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Costa Blanca in Spanien: Jeden Tag ein neuer Strand

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Costa Blanca  

Jeden Tag ein neuer Strand

01.08.2009, 11:46 Uhr | Spiegel Online, Helge Sobik, Spiegel Online

Costa Blanca (Foto: Imago)Costa Blanca (Foto: Imago)

Im Winter formt der Wind den Strand von Les Deveses jeden Tag neu. Im Sommer brandet die Flut der Sonnenhungrigen über den schönsten Sandkasten der spanischen Costa Blanca. Ein Jahr in der Biografie eines Traumstrandes - der nicht erst durch Ministerin Ulla Schmidt bekannt wurde.

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Wechselhaftes Strandleben

Einsam lag er da, und nur der Wind schaute vorbei, streichelte über den Sand, sortierte die Körnchen, modellierte manchmal einen neuen Pfad zwischen die Dünen. Ab und zu ließen Böen einen Fetzen Plastikplane im Tiefflug tanzen, spielten mit einem angeschwemmten Stück Tau. Und auf dem Meer tanzten Gischtkrönchen heran wie Wellenreiter. Sie waren alle noch nicht da - die vielen Menschen, die sich jetzt im Sommer tummeln und später in den August-Nächten an den Tresen der Chiringuitos, der Strandbars, bis in den nächsten Morgen tanzen und feiern. Von Frank Sinatra war im Januar noch keine Spur, auch von Ricky Martin weit und breit nichts zu hören. Im Sommer ist der eine in die Lautsprecher-Boxen eines Strand-Restaurants eingesperrt und ruft immer wieder mit Schmacht-Tonfall "Oh darling, unforgettable", während die Kellner gegrillte Scampis mit Aioli-Soße auftragen. Der andere wohnt in den Boxen der Chiringuitos, schmettert etwas von "Livin' la vida loca" und freut sich daran, dass die Leute am Tresen bunte Cocktails schlürfen, ein Stück weiter andere im Sand tanzen - und dass die Kassen klingeln.

Der schönste Sandkasten der Costa Blanca

Der schönste Sandkasten der spanischen Costa Blanca ist über fünf Kilometer lang, zwischen 50 und 100 Meter breit, gen Westen von einem schmalen Dünengürtel gesäumt und erstreckt sich zwischen Oliva im Norden und dem Rand von Els Poblets bei Denia im Süden. Der Ortschaft, in dem Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ihren diesjährigen Urlaub verbrachte - bis ihr Dienstwagen für kurze Zeit abhanden kam. Im Januar und Februar war es still an der Platja Les Deveses. Wo im Sommer die Sinatra-Box an einem Zeltgestänge über der Restaurant-Terrasse hängt, gab es um diese Zeit nur Betonfußboden mit einer vergänglichen Mini-Düne in der Mitte, die irgendwann kurz vor Ostern jemand wegfegen kam. Im Februar und März schlichen sich die ersten warmen Tage ein, und am Himmel zogen wieder die Drachensegel der Kite-Surfer ihre Bahnen, die sich vom Wind über die Mittelmeerwellen peitschen ließen.

Nonne beim Sonnenbad

Dick eingemummte spanische Kinder spielten im Sand, und auf dem Dünenpfad stapfte manchmal eine Nonne in schwarzer Kluft mit Klappstuhl unterm Arm barfuß bis ans Wasser. Für die nächsten Stunden machte sie es sich dort gemütlich, ohne irgendein Stückchen Stoff abzulegen, plauderte mit Strandwanderern und löst nebenbei Kreuzworträtsel in einer Zeitschrift. "Im Hochsommer" sagt sie, "finde ich es im kühlen Klostergarten schöner." Aber in der Vor- und Nachsaison, da liebe sie den Strand, den salzigen Geschmack der milden Luft. Den Wind, der die Gedanken davontrage.

