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Insidertipps für Palma de Mallorca

30.05.2011, 13:55 Uhr | srt/Robert Niedermeier , srt

Insidertipps für Palma de Mallorca. Palmas trendige Ecken entdecken. (Foto: Dennis Yenmez/srt)

Palmas trendige Ecken entdecken. (Foto: Dennis Yenmez/srt)

Ballermann und Strandurlaub? Mallorca hat viel mehr zu bieten als das. Wir verraten Ihnen Geheimtipps und die trendigen Ecken in Palma, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Schauen Sie sich die Tipps auch in unserer Foto-Show an.

Socken in Sandalen? Hier nicht!

Im "Harlem" sind alle Plätze besetzt. Cocktailsessel sorgen für den bequemen Sitz, doch die meisten müssen stehen. An der hohen Decke hängen Kronleuchter, die Stimmung ist ausgelassen und der Altersdurchschnitt liegt bei 25 Jahren. Während die Frauen, die waghalsig hohes Schuhwerk tragen, viel Bein zeigen, geben sich die Männer betont lässig. Wenn einer zur Jeans ein Sakko trägt, dann ist es mit verwegenen Stickereien im Tattoo-Stil aufgepeppt. Shorts, T-Shirts mit vermeintlich witzigen Sprüchen oder andere touristentypische, modische Fehltritte? Fehlanzeige, das Harlem ist ein Unterhaltungs-Tempel mit Niveau, inmitten des aufstrebenden Stadtteils Ciudad Jardin. Donnerstags treten hier im küstennahen Norden der Inselhauptstadt Flamenco-Künstler auf. Ihre Darbietungen ähneln mitnichten den Folklore-Shows, die in den Dreisternehotels, der nicht weit entfernten Platja de Palma und S´Arenal (auch El Arenal) beworben werden. Im Harlem schwitzt und schreit die Avantgarde eines modernen, zeitgenössischen Flamencos - heftig und mit echter Inbrunst - feucht und lauthals. An anderen Tagen stehen Indie-Rockbands auf der professionell ausgeleuchteten Bühne, freitags bringt kritisches Kabarett die Jugend der spanischen Baleareninsel zum Lachen.

Moderne Restaurants entlang der neuen Trendmeile

Hochbetrieb trotz Wirtschaftkrise herrscht auch in den modernen Restaurants entlang der neuen Trendmeile Calle de Trafalger. Hell erleuchtet strahlt das Sushi-Restaurant "Wasabi Blue" mit seiner großen Glasfront, ein Stückchen weiter links ums Eck protzt das mit italienischer Küche beeindruckende "Almare" mit direkten Meerblick von der Terrasse aus. Alle drei Lokale sind mit ihrem unaufdringlich luxuriösen Look die Aushängeschilder des Viertels im Imagewandel. Die "Gartenstadt" blüht auf. Frisch renovierte Fischerhäuser an der Promenade bilden die Kulisse. Ein langhaariger Surfertyp öffnet derweil einer Blondine die Beifahrertür seines Sportwagens und hilft ihr auf die waghalsig hohen Stöckelschuhe. Beide wirken als seien sie eigens herbestellt worden - als Hauptfiguren der lässig-luxuriösen Szenerie. Doch nicht allein entlang der schneeweißen Kaimauer, welche die Strandpromenade säumt, präsentiert sich die Hauptstadt Mallorcas als hip. Später passieren die beiden Nachtschwärmer zur rechten das neue stählerne Kongresszentrum und linksseitig das seit Jahren aufstrebende Viertel Portixol. Dort fand die Entwicklung bereits statt, die Ciudad Jardin aktuell widerfährt. "Es wird immer schicker und teurer", sagt der langhaarige Sportwagenfahrer, der an der bunt beleuchtenden Kathedrale vorbei fährt.

