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Gewagte Reiseziele: Schöne, aber gefährliche Länder

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Gefährliche Reiseziele  

Die großen Unbekannten

28.10.2010, 15:53 Uhr | Fabian von Poser, srt

Gewagte Reiseziele: Schöne, aber gefährliche Länder. Urlaub trotz Reisewarnung (Foto: Fabian v. Poser)

Urlaub trotz Reisewarnung (Foto: Fabian v. Poser)

Vom Sudan über Nordkorea bis Moldawien - trotz Unrechtsregimen und Terroranschlägen finden immer häufiger auch ausgefallene Reiseziele den Weg in die Kataloge der Veranstalter. Klicken Sie sich durch die schönen, aber auch gefährlichen Reiseziele in unserer Foto-Show.

Pyramiden im Sudan

Amir tritt ins Pedal. Der Motor faucht, die Federn rasseln, der Wagen schwankt. Wie ein Gummiball hüpft der Toyota zwischen den Dünen hin und her. Benommen schwappt das Auto über die Sandberge. Wie ein Aquarell liegen die Dünen da, wie gleichförmige Schlangenlinien auf ein Blatt Papier gezogen die kleinen Wellen, die der Wind in den Sand gezeichnet hat. Dann stehen sie plötzlich vor uns: Zu groß geratenen Zuckerhüten gleich recken die Pyramiden von Meroë ihre Häupter in den Himmel. Feuerrot lodern ihre Spitzen im Sonnenuntergang. Dahinter wechselt das Firmament quasi sekündlich seine Farbe, so als ziehe jemand buntes Cellophanpapier am Horizont entlang. Von tintenblau zu zitronengelb zu ziegelrot.

Die Sonne versinkt im Nil

"Die Nubier waren ein großes Volk, ein mächtiges Volk", sagt Amir geheimnisvoll, als die Sonne im Nil versinkt. Von 2500 vor Christus bis 350 nach Christus herrschte der nordafrikanische Volksstamm über weite Teile des heutigen Sudan und das südliche Ägypten. Schon früh übernahmen die Nubier Elemente der ägyptischen Kunst, auch die Gräberkultur kopierten sie. Rund 120 Pyramiden zählt alleine die Nekropole von Meroë, insgesamt 210 sollen es im Sudan sein - mehr als in ganz Ägypten. Kaum ein Europäer hat den Ort in den vergangenen fünf Jahrzehnten betreten. Seit 1956 kommt der größte Staat Afrikas nicht zur Ruhe. Doch neuerdings bieten einige Reiseveranstalter wieder Touren in das Land am Nil an. Nicht in den Westen nach Darfur, wo die Reitermiliz Djandjawid gemeinsam mit der Regierung in Khartum skrupellos gegen schwarzafrikanische Zivilisten vorgeht, sondern in den Norden an der Grenze zu Ägypten.

Reisewarnung als Reiz

Immer häufiger finden exotische Ziele den Weg in die Reisekataloge. "Man mag ein Regime wie im Sudan nicht befürworten", sagt Edwin Doldi, Sicherheitsbeauftragter beim Münchner Studienreiseanbieter Studiosus. "Aber das Land ist kulturgeschichtlich ungemein interessant. Und der Norden ist problemlos zu bereisen." Die Idee zu einem neuen Land oder einer neuen Region komme in der Regel von einem Reiseleiter, einem der Produktmanager oder einer Reiseagentur vor Ort, sagt Doldi. "Das oberste Gebot bei der Auswahl ist immer die Sicherheit des Reisegastes."

Auch Kolumbien wieder in den Katalogen

Der Sudan ist nur eines von vielen Zielen, die in den vergangenen Jahren den Weg auf die touristische Landkarte gefunden haben. Das erste Mal seit langem findet sich auch Kolumbien wieder im Angebot der Veranstalter. Jahrelang kämpften linksgerichtete FARC-Rebellen gegen die Regierung in Bogotá. Immer wieder kam es zu Entführungen. Inzwischen hat sich die Sicherheitslage stark verbessert und Gruppenreisen können wieder ohne Risiko durchgeführt werden. Ähnlich erging es dem Libanon. Seit der Präsidentenwahl 2008 und der Beteiligung der Opposition an der Regierung ist das Land wieder ohne Bedenken bereisbar. Der Münchner Veranstalter FTI hat dem Libanon jüngst sogar einen eigenen, 52 Seiten starken Katalog gewidmet. Wenn es nach Dietmar Gunz, Vorsitzender der FTI-Geschäftsführung, geht, so soll Beirut in Zukunft sogar Städtereisezielen wie Barcelona oder Istanbul Konkurrenz machen. "Das Potenzial dazu hat die Stadt."

