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Mit dem Fahrrad durch Mallorcas wilden Westen

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Die Küste der Türme: Mit dem Fahrrad durch Mallorcas wilden Westen

01.09.2010, 12:38 Uhr | dpa-tmn

Mit dem Fahrrad durch Mallorcas wilden Westen. Mallorca mit dem Fahrrad erkunden (Foto: dpa)

Mallorca mit dem Fahrrad erkunden (Foto: dpa)

Für Mallorca braucht man Kondition, am Sangria-Eimer wie auf dem Fahrrad. Doch wer sich fit genug fühlt für Serpentinen-Aufstiege unter der Mittelmeersonne, wird mit grandiosen Ausblicken belohnt - auf Dracheninseln, Maurengärten und Geistertürme. Sehen Sie selbst in unserer Foto-Serie.

Fahrradurlaub an der Westküste Mallorcas

Die Beine zittern, der Puls rast - und immer noch ist das langersehnte Flachstück nicht in Sicht. Jetzt wird es hart, aber das wussten wir vorher. Harald hatte uns beim Leihen der Räder gewarnt. Fahrradurlaub an der Westküste Mallorcas sei nichts für Untrainierte, hatte der Rad-Guide gesagt. Wer einigermaßen in Form ist, kann dort aber abseits des Massentourismus malerische Buchten, hübsche Dörfer und Postkartenpanoramen finden. Mallorcas Straßennetz erstreckt sich über 1250 km Länge. 675 km davon sind Neben- und Seitenstraßen, auf denen sich hervorragend radeln lässt. Deutsche Tourenurlauber landen aber erst einmal dort, wo Radfahren wenig Spaß macht: in Palma. Gleich neben dem Aeroport de Son Sant Joan, dem einzigen Flughafen der Insel, liegen S'Arenal und der Ballermann, das gelobte Land der Partywütigen. Palma selbst ist laut, der Verkehr chaotisch. So schnell wie möglich verlassen wir die 380.000 Einwohner zählende Metropole und fahren westwärts.

Tagesetappen von etwa 30 Kilometern

Startpunkt unserer fünftägigen Reise ist Santa Ponça. Der Sand der Bucht rieselt fein zwischen den Fingern hindurch, das Mittelmeer ist hier von Mitte Mai bis in den Herbst hinein warm genug zum Schwimmen. Gleich dahinter sprießen die Betonkästen, in die es vor allem Engländer und Deutsche zieht. Rund 150 Kilometer wollen wir in den kommenden Tagen mit dem Rad entlang der Westküste fahren. Mit dem Auto wäre die Strecke in wenigen Stunden zu schaffen. Aber wir haben nur Tagesetappen von etwa 30 Kilometern geplant, um Land und Leute in Ruhe kennenzulernen.

trax.de: Radfahren auf Mallorca - Den Profis hinterher

Es gibt kaum vollständig beschilderte Wege

Am nächsten Morgen holen wir im Zentrum von Santa Ponça die Fahrräder beim Verleih ab. Bei vielen Anbietern können Urlauber von Deutschland aus buchen. Die Webseiten und die Verleiher vor Ort sind oft deutschsprachig. Die Bikes kosten je nach Typ und Ausstattung ab 14 Euro pro Tag. Helm, Schloss, ein Reparaturset und die Versicherung für Schäden am Rad sind bei uns im Preis enthalten. Als wir uns auf die Mountainbikes schwingen wollen, bremst uns Guide Harald. "Das Mountainbiken steckt auf Mallorca noch in den Kinderschuhen", warnt er. "Es gibt kaum vollständig beschilderte Wege, das Gelände ist felsig und als eher anspruchsvoll einzustufen." Wir entscheiden uns doch für die leichtere Variante: die kurvigen Straßen der Westküste. Dafür reichen Fitnessbikes.

