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La Grave bis Mount Baker: Diese Skigebiete sind nur für Profis

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Je steiler, desto geiler: Die anspruchsvollsten Pisten der Skigebiete

15.01.2013, 12:52 Uhr | Christoph Schrahe, srt

La Grave bis Mount Baker: Diese Skigebiete sind nur für Profis. Skifahren extrem: Hier bezwingt ein Sportler den Silverton Mountain in Colorado. (Quelle: SRT /Silverton Mountain )

Skifahren extrem: Hier bezwingt ein Sportler den Silverton Mountain in Colorado. (Quelle: Silverton Mountain /SRT )

Zum einen gibt es Skigebiete, die sich durch sanftmütige Schneewiesen und Berge mit Batterien schwungvoller Schussserien auszeichnen. Zum anderen gibt es allerdings auch jene Skigebiete, die ihre Reiter abzuschütteln versuchen wie ein wilder Stier beim Rodeo: Mit Buckeln, Abbrüchen, Bäumen, Felsblöcken und anderen Waffen schlagen sie die Massen in die Flucht. Sie sind ein exklusiver Spielplatz für die wenigen Skifahrer, deren Können ausreicht, um an ihren Flanken, in ihren Wäldern, Rinnen und Steilhängen zu bestehen. Wer es auf die harte Tour mag, für den haben wir die neun ultimativen Könner-Skiziele zusammengestellt, sehen Sie diese auch in unserer Foto-Show.

La Grave: Eine Zeitreise zu den Ursprüngen

La Grave, ein kleines Bergdorf unterhalb der Fels- und Eiskatarakte der majestätischen, 3983 Meter hohen La Meije in den französischen Alpen, spielt nicht nur in der elitären Liga der Skigebiete mit mehr als 2000 Höhenmetern mit. Besondere Exklusivität erlangt es dadurch, dass diese Höhenmeter nicht auf präparierten Pisten zurückgelegt werden können - kein einziger davon. Noch dazu ist das Gelände steil, von Felsen durchsetzt und im unteren Bereich schütter bewaldet. Kein Wunder, dass La Grave das Mekka von Freeridern aus aller Welt ist. Hier ist die Szene unter sich und muss die Gondel nicht mit Schönwetterskifahrern und Après-Skilern teilen. Die Limitierungen des Terrains haben zudem dafür gesorgt, dass La Grave eines der wenigen noch authentischen Skidörfer in Frankreich geblieben ist. Wenn man dann noch per Telemarkski durchs freie, ungespurte Gelände pflügt, ist das wie eine Zeitreise zurück zu den Ursprüngen des Sports.

Cheget: Schweres und sehr schwere Pisten

Auf Zeitreise wähnt man sich auch in Cheget. Das liegt in der russischen Provinz Kabardino-Balkarien. Die altertümlichen, nicht gerade Vertrauen erweckenden Einer- und Doppelsessel-Bahnen sorgen mit ihrer geringen Kapazität dafür, dass es auf Chegets Hängen niemals voll wird. Das ist auch gut so, denn müsste man sich auch noch auf andere Skifahrer konzentrieren, wäre man hier schnell überfordert. Von einer einzigen kurzen Piste abgesehen gibt es hier nur schweres Terrain. Stimmt nicht, es gibt auch sehr schweres Gelände. Vor allem in den Freeride-Zonen nördlich und südlich des Bergkamms, der prächtige Ausblicke auf das nahen Elbrus-Gebrige bietet, die mit 5642 Metern höchste Erhebung Europas.

