Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Reiseziele >

Barcelonas geheime Ecken

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Abseits von Gaudí und Co.  

Das sind Barcelonas geheime Ecken

19.08.2016, 12:24 Uhr | Robert B. Fishman/srt

Barcelonas geheime Ecken. Wer Barcelona wirklich erleben will, muss in die Stadtteile reisen. (Quelle: CTKxPhoto/KrystofxKriz/imago)

Wer Barcelona wirklich erleben will, muss in die Stadtteile reisen. (Quelle: CTKxPhoto/KrystofxKriz/imago)

Die verspielten Jugendstil-Werke Gaudís, prächtige Boulevards, einer der größten mittelalterlichen Stadtkerne Europas und hochmoderne Bauten - das bringen Besucher meist mit der katalanischen Metropole Barcelona in Verbindung. Doch wir zeigen Ihnen die geheimen Ecken - auch in der Foto-Show.

"Sonne, Berge, Meer und Lebensfreude", sagt Joan Dausá. Deshalb liebt der Liedermacher seine Heimatstadt so. "Wenn du Barcelona fühlen willst, dann geh in die Stadtviertel und sprich mit den Menschen." Jeder Kellner hier könne dir 1000 Geschichten erzählen, sagt Dausá über sein Lieblingsviertel Gràcia. In einem seiner bekanntesten Lieder "Jo mai mai", was übersetzt so viel bedeutet wie "Ich habe niemals, niemals".

Engel, Drachen und Vögel

Schmiedeeiserne Geländer zieren die Balkone rund um den Diamanten-Platz, die Placa Diamant. Über den Hauseingängen sitzen Engel, Drachen, seltsame Vögel und andere Fabelwesen aus Stein und Stuck. In Barcelonas Variante des Jugendstils, dem Modernismo zeigten Architekten ihre Fantasie und die Bauherren ihren Reichtum. Nachbarn haben sich zu Vereinen zusammengeschlossen, pflegen katalanische Traditionen und setzen sich für Belange von Arbeitslosen und anderen Benachteiligten ein. "Sozial engagiert" nennt Dausá die Bewohner seines Viertels, die ihn immer wieder zu neuen Liedern inspirieren.

Anders als im beschaulichen Gràcia und in der mondänen Innenstadt prallen die Gegensätze im einst größten Industriegebiet Spaniens unvermittelt aufeinander: In Poble Nou sprießen zwischen verfallenden Fabriken High-Tech-Gebäude aus dem Boden. 22@ hat die Stadt ihr neues Kreativ-Quartier genannt: Büros für Technologie-Unternehmen, Apartments, neue Hotels und das erste Null-Energie-Haus Barcelonas katapultieren das einstige Arbeiterquartier ins 21. Jahrhundert.

Quiz & Spiele

Wie gut kennen Sie Deutschland?

Erholung in Bad Wörishofen

Testen Sie Ihr Wissen mit unserem Dart-Spiel und vielleicht lernen Sie auch noch etwas dazu.
zum Deutschland-Dart-Spiel

Reinigung der Seele

Am aufgeschütteten Strand schaut eine kräftige rothaarige Frau versonnen aufs Wasser. Die Weite und der frische Wind "reinigen meine Seele", sagt Eva. Der Performance-Künstlerin gelingt es, gleichzeitig zu erzählen, zu rauchen, SMS zu schreiben und die Umgebung in ihrem Viertel zu beobachten. "Hier", sagt sie, "hier kommen mein Inneres und Äußeres zusammen." Die Künstlerin nennt sich PJ, Paint Jockey. Malend begleitet sie Musiker und Tänzer oder gastiert auf Konferenzen. Dabei setzt sie ihre Beobachtungen in Bilder um.

In einem kahlen Raum der Fundició, einer ehemaligen Gießerei, tanzen zwei junge Frauen zu den Klängen eines Trommlers und eines Didgeridoo-Spielers. Eva steht am Rande des Geschehens und malt in großen Schwüngen alles, was passiert auf eine Leinwand: große, gleichmäßige Kreise in ruhigen Phasen der Performance, kleine, schnelle in den bewegten Passagen. Einst hieß Poble Nou "katalanisches Manchester". Anfang des 19. Jahrhunderts bauten Investoren hier Textilfabriken. Das flache Marschland war billig, Wasser gab es reichlich, und das angrenzende Barcelona lieferte Arbeitskräfte. Kaum 100 Jahre später begannen sich die Arbeiter gegen die Ausbeutung in den Fabriken zu wehren. Im Zuge der Demokratisierung Spaniens und des EU-Beitritts in den 1980er-Jahren fanden die Textilunternehmen billigere Standorte in Asien und Osteuropa. In leerstehende Produktionshallen zogen Künstler wie Eva Sans. 

Ort der Gegensätze

Sans fühlt sich in Poble Nou wohl. Die Brüche und Gegensätze liefern ihr viele Ideen. Wie jeder Stadtteil Barcelonas hat das einstige Fischerdorf seine Markthalle und seine Rambla, eine von alten Bäumen gesäumte Hauptstraße. Auf dem autofreien Mittelstreifen flanieren die Leute und treffen sich in den Straßencafés auf einen Cortado oder ein Glas Wein. Evas Aufträge entstehen oft aus zufälligen Begegnungen. Ein DJ, den sie flüchtig kennt, erzählt von seinem nächsten Auftritt. Sie bietet an, seinen Gig malend zu begleiten. Manchmal kaufen Gäste ihr Bild oder sie präsentiert es auf einer Ausstellungen - zum Beispiel im Niu, dem "Nest", einer ehemaligen Fabrik, in der Künstler kostenlos auftreten können. Der Betreiber ist ein gemeinnütziger Verein, der sich aus dem Getränkeverkauf an der Bar finanziert. Eva probiert wie viele andere in dieser "Brutstätte der Kunst" vieles aus, testet Konzepte und Ideen. "Hier, in meinem Viertel, lerne ich, was funktioniert und was nicht." 

Weitere Informationen: 

Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Amateur am Werk 
Ungeschickter Bauarbeiter löst Kettenreaktion aus

Es kommt wie es kommen muss. Zum Glück kam der Mann noch einmal glimpflich davon. Video

Anzeige


Anzeige
shopping-portal