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Mallorca: Die ersten DDR-Bürger machen Urlaub

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Eine andere Welt - erste DDR-Bürger auf Mallorca

27.09.2010, 11:55 Uhr | dpa

Mallorca: Die ersten DDR-Bürger machen Urlaub. Vor über 20 Jahren flog die erste DDR-Reisegruppe nach Mallorca (Foto: dpa)

Vor über 20 Jahren flog die erste DDR-Reisegruppe nach Mallorca (Foto: dpa)

Vor 20 Jahren landete die erste DDR-Reisegruppe auf Mallorca. Fünf Monate nach dem Mauerfall genossen die Touristen aus Ostdeutschland die lang ersehnte Reisefreiheit. Auf der Balearen-Insel wurde die Landung als historisches Ereignis gefeiert.

"Das war für uns eine andere Welt"

"Das war der Wahnsinn", erinnert sich Hannelore Hauschild aus Dresden. Die heute 68-Jährige gehörte zur ersten Reisegruppe von DDR-Bürgern, die nach dem Fall der Mauer auf Mallorca landete. Der eigens zur Begrüßung auf den Flughafen von Palma de Mallorca geeilte Tourismusminister der Balearen sprach von einem "historischen Moment". Vielen der 90 Frauen und Männer standen bei dem "kleinen Staatsempfang" mit mallorquinischer Folklore Tränen der Rührung in den Augen. "Das war das Tollste, was wir jemals erlebt haben", schwärmt Hannelore Hauschild noch heute. "Das war für uns eine andere Welt."

Sehnsucht Massentourismus

Lange Zeit konnten die DDR-Bürger nur im Fernsehen verfolgen, wie Mallorca seit den 70er Jahren immer mehr zum Urlaubsparadies der Westdeutschen schlechthin wurde. Ein Traum von Sonne, Meer und Entspannung für die breite Masse, während sich die Ostdeutschen mit raren Auslandsreisen in die sozialistischen Länder und überfüllten Ferienheimen mit wenig Service im eigenen Land abfinden mussten.

Reisepreis in Ost- und West-Mark

Dank der Zusammenarbeit der DDR-Fluggesellschaft Interflug und dem bundesdeutschen Reiseunternehmen TUI landete am 3. April 1990 die erste Maschine aus Ost-Berlin via Dresden auf der zu Spanien gehörenden Balearen-Insel. Der einwöchige Trip kostete 1350 DDR-Mark und einen Zuschlag von mindestens 220 D-Mark. Für die Möglichkeit, noch vor der Einheit Deutschlands und vor der Einführung der D-Mark Mallorca als Sinnbild westlichen Reisens zu erleben, gaben viele das Geld ohne zu zögern aus. Aus Kostengründen hatten Ehepaare allerdings ihre Kinder zu Hause gelassen.

Neuer Markt: Reisehungrige aus dem Osten

Es war das erste Mal, dass ein DDR-Reiseveranstalter in ein westeuropäisches Feriengebiet startete. Und das wurde mit einem entsprechenden Medienspektakel verfolgt. Auf eineinhalb Urlauber kam ein Journalist aus Deutschland, dazu eine Heerschar spanischer Berichterstatter. Tourismusminister Jaime Cladera unterstrich, dieser Tag sei viel wichtiger aufgrund der politischen Entwicklungen als aufgrund der wirtschaftlichen. Tatsächlich freuten sich die Spanier in Anbetracht zurückgehender Touristenzahlen vor allem auch über den unverhofft entstandenen neuen Markt.

Freude über die "gleiche Behandlung"

"Es ist das erste Mal, dass man begrüßt und behandelt wird wie alle", freute sich Hannelore Hauschild damals. Allerdings war es ja auch das erste Mal, dass zumindest ein Teil des Reisegeldes in D-Mark bezahlt werden musste. Diesen "feinen Unterschied" hatten viele DDR-Urlauber jahrelang zum Beispiel in Ungarn frustriert zur Kenntnis nehmen müssen. Wenn sie neben Gästen aus "dem anderen deutschen Staat" logierten, hatten sie mangels harter D-Mark meist sehr schnell das Gefühl, als Besucher "zweite Klasse" behandelt zu werden.

Spanien ist das beliebteste Auslandsreiseziel

Die Gastgeber ihrerseits freuten sich über die Wissbegierde und Dankbarkeit der DDR-Urlauber. Viele Fragen mussten sie beantworten wie: "Wann ist denn hier die Olivenernte?" oder "Wie schmecken denn Kakteen?" und "Welche Bedeutung haben die vielen alten Windmühlen?" Die Mallorquiner fühlten sich in die 50er Jahre versetzt, als die ersten Bundesdeutschen begannen, die Insel zu erobern. Heute hat sich das Reiseverhalten in Ost- und Westdeutschland weitgehend angenähert. Spanien ist gesamtdeutsch das Auslandsreiseziel Nummer 1, wobei es die Westdeutschen etwas häufiger dorthin zieht als die Ostdeutschen. So waren im Reisejahr 2008/09 nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) mit leicht abnehmender Tendenz 377 000 Ostdeutsche auf Mallorca. Hannelore Hauschild war nach dem "Jungfernflug" mit ihrem Mann vor fünf Jahren noch einmal auf Mallorca, öfter nicht, obwohl sie die Insel liebt. "Weil wir auch noch mal woanders hin wollten", sagt sie und fügt noch einmal hinzu: "Das ist für uns die schönste Reise gewesen".



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