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Happo One: Skifahren in Fernost

In Fernost finden Könner in Happo One reichlich Gelegenheit ihre Fähigkeiten zu demonstrieren. Der Berg ist eines von zwölf Revieren der japanischen Skimetropole Hakuba und übersäht mit Buckeln. Er bietet mit der Direttissima vom Gipfel über Usagidaira und Rizen Course Herzklopfen über vier Kilometer. Die Kamikazemanier, mit der Skifans die Buckelpisten attackieren, produziert serienweise Stürze. Als Logenplatz für den Genuss dieser Darbietungen, die von den Japanern mit Applaus bedacht werden, bieten sich die Sessel des Alpen-Quad Liftes an. Sie schweben über den extrasteilen Starthang der olympischen Herrenabfahrt, von der Hermann Maier 1998 auf legendäre Weise abgeworfen wurde.

Broken River und Craigieburn

Die beiden, von Skiclubs betriebenen Skigebiete Broken River und Craigieburn in der östlich von Christchurch gelegene Craigieburn Range bilden zusammen Neuseelands größte "off piste ski area". Pistenwalzen gibt es hier nicht, Bäume übrigens auch nicht. Auf die messerscharfen Grate mit ihren gegen senkrecht strebenden Varianten gelangt man mit ziemlich gewöhnungsbedürftigen Liften, den so genannten Nut Crackern. Mit einem Klettergurt, der mit einer Klemme an einem Perlonseil befestigt ist, geht es im Eiltempo von einem Traktormotor angetrieben 600 Höhenmeter bergauf. Wohnen können Wintersportler in sehr einfachen, aber gemütlichen Lodges, die man nur zu Fuß erreicht - hier sind passionierte Freerider wirklich unter sich.

Portillo: Häufig abgeschnitten von der Außenwelt

Auf der anderen Seite der Südhalbkugel liegt Portillo, ebenfalls ein Dorado für Könner. Die Station in den chilenischen Anden kombiniert die atemberaubende Szenerie der Westalpen mit dem traumhaft trockenen Pulverschnee der Rocky Mountains und besteht aus einem einzigen Hotel. Es gleicht einem Luxusdampfer in einer wilden See aus Fels und Schnee. Der nächste Ort liegt zehn Kilometer entfernt. Portillo ist häufig eingeschneit und somit abgeschnitten von der Außenwelt - eine tolle Atmosphäre. Wegen der vielen Lawinenabgänge wurden sogar spezielle Lifte konstruiert, die Portillos legendäre Steilabfahrten zugänglich machen: die "Va et vient", eine Kombination aus Schlepplift und Seilbahn. Sie sind unglaublich schnell, extrem schwer zu fahren, können aber nach einer Lawine schnell wieder ausgebuddelt werden. Und keine Panik: Das "Hotel Portillo" steht am einzigen, wirklich lawinensicheren Platz. Der träge in der Lobby des Hotels dösende Lawinenhund musste noch nie ausrücken.

Mount Baker: die größte gefallene Neuschneemenge

Einige tausend Kilometer weiter nördlich liegt der Mount Baker im US-Bundesstaat Washington. Der verbucht laut Guinness-Buch der Rekorde die größte jemals während einer Saison gefallene Neuschneemenge: 2896 Zentimeter. Die Schneehöhe liegt im Mittel bei über sechs Metern. Der Schnee ist häufig von der feuchteren Sorte, also nichts für Weicheier. Das gilt auch für das Wetter: Tiefdruckgebiet folgt auf Tiefdruckgebiet. Sturm, starker Schneefall und Nebel sind die Regel, als die Ausnahme. Das Terrain ist sowieso anspruchsvoll: Die harte Witterung hat tiefe Falten in das Gesicht des Mount Baker geschnitten, die Freerider dankend durchkreuzen. Die zahlreichen Rinnen, Furchen und Couloirs bieten unzählige Varianten.

