Startseite
Sie sind hier: Home > Reisen > Specials >

Schlucht von Verdon: "Frankreichs Grand Canyon"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Schlucht von Verdon  

Das ist "Frankreichs Grand Canyon"

08.03.2016, 16:00 Uhr | Sabine Glaubitz, dpa-tmn

Schlucht von Verdon: "Frankreichs Grand Canyon". Türkises Wasser, steile Wände: Die Schlucht von Verdon gehört zu den größten Schluchten Europas - und den schönsten. (Quelle: dpa)

Türkises Wasser, steile Wände: Die Schlucht von Verdon gehört zu den größten Schluchten Europas - und den schönsten. (Quelle: dpa)

Es ist eine der größten Schluchten Europas, das Wasser türkis wie in der Karibik. Die Schlucht von Verdon im Süden Frankreichs gilt einigen als der "französische Grand Canyon", ein wilder Fluss und spektakuläre Wanderwege locken. Sehen Sie Frankreichs Naturwunder auch in unserer Foto-Show.

Der Blick in den 300 Meter tiefen Abgrund mit den steil nach unten fallenden Felswände erzeugt Höhenangst und Faszination, hier oben auf dem Aussichtspunkt Maugué auf der Route des Crêtes, der Kammstraße. Unten fließt der Verdon. "Die Schlucht ist unser Grand Canyon Frankreichs", erklärt der 34-jährige Reiseführer Cédric. Im Laufe der Jahrtausende hat sich der Verdon bis zu 700 Meter tief in das Bergmassiv hineingegraben.

Alpenfluss grub gewaltige Schlucht

Die Schlucht von Verdon liegt im Hinterland von Nizza, nur 50 Kilometer Luftlinie von der Stadt am Mittelmeer entfernt. Sie gehört zu den größten Schluchten Europas - und zu den schönsten. Der Verdon, der in den französischen Seealpen auf rund 2500 Metern entspringt, mündet mehr als 160 Kilometer weiter in die Durance. Der wilde Alpenfluss hat auf rund 21 Kilometern eine der gewaltigsten Schluchten Europas geschaffen - und eine Landschaft, die 1997 zum Nationalpark gekrönt wurde.

Wanderweg zwischen Felswänden

Der Blick in die Schlucht vom Belvédère Maugué ist schwindelerregend. Schwer vorstellbar, dass so tief unten ein Wanderweg verläuft. Doch die Schönheit der Schlucht zog zu Beginn des 20. Jahrhunderts einige Abenteurer an, darunter den französischen Hydrogeologen Édouard-Alfred Martel, der erstmals im Sommer 1905 in die Tiefen hinunterstieg. Martel gilt als Vater der modernen Höhlenforschung. Seine Expedition durch die wilde Schlucht hat er in einem Buch beschrieben. "Wir sind am Ende unserer Kräfte und staunen nur noch. Ein Höhlendach am rechten Ufer, eine wahre Grotte des Styx, scheint den Verdon zu verschlucken. Hier ist das Weiterkommen unmöglich." Der Styx ist in der griechischen Mythologie der Fluss, der zur Hölle führt. Verdon, der Höllenfluss.

Über Felsstufen und Steiltreppen

Der rund 14 Kilometer lange Wanderweg Sentier Martel ist mit seinen Hangelpassagen und Steilstufen auch heute noch voller Tücken. Einmal tief unten in der Schlucht, ist ein Zwischenausstieg nicht mehr möglich. Gute Schuhe, ausreichend Verpflegung und eine Taschenlampe seien nötig, sagt Cédric. Die Wanderung dauert sechs Stunden. Der Pfad garantiert Höhlen- und Höhenfeeling. Er geht unermüdlich bergauf und bergab, führt durch bis zu 700 Meter lange und dunkle Felstunnel und über Steiltreppen mit 252 Stufen.

Im Jahr 2005 wurde der Wanderweg auf Sentier Blanc-Martel umgetauft - als Hommage an Isidore Blanc, der Martel bei seiner Verdon-Erkundung begleitet hat. Blanc war Grundschullehrer und stammte aus dem Dorf Rougon, das man erblickt, wenn man auf der D952 von Castellane herkommt. Es ragt auf einem Felssporn in die Höhe.