Partymeile in Santa Catalina

Seit mehr als einem Jahr ist auch das Viertel Santa Catalina südlich des berühmten Wahrzeichens vom ärmlichen Stadtbezirk zur Partymeile erkoren worden. Quasi von Amts wegen wurde die von immer mehr Bars und Restaurants flankierte Calle de Fábrica für den Autoverkehr gesperrt. Scharen von Amüsierwilligen flanieren seitdem ungestört den flach bebauten, von bunten Reklameschildern erleuchteten Ausgehboulevard rauf und runter. Botellóns (kollektives Trinken aus großen Gefäßen) sind inklusive, wobei es fröhlich-friedlich zugeht. Deutsche oder englische Urlauber mischen kaum mit bei den Trinkgelagen mit günstigen Supermarkt-Flaschengetränken. Bis hinauf zum Plaza Progrés wirkt das quirlige Treiben der Fábrica belebend. Die Folge: Im ehemals tristen Quartier boomt es kulinarisch. Bandaktuell eröffnete das schneeweiß aufgemachte Restaurant "Léon Alberti".

"Donnerstag ist der beste Partytag"

Den Beginn des Santa Catalina-Viertels markiert optisch markant die Bar "Cuba Colonial". "Donnerstag ist der beste Partytag", weiß der Kenner und verschwindet ins historische Gebäude im Kolonialstil. In engen, schwarzen Hemden gekleidet, servieren Kellner mallorquinisch-mediterrane Speisen im Restaurant, während sich unten im Club die Tanzfläche füllt. Auf lederbezogenen Polsterbänken plaudern deutsche Einwanderer mit einheimischen Freunden. Der DJ legt House-Tracks auf, und die Gäste feiern und flirten bis zum Morgengrauen.

Modegeschäft mit DJ-Pult

Tags darauf sitzt Pedro Vidal, einer der Gäste der langen Nacht zuvor, auf der sonnigen Terrasse der "Bar Nicolás" an der Plaza Mercat. Er ist Inhaber des mit moderner Kunst der Insel dekorierten Modegeschäfts "Píel de Gallina". Der dürre, hyperaktive Modeexperte hat seinen Store in der Nachbarschaft mit einem DJ-Pult ausgestattet - für die Party nach Geschäftsschluss: "Das hält die Stammkundschaft und lockt neue hinzu", sagt Vidal. Die kaufen bei ihm ausgesuchte Vintage-Mode aus Mallorca und Casual-Designs aus den europäischen Metropolen: "Ich liebe Berlin", gibt Vidal kund, greift zum Telefon und plappert wild drauf los; die Geschäfte rufen.

Nur nicht das Feiern vergessen

Oberhalb der Treppenstufen am Paseo de Quint, mitten im modischen Schmelztiegel Palmas, wo man die sonst typischen Souvenirläden vergebens sucht, bastelt derweil Tony Jiménez an seinem Fahrrad herum. Ihm gehört der Modeladen "Addict". Kommt Kundschaft, berät der blonde Hüne kompetent. Hemden, Hosen und Kleider skandinavischer Label, tragbar für die Clubnacht und den Alltag, dominieren das Sortiment. "Geld zu verdienen ist wichtig", sagt der überdurchschnittlich große Spanier lächelnd, schraubt weiter an seinem sehr teuer anmutendes Luxusmarken-Gefährt und betont: "Aber das Feiern nicht vergessen." Nach Feierabend trifft sich der Mode bewusste Jungunternehmer mit seinem Kollegen Vidal auf ein Glas Wein im "Flexas". Es duftet nach spanischen Kroketten, doch ein Hauch Berliner Luft beherrscht die Atmosphäre. Der herzlich freche Kellner trägt Vollbart und viel zu enge Jeans.

