mount Bachelor ist ein Kegel wie aus dem Bilderbuch. Mehr als die Hälfte der rund tausend Höhenmeter seines Skiterrains liegen oberhalb der Waldgrenze, in einer Mondlandschaft mit Vulkanstotzen, Schlackekegeln und Lavarinnen. Bei klarem Wetter bietet er ein fantastisches Panorama: Weites Wüstenland im Osten, Vulkankegel im Norden und im Süden der fast 300 Kilometer entfernte Mt. Shasta in Kalifornien. Das im Pistenplan markierte Skigelände breitet sich fächerförmig auf der Nordseite des Berges aus. Das Beste am Mount Bachelor ist, dass man seine vollen 360 Grad befahren kann. Die Rückseite des Berges begeistert mit famosen Off-Piste Runs, über Skiwege gelangt man problemlos zurück zu den Liften. 

Weitere Informationen: 

Ätna (Italien): 1924-2608 m, 5 Lifte, 12 km Pisten, www.funiviaetna.com
Super Lioran (Frankreich): 1160-1850 m, 22 Lifte, 44 km Pisten, www.lelioran.com
Erciyes (Türkei): 2088-3370 m, 15 Lifte, 50 km Pisten, www.kayserierciyes.com.tr
Elbrus (Russland): 2300-3800 m, 6 Lifte, 35 km Pisten, www.prielbrusie-hotels.ru
Alvares (Iran): 3040-3190 m, 1 Lift, 2 km Pisten, www.iranski.com
Wanda Changbaishan International Resort (China): 845-1200 m, 12 Lifte, 30 km Pisten, www.china-cbs.com
Turoa (Neuseeland): 1600-2322 m, 9 Lifte, 36 km Pisten, www.mtruapehu.com
Ski Pucón (Chile): 1200-1930 m, 9 Lifte, 39 km Pisten, www.skipucon.cl
Mammoth Mountain (USA): 2456-3362 m, 33 Lifte, 114 km Pisten, www.mammothmountain.com
Mount Bachelor (USA): 1731-2733 m, 13 Lifte, 101 km Pisten, www.mtbachelor.com
Hoherodskopf/Vogelsberg: 580-745 m, 2 Lifte, 2 km Pisten, www.skilifte-hoherodskopf.de 

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Erstmals veröffentlicht am 08.01.2013

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