Rast an einer lauschigen Bucht

Das erste Tagesziel soll Port d'Andratx sein. Auf dem Weg dorthin begegnen wir einem der berühmten mallorquinischen Wachtürme, dem "Castellot". Entlang der gesamten Küste drohten Türme wie dieser früher angriffslustigen Piraten. Von ihren Spitzen schweift der Blick weit über Meer und Küste, und so klettern heute viele Touristen auf die "Miradors". Über Peguera, eine weitere Urlauber-Hochburg, geht es weiter in Richtung Cap Andritxol. Wir radeln durch eine ländliche Idylle, Wälder und üppige Büsche säumen die Straße zwischen Cala Fornells und Camp de Mar. Der Weg aber wird mit jedem Meter steiniger. Wir hätten besser auf den alten Mann gehört, der uns zurief, dass man hier nicht mit dem Rad weiterfahren sollte. Nach einer halben Stunde brauchen wir dringend eine Pause. Wir halten in einer lauschigen Bucht. Das Meer ist warm, die Kieselsteine kitzeln unter den Füßen, Baguette und Oliven haben selten besser geschmeckt.

Wein und Tapas bei Sonnenuntergang

Fünf Kilometer bleiben von der Tagesetappe bis Port d'Andratx. Die Straße schlängelt sich zwischen Pinien empor. Steile Felswände der Serra de Tramuntana umschließen die tief ins Land geschnittene Bucht von Port d'Andratx. Hier macht das Kapital Urlaub: Im Hafen liegen Segel- und protzige Motorjachten, auf der Uferpromenade drehen Porsches ihre Runden. Es lohnt sich, einen Abstecher in das nur fünf Kilometer entfernte Sant Elm zu machen. Der verschlafene Ort auf der Westspitze Mallorcas bietet freien Blick auf die Insel Sa Dragonera, die Dracheninsel. Man muss nicht frisch verliebt oder empfindsamer Romantiker sein, um dahinzuschmelzen, wenn bei Wein und Tapas die tiefrot glühende Sonne im Meer versinkt. Zurück in Port d'Andratx kehren wir in einer kleinen Pension nahe der Promenade ein. Mit in Knoblauchöl geschwenkten Tintenfischringen stärken wir uns in den wuseligen Gassen der Stadt für die nächste Etappe.

18 Kilometer bergauf Strampeln

Rund 30 Kilometer sind das Tagessoll. Und dabei sind viele Höhenmeter hinaufzukeuchen, bis das Ziel Banyalbufar erreicht ist. 18 Kilometer bergauf Strampeln liegen schon hinter uns, als die Küstenstraße "Ma-10" die kleine Ortschaft Estellencs durchquert. Obst- und Olivenplantagen erstrecken sich von hier bis ans Meer. Der Weg hinunter ist steil und schlängelt sich durch verwilderte Gärten bis an eine kleine Bucht. Zeit für ein kurzes Sonnenbad. Kurz vor dem Ziel ragt inmitten der Horta de Banyalbufar ein weiterer Wachturm auf: "Ses Animes", der Turm der Geister. Er bietet einen grandiosen Blick über die weitläufigen Terrassen, die noch von den Mauren angelegt wurden. Einst wurde auf ihnen Wein angebaut, heute pflanzen die Bauern Obst und Gemüse. Von der Hauptstraße des 600-Einwohner-Dorfes Banyalbufar führen Stufen die Gassen hinauf, die sich eng und verwinkelt ins Felsmassiv drängen. Hier ist jeder Gast gut aufgehoben, der Ruhe und Entspannung sucht. Der betonierte Hafen ohne Bademöglichkeit enttäuscht dagegen sehr.

Der schönste Teil der Küstenstraße

Das Versprechen des Hoteliers, der schönste Teil der Küstenstraße liege noch vor uns, lockt uns am Morgen des vierten Tages zurück auf die Räder. Der Weg führt uns zunächst in die Künstlerstadt Valldemossa. Hier verbrachte das berühmte Schriftsteller- und Pianistenpaar George Sand und Frédéric Chopin den Winter 1838/39. Bei der Fahrt durch die engen Gassen und blühenden Gärten versteht man die beiden gut. Doch wir müssen weiter, 35 Kilometer sind heute zurückzulegen bis Sóller. Steile Anstiege wechseln sich mit flachen Streckenteilen und rasanten Abfahrten ab. In Serpentinen zieht sich die Straße die Küste entlang, vorbei an Olivenhainen und zerklüfteten Felsen.

