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La Graciosa - Lanzarotes kleine Schwester

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La Graciosa  

Lanzarotes kleine Schwester

21.07.2014, 15:44 Uhr | Maggie Riepl, srt

La Graciosa - Lanzarotes kleine Schwester. Solch schöne Strände gehören zu der kaum bekannten Kanareninsel La Graciosa. (Quelle: SRT /Maggie Riepl )

Solch schöne Strände gehören zu der kaum bekannten Kanareninsel La Graciosa. (Quelle: Maggie Riepl /SRT )

Das Mini-Eiland bietet wunderschöne Strände ohne den üblichen Tourismus-Trubel. "Die Anmutige" ist ein perfekter Ort, für alle, die im Urlaub mal einen Gang runter schalten wollen. Entdecken Sie La Graciosa auch in unserer Foto-Show.

Morgens um 10 Uhr im Hafen von La Graciosa: Noch ist es friedlich auf der kleinsten Kanarischen Insel, die kaum jemand kennt. Auf den Bänken von dem Fährbüro sitzen ein paar alte Männer mit traditionellen Strohhüten und plaudern. Nebenan schiebt Imma ein Mountainbike nach dem anderen aus dem vollgestopften Laden, den die 41-Jährige mit ihrer Mutter und Schwester betreibt.

Mit dem Rad in Richtung Strand

20 Minuten später legt die Fähre von Orzola auf Lanzarote an und an die Hundert Touristen strömen von Bord. Die ersten peilen schnurstracks Immas Fahrradverleih an. Schnell bildet sich eine lange Schlange. Eine gute halbe Stunde später ist alles so ruhig wie zuvor. Die Touristen sind Richtung Strand geradelt oder nehmen einen Cortado (Milchkaffee) in einem der kleinen Cafés an der Hafenpromenade, wo ein paar Hippies gerade ihre Schmuck- und Klamotten-Stände aufbauen.

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Die meisten Besucher sind Tagesgäste und schaukeln abends über die Meerenge mit dem kleinen Schiff zurück auf die berühmtere Nachbarinsel. Wir bleiben und beziehen eines der wenigen Apartments des Mini-Eilands: das "El Marinero" mit Riesenterrasse und Blick auf den kleinen Segelhafen. La Graciosa, "die Anmutige", so taufte im 15. Jahrhundert der normannische Seefahrer Jean de Bethencourt die Insel. Nun ja, vielleicht denkt sich mancher, hier ist ja nichts außer Sand und drei Vulkanbergen und hier und da ein paar Palmen. Stimmt, aber die Strände sind traumhaft. Und wo sonst auf den hektischen Kanaren findet man solche Ruhe?

Barfuß unterwegs

Caleta de Sebo ist der einzig bewohnte Ort auf dem 27 Quadratkilometer großen Inselchen. Es gibt zwar noch das einstige Fischerdorf Pedro Barba. Das ist heute eine Ansammlung hübscher Ferienhäuser, die aber nur in den Ferien von den spanischen Besitzern bewohnt werden. In der "Hauptstadt" leben 600 Menschen in würfelförmigen weißen Häusern. Man kann überall barfuß laufen, denn es gibt keine asphaltierten Straßen, nur Sandpisten. Eine Grundschule, ein Minisupermarkt, ein kleiner Bäckerladen, ein Gemeindezentrum und eine Handvoll Lokale - das ist alles.

Langeweile? Keine Spur: Die 39-jährige Imma hat mit Anfang 20 in Madrid und Almeria gelebt. Aber es war ihr zu laut, zu turbulent, sie kam zurück: "Hier kennt jeder jeden, man grüßt sich. Es gibt keine Autos, nur Natur", sagt sie. Autos gibt es schon: Taxi-Jeeps, mit denen man sich für ein paar Euro zu den Stränden fahren lassen kann. Aber viel schöner ist es zu Fuß, dann hört man kein Motorengeräusch, nur das Rauschen des Meeres. Und das ist der wahre Sound von Graciosa.

Der Legende nach liegt hier ein Schatz

Am El-Salado-Strand darf man zelten, ein paar bunte Iglus gucken hinter den Büschen hervor. Zwei Kilometer weiter finden wir eine Landzunge, die eine flache, leuchtendblaue Lagune vom Meer trennt. Perfekt zum Baden für Kinder. Noch ein Stück weiter am Fuß der Montana Amarilla, des gelben Vulkan-Berges, liegt die Playa La Francesa, in deren langgezogener Bucht eine Handvoll Segelboote ankern.

Angeblich soll hier irgendwo noch ein Piratenschatz liegen, den englische Freibeuter vor Jahrhunderten zwischen Dünen und Vulkan vergraben haben und der Vorlage für den berühmten Roman "Die Schatzinsel" war. Gefunden wurde er nie, macht nichts, mir genügt der goldgelbe Sand und die vielen bunten Fischen, die sich hier im Meersschutzgebiet tummeln.

Die "isla bonita"

Am Abend ist Ebbe und wir können über die goldgelbe Avenida Virgen del Mar am Meer entlang in den Ort laufen. Bei Flut steht die Straße unter Wasser. Die Hafenpromenade ist der Catwalk von Caleta: Ein junges Pärchen umarmt sich hingebungsvoll, die Einheimischen sitzen auf dem Mäuerchen zum täglichen Tratsch, ein Aussteiger mit Rainer-Langhans-Locken raucht im Café eine Pfeife, struppige Hunde liegen unter dem großen Baum an der kleinen Plaza und die Dorfkinder spielen Fangen. Im Restaurant "La Enriqueta" essen wir gebratenen Ziegenkäse und frischen Thunfisch mit Kartoffeln und Mojo - der typisch scharfen Soße der Kanaren.

Am nächsten Tag radeln wir zum schönsten Strand der Insel. So hat ihn jedenfalls der nette Tana aus dem Hafenbüro angepriesen. Auch er ist nach ein paar Jahren auf Gran Canaria zurückgekehrt nach La Graciosa, weil er die Natur liebt und das Fischen und es einfach eine "isla bonita" ist. Ich quäle mich mit dem Bike den Sandweg hoch, doch die Mühe lohnt: Unterhalb des 157 Meter hohen Vulkanbergs Bermeja liegt die lange Playa de las Conchas.

Ein Strand zum runter schalten

600 Meter Puderzucker-Sand, türkisblaues Meer, das mit weißen Schaumkronen auf den Wellen an den Strand schwappt - und gerade mal eine Handvoll Badelustiger. Dazu ein fantastischer Blick auf die unbewohnte Vulkan-Insel Montana Clara, die sich steil aus dem Meer erhebt.

Als wir am Abend wieder bei einem eisgekühlten Tinto de Verrano (Rotwein mit Fanta) im Dorf sitzen, fühlen wir uns bereits wie die Insulaner, für die Eile und Stress Fremdworte sind. Nach nur 24 Stunden haben wir bereits einen Gang runter geschaltet, ein anderes Zeitgefühl entwickelt. Tana und Imma haben recht, was braucht man eigentlich mehr als diese schöne Insel im Atlantik?

Weitere Informationen:

La Graciosa gehört mit vier unbewohnten Inseln zum Naturpark des Chinijo Archipels der Kanarischen Inseln.
Anreise: Mit dem Flugzeug nach Lanzarote z.B. mit Airberlin, Tuifly, Condor. Dann von Orzola mit der Fähre (20 Minuten Fahrzeit, alle halbe Stunde nach Caleta de Sebo) nach Graciosa: ca. 20 Euro hin und zurück.
Mountainbike mieten: 8 Euro am Tag.
Allgemeine Informationen: www.turismolanzarote.com

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