Silverton Mountain: im Herzen Colorados

Trockener ist der Schnee in den Rocky Mountains. Dort liegt der Silverton Mountain, ein Berg, der alle gängigen Vorstellungen von einem Skigebiet sprengt: keine präparierten Pisten, keine Unterkünfte, nur ein Lift, der drei sensationell steile Bergflanken erschließt. Die leichteste Abfahrt hat 35 Grad Neigung und ist damit steiler als die schwersten Hänge in ungefähr 99 Prozent aller anderen Skigebiete dieser Welt. Ski fährt man am Silverton Mountain von Mitte Januar bis Anfang April. Dann ist allerdings auch die Lawinengefahr am größten, deswegen bewegt man sich nur in Kleingruppen und in Begleitung eines Bergführers. In der Vor- und Nachsaison ist auch ungeführtes Skifahren möglich - für maximal 475 Skifahrer. An den meisten Tagen verlieren sich aber maximal 80 Freerider in dem riesigen Areal im Herzen Colorados.

Mount Bohemia: Beginners are not allowed

Während Colorado weltweit für seine Skigebiete bekannt ist, weiß kaum jemand, dass man auch im als topfeben verrufenen Mittleren Westen der USA alpin Ski fahren kann. Wirklich überraschend ist, dass sich im nördlichen Michigan, auf der Keweenaw-Halbinsel des Lake Superior, eine solche Freeride-Perle versteckt: der Mount Bohemia. Fast sieben Meter Schnee fallen hier dank des See-Effekts jeden Winter. Unter den 85 nicht präparierten Abfahrten finden sich eine Handvoll mittelschwerer Varianten, leichte Pisten gibt es nicht, und die Botschaft auf der Webseite ist eindeutig: Beginners are not allowed. Die meisten Varianten führen durch die Wälder und haben nicht nur einen, sondern gleich zwei oder drei schwarze Diamanten - die in Nordamerika übliche Kennzeichnung für extremes Terrain.

Mad River Glen: Ski it if you can

Höher sind die Berge an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Im Bundesstaat Vermont liegt das anspruchsvollste Areal der Appalachen: Mad River Glen. Seine treuen Gäste fahren auf dem Heck ihrer Pickups den Aufkleber "Mad River Glen: Ski it if you can" spazieren. Das ist nur zu wahr. Selbst die leichten Pisten würden andernorts als mittelschwer gelten. Die meisten Abfahrten sind so eng, so steil, so felsdurchsetzt und so schlecht präpariert (beschneit wird in homöopathischen Dosen) wie andernorts vor 30 oder 40 Jahren. Diese Tatsache bescherte dem Gebiet Kultstatus und führte dazu, dass Stammgäste nach und nach die Kontrolle übernahmen, indem sie Anteile an dem finanziell chronisch schlecht aufgestellten Gebiet übernahmen. Mad River Glen ist das weltweit einzige Skigebiet, das seinen skiverrückten Fans gehört. Nur so ist sichergestellt, dass alles beim Alten bleibt.

Weitere Informationen:

La Grave (Frankreich), 1450-3550 Meter, vier Lifte, 20 Kilometer Abfahrten, www.la-grave.com;
Cheget (Russland), 2100-3050 Meter, vier Lifte, www.prielbrusie-hotels.ru;
Happo One (Japan), 750-1831 Meter, 23 Lifte, 39 Kilometer Abfahrten, www.happo-one.jp;
Craigieburn/Broken River (Neuseeland), 1308-1820 Meter, acht Lifte, 700 Hektar Terrain, www.craigieburn.co.nz;
Portillo (Chile), 2580-3310 Meter, 14 Lifte, 22 Kilometer Abfahrten, www.skiportillo.com;
Mount Baker (USA), 1097-1551 Meter, zehn Lifte, 30 Abfahrten über 26 Kilometer, www.mtbakerskiarea.com;
Silverton Mountain (USA), 3146-3749 Meter, ein Lift, 26 Abfahrten über 57 Kilometer, www.silvertonmountain.com;
Mount Bohemia (USA), 195-438 Meter, zwei Lifte, 85 Abfahrten über 17 Kilometer, www.mtbohemia.com;
Mad River Glen (USA), 501-1109 Meter, fünf Lifte, 45 Abfahrten über 26 Kilometer, www.madriverglen.com

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(Erstmals veröffentlicht am 15.01.2013)

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