Toller Ausblick ins "Tal des Goldes"

Hinter einer letzten Kurve öffnet sich vor uns das Tal von Sóller, eingeschlossen von imposanten Tausendergipfeln. Die Schlucht gilt als eine der fruchtbarsten Regionen Mallorcas, die Araber nannten sie "Tal des Goldes". Die Gassen der Stadt sind schmal und verwinkelt, die Busse kommen kaum um die Ecken der Steinhäuser. Wir rollen an den sich stauenden Autos vorbei und weiter zum Port de Sóller, zum Meer. Wer nicht mit dem Rad unterwegs ist, steigt am besten in die historische Tramvía, die zwischen Hafen und Stadt pendelt.

Kleine Tour de Mallorca

In Port de Sóller leben nur 2000 Einwohner, doch an seiner großzügigen Promenade reihen sich Bars, Cafés und kleine Souvenirshops aneinander. Wir kommen gerade noch in einem 2-Sterne-Haus unter, das Hafenstädtchen ist fast ausgebucht. Der nächste Morgen beginnt mit einem typisch mallorquinischen Frühstück: "Ensaimadas" und café con leche - mit Puderzucker bestäubte Hefeteigschnecken, die wir tief in unseren Milchkaffee tunken. Dazu genießen wir den Blick vom Platja de Port de Sóller auf einen der schönsten Häfen der Insel. Mit den Rädern geht es zurück nach Sóller. Wir tun unsere Touristenpflicht und besichtigen die berühmten Ölmühlen, wie der Reiseführer geraten hat. Hier in Sóller endet unsere kleine Tour de Mallorca. Wir entscheiden uns, mit der historischen Schmalspurbahn "Ferrocarril de Sóller", liebevoll auch "Roter Blitz" genannt, nach Palma zurückzufahren. Doch der Schaffner lässt sich nicht erweichen, Radfahrer mitzunehmen. Es bleibt nur die Notlösung: der Bus. Mit knapp vier Euro pro Person ist er zumindest billiger. Nachdem wir die Fahrräder abgegeben haben, verbringen wir den Abend etwas wehmütig in der Inselhauptstadt. Von einem Café auf dem Plaça d'Espanya lässt sich das Treiben der Stadt beobachten. Viele Einheimische sitzen in der untergehenden Abendsonne. Unsere Beine sind wieder still, der Puls geht langsam.

Weitere Informationen

Reisezeit und Klima: Mallorca ist mit rund 3640 Quadratkilometern die größte der Balearen-Hauptinseln. Das Klima ist mediterran gemäßigt. Die beste Reisezeit für Radurlauber ist von Februar bis Juni und in den Herbstmonaten.

Anreise: Mallorca wird von fast allen deutschen Flughäfen direkt angeflogen.

Radfahren: Das Radwegenetz der Insel wird ständig ausgebaut. Ein eigenes Fahrrad mitzunehmen, ist nicht unbedingt nötig. Räder mit guter Ausstattung sind fast überall zu angemessenen Preisen zu mieten. Fahrradhelme sind Pflicht, ebenso wie Licht bei Einbruch der Dunkelheit.

Unterkunft: Auf der Insel sind viele Hotels auf Fahrradurlauber eingestellt. Tipps erhalten Radler bei den ansässigen Verleihstationen und im Internet.

Kontakt: Fremdenverkehrsamt für Spanien, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin, Tel.: + 49 30 8826543, E-Mail: berlin@tourspain.es, www.spain.info; Fremdenverkehrsamt der Balearen, Plaza Reina 2, 07071 Palma, (Tel.: + 34 971712216, E-Mail:
oit@conselldemallorca.net, www.illesbalears.es

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