Die Kunst, Exoten zu finden

Doch auf der Suche nach neuen Zielen geht es nicht immer nur darum, die Boomziele von morgen aufzuspüren, sondern auch wirkliche Exoten anzubieten. So hat vor einiger Zeit Nordkorea den Weg in die Kataloge gefunden. In dem laut den USA zur "Achse des Bösen" zählenden Norden kann der Besucher noch ein einzigartiges politisches Relikt bestaunen: das System des Staatskommunismus. "Es sind vor allem Stammgäste und erfahrene Reisende, die solche ausgefallenen Ziele buchen", sagt Edwin Doldi von Studiosus. "Die Nachfrage bewegt sich hier freilich auf relativ geringem Niveau." Selbst in Europa werden noch neue Ziele entdeckt. Zum Beispiel Moldawien. Seit der Unabhängigkeit von Russland 1991 ist das Land souverän. Zwar setzen die Konflikte zwischen dem westlichen und stärker an Rumänien angelehnten und dem östlichen, an Russland angelehnten Teil fort. "Diese ethnische, religiöse und ideologische Vielfalt und das reiche Erbe der orthodoxen Klöster machen Moldawien aber zu einem äußerst interessanten Studienreiseziel", heißt es beim Königsteiner Reiseanbieter Ikarus Tours, der das Land seit 2005 im Programm hat.

Auch der Irak ist nicht tabu

Selbst ein Ziel wie der Irak ist für die Veranstalter nicht grundsätzlich tabu. Seit dem Einmarsch US-amerikanischer Truppen 2003 befindet sich das Land offiziell im Ausnahmezustand. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen dorthin. Doch das könnte sich bald ändern. Zwar ist bis heute in Bagdad keine internationale Hotelkette mehr vertreten. Das irakische Tourismusministerium plant jedoch schon jetzt für die Zeit, wenn wieder Sicherheit eingekehrt ist am Tigris. Zwischen zwei und fünf Milliarden Euro sollen allein für einen neuen Tourismuskomplex auf der etwa zwei Quadratkilometer großen Hochzeitsinsel im Tigris in Bagdad ausgegeben werden. Geplant sind mehrere Luxushotels, Wellness-Anlagen, ein Yachthafen, Boutiquen, Restaurants und ein Golfplatz. Reiseveranstalter wie der kalifornische Anbieters Distant Horizons und die französische Firma Terre Entière bieten bereits seit 2008 wieder Reisen in den Norden des Landes an. Auch deutsche Veranstalter verfolgen das Geschehen mit Spannung. Zu den Hauptattraktionen zählen die Bibelstadt Babylon, die sumerischen Königsstädte Ur und Uruk, die assyrischen Metropolen Nimrud, Ninive und Assur, die parthischen Ruinen von Hatra sowie die den Moslems heiligen Städte Kerbela, Nadschaf und Samarra.

Urlaub in Afghanistan

Auch ein anderes exotisches Ziel könnte schon bald eine Renaissance erleben: Afghanistan. Seit vielen Jahren taucht das Land am Hindukusch erstmals wieder auf der touristischen Landkarte auf. Einheimische Veranstalter bieten schon jetzt wieder Touren zu den 2001 von Talibankriegern gesprengten Buddha-Statuen von Bamian an, unternehmen Trekkingtouren in die nördliche Provinz Badakhshan, Snowboard-Touren in den Hindukusch und Rafting auf dem Panshir River.

Und was sagt das Gewissen?

Aber kann ich als Gast überhaupt bedenkenlos in Länder reisen, in denen Unrecht, Entführungen und Gewalt auf der Tagesordnung stehen? "Diese Länder zu isolieren bringt den Menschen vor Ort meiner Überzeugung nach gar nichts. Sie ihrem Schicksal zu überlassen, ist der falsche Weg", sagt Edwin Doldi. "Wir sind der Auffassung, dass ein Tourismus, der sich sozialverträglich nennt und nicht nur nimmt, sondern den Bereisten auch etwas gibt, den Reisenden und den Menschen in den Ländern Vorteile bringt." Das gelte für viele Länder dieser Kategorie. In Burma zum Beispiel, wo seit Jahren ein Militärregime regiert, unterstütze sein Unternehmen eine Klosterschule durch die Anschaffung medizinischer Geräte für die Schulklinik, so Doldi. "Die Lehranstalt besuchen rund 6500 Schüler - und unsere Gäste im Rahmen von Studienreisen. Das bringt beiden Seiten etwas."

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ADAC-Schutzbvrief Versicherungs-AG
Am Westpark 8
81373 München



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