"Silence is Sexy"

Das Interieur scheint wild aber geschmackvoll zusammengewürfelt und präsentiert die Kunstausstellung "Silence is Sexy". Merkwürdig erscheint auch die Eistellung der Neunachbarn. Die möchten zwar im angesagten Kiez aber paradoxerweise ohne Kneipenlärm wohnen. Lediglich als einfaches Tapas-Lokal für Lesben und Schwule eröffnetet, wurde die Kneipe schnell zum potenten Pionier. Denn viele weitere Bars folgten dem Trend-Lokal und machten das hinter der Einkaufsmeile Sindicat und San Miguel versteckte Sa Gerrería in den letzten Jahren zum Viertel mit hohem In-Faktor. Pedro Vidal, der Berlin so mag, dem gefällt die kauzige Atmosphäre im Flexas: "Wunderbar."

Klamottenverkäufer auf Party-Tour

In der Nacht zieht es die munteren Klamottenverkäufer weiter: Sie möchten auf der Party "Hotel Tabu" feiern. Die Veranstaltungsreihe wird von einem DJ-Kollektiv der Balearen-Insel veranstaltet. Deep- und Techno-House sind ihr Metier, "Cultura Club Sala 2" heißt der Veranstaltungsort der Erfolgsparty von Pepe Arcade und seinem Team, zu finden auf dem Paseo Maritimo im Hafen- und Party-Viertel Palmas. Ganz in der Nähe zieht das "Garito Café" schicke Gäste mit House-Beats im stilsicheren Ambiente in seinen Bann. Die Bässe hämmern auch direkt nebenan im "Club Cassette", wo linksalternativ wirkende junge Männer in Sneakers und Kapuzenpullis gemeinsam mit aufgedonnerten weiblichen Gästen in edlen High-Heels Party machen. Diese Szene spielt sich nur wenige Kilometer entfernt von Pauschaltouristen-Attraktionen wie dem "Tito's" ab, und in einer völlig anderen Welt als die Partylokale der Platja de Palma am anderen Ende der Stadt. Vidal sagt: "Bierkönig, Mega-Park und Riu Palace kenne ich nicht. Damit hat das Publikum hier nichts gemein."

Weitere Informationen:
Shops & Galerien: Addict, Coole schicke Mode für Club und Straße, Calle Danús 4, Tel. 0034/971/724567;
Pieldegallina, Hippe Freizeit-Mode und Vintage "Made in Mallorca", Calle Brossa 7, Tel. 0034/971/079309;
Essen und Trinken: Café Coto, Trashig buntes Café, in dem es für zehn Euro ein gutes Drei-Gänge-Menü gibt, Plaza Drassana 12, barcoto.com;
Restaurant Almare, Terrasse direkt am Meer, mediterrane Küche mit starkem italienischem Einschlag im angesagten Stadtteil Ciudad Jardin, Calle Esculls 5, Tel. 0034/971/490304; www.almare.es;
Restaurant León Alberti, brandneues, schneeweiß eingerichtetes Restaurant mit moderner Mallorca-Küche, Plaza Progrés, 18
0034 971 283281, http://leonalberti.blogspot.com;
Wasabi Blue, japanisches In-Restaurant mit Blick aufs Meer,
Trafalgar, 41, www.wasabiblue.es, Tel. 0034/971/246602;
Bars und Clubs: Hotel Tabu c/o Cultura Club Sala 2, Paseo Maritimo 42, Santa Catalina;
Flexas, Bar in der Altstadt mit alternativem Publikum, regelmäßig Ausstellungen junger Künstler, Llotgeta 12, www.barflexas.com;
Garito Café, Club-Restaurant auf zwei Ebenen und guter House-Club, Dàrsena de Can Barbara, www.garitocafe.com/es;
Bar Cuba Colonial, moderne Bar im trendigen Santa-Catalina-Viertel, Calle San Magin 1;
Bar Nicolás, neu eröffnete schicke Trend-Bar mit Restaurant Placa Mercat;
Harlem, Restaurant, Bar und Live-Entertainment für ein Publikum ab 20, Calle Sor Isabel Cifre 24, www.harlemcafe.es;

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