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Skiurlaub im Wilden Westen

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Telluride und Crested Butte  

Skifahren im Wilden Westen

31.03.2016, 16:35 Uhr | Stefan Herbke/srt

Skiurlaub im Wilden Westen. Tom Watkinson auf der Abfahrt nach Telluride.  (Quelle: Stefan Herbke/srt)

Tom Watkinson auf der Abfahrt nach Telluride. (Quelle: Stefan Herbke/srt)

Zwei ehemalige Bergbaustädtchen im Süden Colorados sind längst ein Geheimtipp bei Skifahrern. Pluspunkte sind die tolle Western-Atmosphäre, endlos lange Abfahrten und knackige Buckelpisten. Schauen Sie sich den Ort auch in unserer Foto-Show an.

Die Oberschenkel glühen, das Herz rast, doch Tom Watkinson kennt kein Erbarmen. Wie eine Maschine steuert er souverän durch ein Labyrinth aus mannshohen Buckeln, während der Rest der Gruppe vollkommen erschöpft nach Luft schnappt. Die Erholungsphase dauert etwas, denn auf 3500 Meter Höhe ist die Luft sehr dünn. Da hilft auch kein aufmunterndes "Come on" von Tom, der weit unten geduldig wartet. In den Schneebergen des Runs "Happy thought" fühlt sich der ehemalige Buckelpistenfahrer sichtlich wohl, Ungeübte hätten die Abfahrt wohl eher "Silly thought" getauft. 

Viele Pisten für echte Könner

"Happy thought" ist nur eine der vielen Off-Piste-Varianten, die das Skigebiet von Telluride zu einem Paradies für ambitionierte Skifahrer machen. Am Fuß des über 4000 Meter hohen Palmyra Peak ermöglichen 18 Lifte den Zugang zu 127 Abfahrten, von denen vielleicht ein Drittel als leicht bis mittelschwer einzustufen ist. Bei jedem Lift gibt es mindestens eine maximal mittelschwere Abfahrt, so dass selbst ein Abstecher zur Revelation Bowl auf über 3800 Meter Höhe - so hoch liegt die höchste Liftstation - problemlos möglich ist. Der Rest ist schwarz markiert mit dem Zusatz black oder double black diamond und damit genau richtig für Könner wie Tom. Und wem das noch nicht reicht: In Telluride gibt es sogar double black diamond runs mit dem Zusatz EX wie "Experts". Das Gelände: Extrem steil, teils felsdurchsetzt.

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Telluride bietet ein grandioses Skigebiet, eine für Colorado wirklich tolle Kulisse mit markanten Viertausendern - und eine Stadt mit Geschichte. Im Grunde ist Telluride genau das, was Europäer von einem amerikanischen Skiort erwarten: Eine liebenswerte, ehemalige Goldgräbersiedlung - 1872 wurde Silber, später auch Gold entdeckt - mit Wildwest-Flair und bewegter Vergangenheit. Am 24. Juni 1889 verübte hier Robert Leroy Parker alias Butch Cassidy seinen ersten Banküberfall. Nicht weit davon entfernt bildet das 1895 gebaute New Sheridan Hotel den optischen Mittelpunkt des Ortes. Ein Haus mit legendärem Ruf ("bestes Restaurant zwischen Denver und San Fransisco") und cooler Bar - wobei die aus Österreich stammt.

Die Stadt wurde 1880 gegründet

Wer Kleinstädte wie Telluride liebt, der wird sich auch in Crested Butte wohlfühlen. Die 1880 gegründete Stadt liegt nordöstlich von Telluride und wird gerne auch als "Colorados last great skitown" bezeichnet. Links und rechts der Hauptstraße reihen sich schmucke, im Winter wunderschön beleuchtete Häuschen mit Geschäften, Bars, Cafés und Restaurants. Und dazwischen entdeckt man eine kleine Rum-Destillerie - auch so kann Après-Ski aussehen. Streng genommen ist Crested Butte eine Insel in Amerika, auf der es weder eine Mall noch einen McDonalds gibt und alle zusammenhalten.

