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Jungholz: Aus Steueroase wird Schneedorado

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Jungholz  

Die einstige Steueroase wandelt sich zum Schneedorado

30.12.2014, 10:46 Uhr | Hans-Werner Rodrian, srt

Jungholz: Aus Steueroase wird Schneedorado  . Idyllisches Skigebiet Jungholz (Quelle: SRT /Skiliftgesellschaft Jungholz)

Idyllisches Skigebiet Jungholz (Quelle: Skiliftgesellschaft Jungholz/SRT )

Der Ort hat zwei Postleitzahlen, seine österreichischen Schüler drücken im Allgäu die Schulbank, nur die deutsche Telefonvorwahl wurde 2006 abgeschaltet. Jungholz, das nur sieben Quadratkilometer kleine Stück Tirol im Allgäu, ist eine deutsch-österreichische Kuriosität: ein Zipfel Tirols ohne Durchgangsverkehr, der vom Freistaat Bayern eingeschlossen wird. Schauen Sie sich das idyllische Jungholz auch in unserer Foto-Show an.

Originell ist die Geschichte des idyllisch verschneiten Dorfs: Bereits im Mittelalter, genauer gesagt im Jahr 1342, wurde das kleine Hochtal samt Einwohnern und Wirtshaus von einem Allgäuer Landedelmann an einen wohlhabenden Tiroler aus dem nahen Tannheimer Tal verkauft. Lange Zeit einfach vergessen, ist es hochoffiziell seit 1868 bayerisches Zollanschlussgebiet, politisch zu Österreich gehörig, zu erreichen aber nur über die deutsche Bundesstraße 310 von Oy-Mittelberg nach Hindelang. Wer am großen Parkplatz abzweigt, der sieht an der Mühlbachbrücke das alte Grenzschild mit der Aufschrift "Kaiserthum Österreich gefürstete Grafschaft Tyrol".

Das gemütliche Skidorf galt lange als Zinssteuerfluchtburg

Österreichische Gesetze, aber schrankenloser Zugang von Deutschland her: Diese Kombination bescherte Jungholz lange Zeit ein einträgliches Einkommen als Zinssteuerfluchtburg. Seit Europa immer enger zusammen wächst, ist dem Ort dieser Vorteil weitgehend abhanden gekommen. Zwar spricht die örtliche Raiffeisenkasse weiter vom "internationalen Finanzplatz Jungholz" und mit drei Banken auf 300 Einwohner ist Jungholz unbestritten der Ort mit der höchsten Bankendichte Österreichs. Doch den von Zöllnern unbeobachteten Zutritt bietet heute jeder andere Grenzort in gleicher Weise. Das jedoch tut der Attraktivität des gemütlichen Skidorfs keinen Abbruch: Es konzentriert sich jetzt ganz auf seine touristische Gastgeberrolle.

Es bleibt ihm auch kaum etwas anderes. Im Ort hat der Rückgang der Geldgeschäfte tiefe Spuren hinterlassen. Schließlich war hier mal jeder fünfte Jungholzer im Bankgewerbe beschäftigt. Die Hoteliers allerdings weinen den dunklen Limousinen mit den Geldkoffern keine Träne nach – die haben sowieso selten am Ort übernachtet. Das Verkehrsamt verweist auf die anderen Vorzüge des Hochtals. Da ist vor allem seine idyllische Ruhe. Dazu kommt die Tiroler Gemütlichkeit in den verstreut liegenden Ortsteilen Gießenschwand, Habsbichl und Langenschwand. Auf gut geräumten Winterwanderwegen gibt es viel zu entdecken, zum Beispiel die urige Stubentalalpe unterhalb des Pfeifferbergs. Von Massentourismus kann man wirklich nicht sprechen bei gerade 1300 Gästebetten. Die Kirche steht hier noch im Dorf.

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Der Wintertourismus soll angekurbelt werden

Das allein reicht freilich heute nicht mehr. Und so haben die Jungholzer in den vergangenen Jahren kräftig investiert: im Dorf in eine hochwertige Hotellerie, am Berg in eine flächendeckende Kunstschneeanlage, in zwei moderne Sesselbahnen und ein "N'Ice Bear"-Kinderland: Dort finden die Kleinen zwei Zauberteppiche und diverse Lernpisten, dazu eine Hüpfburg, Spiel-Iglu, Tierpfad mit Försterhäuschen sowie Wärmeraum und Spielecke. Für die ersten Gleitversuche auf Ski und Snowboards ist also gesorgt. Das Pistenareal am Sorgschrofen kann und will sich trotzdem nicht mit den großen Pistenarenen Tirols messen. Klein, aber fein ist die Devise. Wer mehr Abwechslung sucht, der kauft sich den Großraumskipass "Vitales Land" und darf damit auch am Oberjoch sowie in zahlreichen anderen Allgäuer und Tiroler Skigebieten wedeln.

Aber immerhin zehn Abfahrtskilometer und ein Dutzend leichter bis mittelschwerer Pisten bietet Jungholz' Hausberg selbst. Links an der kindersicheren Adler-Sesselbahn üben die Skikurse, während darüber der Schwandlift den Lieblingsplatz der Snowboarder darstellt. In der Mitte führen die beiden Sorgschrofenlifte zum höchsten Punkt.

Mit der Sesselbahn zur "Sonneninsel"

Und rechts gelangt man mit der (ebenfalls kindersicheren) Bischlag-Sesselbahn geradewegs zur "Sonneninsel": So nennt sich eine hübsche Ruheoase mit Liegestühlen und Strandkörben im Schnee. Sogar WLAN gibt es da oben, falls man den Lieben daheim ein Foto schicken will, damit sie richtig neidisch werden. Verstreute Baumgruppen und kurze Waldpartien gliedern die sonst freien Pisten und geben dem Hang ein landschaftlich reizvolles Bild. Nach dem Skilauf trifft sich alles im Iglu gleich neben der Adlersesselbahn. An gleicher Stelle ist auch mittags für den Einkehrschwung gesorgt. Die urige Schrofenhütte hat sich auf echte Allgäuer Kost in Vollwertqualität spezialisiert. Ihre Spezialität heißt "Tirolerhut": Das ist gusseiserner Topf in Hutform, in dem Fleisch und Gemüse gegart werden.

In der Schrofenhütte residiert auch die Skischule, sie besitzt besonders im Kinderunterricht einen guten Namen. Maskottchen Bobo, ein Pinguin, weist den Weg zum Zauberteppich auf der fröhlich-bunten Skiwiese. Der Unterricht ist eher von der lustigen, unkonventionellen Art. Kein Wunder: Die Skilehrer müssen eine kinderpsychologische Zusatzausbildung absolviert haben.

Weitere Informationen:

Tourismusinfo Jungholz D-87491 (A-6691) Jungholz/Tirol, Tel. 0043/5676/8120, www.tannheimertal.com/region-orte/jungholz.html.
Skiliftgesellschaft Jungholz, D-87491 (A-6691) Jungholz/Tirol, Tel. 0043/5676/81450, www.jungholz.de.


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