Herausgeputzt für den Sommer

Bis in den Juni hinein tauscht kaum je ein Spanier die Kleidung gegen Badesachen und steigt ins noch immer unter 20 Grad warme Mittelmeer: nicht in Deveses und nicht anderswo in der Region. Viel zu kalt - für die Einheimischen. Die ersten Urlauber der neuen Saison sind da weit weniger zimperlich, spielen bereits seit Wochen Hochsaison, planschen im Wasser, räkeln sich auf den Badelaken im Sand. Die Wirte der Strandrestaurants haben ihre Boxen längst wieder mit dem Stromkreis verbunden, lassen Sinatra und Iglesias singen. Traktoren mit schwerem Gerät im Schlepp haben den Sand geharkt, Bagger manche ungewollte Hürde umsortiert, die die Urgewalten des Winterhalbjahrs geschaffen hatten. Deveses ist herausgeputzt für den Sommer. Und endlich, meistens so gegen Mitte Juni, ist es so, als hätte jemand den lange verschollenen Schlüssel für eine Lagerhalle im Hinterland wiedergefunden, alle Einzelteile der abgetakelten Beach-Bars auf ein paar Anhänger geladen und über den Sand zum alljährlichen Bauplatz auf Zeit holpern lassen: die Bar mit den hellbraunen Pappmaché-Felsen, den kreisrunden Regalen voller Caipirinha-Flaschen in der Mitte und den zwölf Meter hohen Mörtel-und-Plastik-Köpfen im Ostserinsel-Stil an den Seiten. Jeden Sommer werden sie im Strandsand von Oliva Nova neu zusammengesteckt und aufgerichtet. Und ganz plötzlich hämmern jetzt wieder Bässe aus eben noch verpacken Boxen, und eine vom letzten Sommer vertraute Stimme brüllt "Livin' la vida loca" in den Nachmittag hinaus: klingt so, als wäre nach Sinatra und Iglesias nun auch Ricky Martin zurück - und durchaus gut drauf.

Ein Bad zwischen zwei Tänzen

Es dauert nur ein paar Minuten, und die ersten Barhocker sind belegt, die ersten Tische im Sand besetzt, ein paar Caipirinhas gemixt. Und, klar, ein paar Dutzend Füße wippen mit. Bald darauf ist Tanzpremiere der neuen Saison: Fackeln stecken im Sand, Sterne stehen hoch am Himmel, und es ist warm - T-Shirt- und Shorts-Wetter die ganze Nacht hindurch. Das ist hier meistens erst im Juli soweit. Aber dann geht es richtig rund - erfrischendes Bad zwischen zwei Tänzen weit nach Mitternacht im mittlerweile knapp 25 Grad warmen Mittelmeer inklusive. Die nächsten acht Wochen beginnt der Tag in Les Deveses deutlich später als üblich: Nur die Familien sind schon um zehn, elf am Strand. Die jungen Leute kommen fortan erst nach zwei Uhr nachmittags: Tribut an die durchzechten Nächte - und derweil wenig Arbeit für die Rettungsschwimmer aus Oliva, die mit knallroten Quads den Strand entlang Patrouille fahren und für den Notfall mit Trillerpfeife und Rettungsweste, mit Muskeln, optimistischem Gemüt und einem Funkgerät ausgestattet sind. Irgendwann kurz nach dem ersten Septemberwochenende ist der ganz große Rummel schlagartig wieder vorbei: Spanien ist wieder bei der Arbeit, und in den Chiringuitos ist nur noch in der Büropause während der mittäglichen Siesta und an den Wochenenden etwas los. Schon Ende des Monats holpert wieder ein Kleinlaster über die schmalen Fahrwege bis an den Dünenrand: Fässer mitnehmen, Gläser einladen, Chiringuitos abbauen.

Kitesurfer kümmern sich nicht um Jahreszeiten

Im Oktober wird die Nonne noch das eine oder andere Mal mit ihrem Klappstuhl auftauchen und ihn kurz vor der Wasserlinie in den Sand drücken, aufs Meer schauen, sinnieren, ein bisschen lesen. Die Temperaturen sind angenehm, tagsüber gut und gerne noch über 20 Grad. "Ich bin hier, weil wir im Klostergarten keine Wellen haben und die Luft dort nicht nach Salz schmeckt", wird sie sagen. Und sie wird dabei lächeln, während ein paar hundert Meter weiter auch die Boxen der Restaurant-Terrasse aus ihren Halterungen geschraubt und die Kabel aufgerollt werden. Deveses versinkt im Winterschlaf, bekommt allenfalls Besuch von Strandwanderern, von ein paar Hunden, die ungestört durch den Wind toben. Und natürlich von den Kitesurfern, die völlig unabhängig von den Jahreszeiten agieren, süchtig nach diesen Böen, diesen Wellen und durch nichts und niemanden abzuhalten sind - auch nicht von den Verbotsschildern. Wieder tanzen kleine Körnchen in der Luft, flattern Plastikfetzen über den Strand, spielt das Meer mit Bojen, die es anschwemmt und wieder mitnimmt. Jede Nacht sortiert es um, jeden Morgen sieht Deveses anders aus. Und bald hat der Wind auch wieder die kleine Düne auf den Betonfußboden der Restaurant-Terrasse modelliert, wo sechs Wochen vorher noch Tische und Stühle standen. Irgendwann wird jemand zum Fegen kommen - wahrscheinlich erst kurz vor Ostern.

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