Eine friedliche, denkmalgeschützte viktorianische Minenstadt - bis ins Jahr 1953 wurde Kohle abgebaut -, "in der man als Schutz vor den Bären nur die Mülltonnen absperrt, während man sein Auto oder die Haustüre auch mal offen lässt". So erzählt es zumindest Glo Cunningham in ihrem kleinen Berg- und Skimuseum. Die 66-Jährige ist richtig stolz auf ihre kleine Gemeinde, "in der jeder jeden kennt" und die Skigeschichte geschrieben hat. Immerhin wurde hier am Cement Creek im Jahr 1939 Colorados erster Sessellift eröffnet. Aus Sicherheitsgründen war das Seil allerdings sehr tief gehängt, so dass die Sessel im ersten Winter regelmäßig eingeschneit waren...

Leichte Abfahrten und Buckelpisten

Der Sessellift ist längst Geschichte, heute dreht sich alles um den pyramidenförmigen, gut 3700 Meter hohen Crested Butte Mountain. Im Bereich der Talstation stehen große Hotels und Appartementhäuser. Ein Pendelbus verbindet das funktionelle Ski in/Ski out-Resort mit dem alten Crested Butte. Das Skigebiet an sich ist zweigeteilt mit überwiegend leichten Abfahrten auf der Vorderseite und endlosen Buckelpisten auf der Rückseite. Die tragen häufig Namen ehemaliger Minen oder geben Rückschlüsse auf die Verhältnisse. "Hot Rocks" heißt etwa ein sonniger, aber sehr steiniger Run im Bereich des Silver Queen Express Lifts, der nur bei sehr viel Schnee zu empfehlen ist. 

"Vail hat den Namen, Crested Butte die Coolness". Das behauptet zumindest Erica Mueller, deren Eltern das Skigebiet im Jahr 2004 kauften. Tatsache ist jedenfalls, dass die Extremsportveranstaltung X-Games 1998 und 1999 in Crested Butte abgehalten wurde und der Ort sich auch deshalb in der Skiszene längst einen Namen gemacht hat. Mehrere Jahre war Erica im Snowboard-Weltcup unterwegs und steht stellvertretend für das problemlose Miteinander von Skifahrern und Snowboardern. Für Tom Shepard, den ehemaligen Besitzer des Skigebiets, wäre dies undenkbar gewesen. Bis 1989 war Snowboarden am Crested Butte Mountain verboten - wer ein Snowboard hatte, der durfte den Lift nicht benutzen und musste zu Fuß auf den Berg steigen. 

Das weiße Gold glänzt

Vergangenheit, genauso wie der Bergbau. Längst haben die Bewohner erkannt, dass auch weißes Gold glänzt und man davon ganz gut leben kann. Wie Crested Butte hat sich auch Telluride seinen Charakter erhalten, in dem die neuen Beherbergungsbetriebe abseits vom Ort, dafür zentral im Skigebiet gebaut wurden. Eine kostenlose Gondelbahn verbindet bis Mitternacht das Mountain Village mit dem historischen Ortskern. Die Einheimischen lieben ihre Stadt und ihr Skigebiet mit den längsten Buckelpisten Colorados - und betonen immer wieder gerne: "Telluride is not America". Oder anders ausgedrückt: Wachstum ist nicht alles.

Daher gibt es nur wenige Neuerungen wie das vor einigen Jahren gebaute Alpino Vino Restaurant auf 3647 Meter Höhe. Das höchste Restaurant Nordamerikas bietet statt schnellem Burger feine italienische Küche mit erlesenen Weinen. Die Nachfrage dafür ist groß - selbst im dichtesten Schneetreiben warten einige mit einem Glas Wein in der Hand draußen, bis drinnen einer der 26 Plätze frei wird. Die Frage nach neuen Liften und dem weiteren Ausbau des Skigebiets kontert Tom dagegen souverän: "Beim Strandurlaub fragen sie doch auch nicht jedes Jahr nach mehr Sand!" 

Weitere Informationen: 
Colorado Tourism Office, c/o Get It Across Marketing, Neumarkt 33, 50667 Köln, Tel. 0221/4767-1213, www.colorado.com

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