Fünf Staudämme zähmen den Höllenfluss

Der Höllenfluss Verdon ist heute gezähmt. Fünf Staudämme waren nötig, um die Launen des Flusses zu bezwingen. Neben dem Lac de Castillon am Oberlauf des Verdon gehört der Lac de Sainte-Croix - der zweitgrößte Stausee Frankreichs - zu den attraktivsten der künstlichen Wasserspeicher. Er liegt am Ausgang der Schlucht. Den schönsten Blick auf den See, der die provenzalische Sonne wie kleine Diamanten reflektiert, hat man von der Brücke Sainte-Croix aus. Sie führt auf 45 Meter hohen Pfeilern über den Verdon, aus dem sich der See speist.

Der Lac de Sainte-Croix bietet Kinokulisse. Türkisfarbenes Wasser und eine unvergleichliche Lage zwischen den Hügeln des Haut-Var und den scheinbar unendlichen Lavendelfeldern von Valensole. Die Lust, kopfüber in das türkisfarbene Wasser zu springen, ist hier ein ständiger Begleiter. Doch die idealen Badetemperaturen werden erst in der Hochsaison erreicht. Der Verdon ist ein kalter Alpenfluss, der die grün leuchtende Farbe seinem hohen Fluorgehalt verdankt.

Ein Dorf musste dem Stausee weichen

Der schönste See der Provence: Für diesen Titel, mit dem sich der Lac de Sainte-Croix schmückt, mussten große Opfer gebracht werden. Mehr als 2000 Hektar fruchtbares Land wurden überschwemmt und ein ganzes Dorf zerstört. "Eigentlich hätte der Lac de Sainte-Croix noch größer werden sollen, was die Zerstörung von zwei weiteren Dörfern bedeutet hätte. Doch der Widerstand der Bewohner war zu groß", erzählt Cédric.

Les Salles-sur-Verdon wurde rund 400 Meter weiter an einer höheren Stelle wieder aufgebaut - im Stil von früher. Die Glocken, die in der jetzigen Kirche zum Angelusgebet läuten, stammen aus dem alten Gotteshaus. Statt von Landwirtschaft leben die etwas mehr als 240 Einwohner vom Tourismus der Freizeitkapitäne und Sonnenanbeter. Denn der Ort gehört neben Sainte-Croix du Verdon und Bauduen zu den wenigen Dörfern, die direkt am See und seinen steinigen Naturstränden liegen.

Bilderbuchort der Provence

Rund vier Kilometer oberhalb des Sees liegt Moustiers-Sainte-Marie. Das Dorf zählt zu den Bilderbuchorten der Provence. Mit seiner größtenteils romanischen Kirche klebt das Mittelalterdorf, das im fünften Jahrhundert aus einem Kloster entstanden ist, wie ein Adlerhorst am Fuß eines gigantischen Felsens. Oberhalb des Ortes ragt sein Wahrzeichen in die Höhe: die Wallfahrtskapelle Notre-Dame-de-Beauvoir.

Rote Ziegeldächer, Zypressen, Pinien und knorrige Olivenbäume: Der Blick von der Steinkapelle aus dem zwölften Jahrhundert auf das Dorf und die urprovenzalische Landschaft ist fantastisch. Für jene, die von Moustiers-Sainte-Marie aus in Richtung Schlucht-Route starten, ist die Aussicht ein vielversprechender Vorgeschmack. Für alle anderen, deren Canyon-Schwindel in dem rund 700-Seelen-Dorf zu Ende geht, ist das Panorama der stimmige Ausklang eines berauschenden Ausflugs durch die Tiefen der Provence.

Weitere Informationen

  • Anreise: Mit dem Auto entweder von Nizza aus Richtung Entrevaux über Saint-André-les-Alpes auf der D952 nach Moustiers-Sainte-Marie und Valensole. Oder von Marseille aus auf der Autobahn A 51 bei Manosque abfahren und weiter in Richtung Valensole, Puimoisson und Moustiers-Sainte-Marie.

  • Reisezeit: Von Frühjahr bis Herbst. Reizvoll ist die Zeit zur Lavendelblüte im Frühsommer ab Mitte Mai.



Anzeige
shopping-portal