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Bogotás dunkle Seite: Auf den Spuren des Drogenbarons

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Bogotás dunkle Seite  

Auf den Spuren des Drogenbarons

28.01.2014, 14:14 Uhr | Oliver Gerhard, srt

Bogotás dunkle Seite: Auf den Spuren des Drogenbarons. Menschen feiern auf der Straße im Armenviertel Comuna 13. (Quelle: SRT /Oliver Gerhard )

Menschen feiern auf der Straße im Armenviertel Comuna 13. (Quelle: Oliver Gerhard /SRT )

Vor 20 Jahren starb der berüchtigte Drogenhändler Pablo Escobar. Heute reisen Besucher auf seine Finca und ins Zentrum des einstigen Kartells von Medellín. Entdecken Sie Kolumbien auch in unserer Foto-Show.

"Psst, schaut mal", flüstert plötzlich eine Stimme. Ein Mann mit Schnauzer und Strohhut sitzt uns im Nacken. Dabei liegt die Ecke ganz ungünstig zum Ansprechen von Passanten: Der Verkehr auf Bogotás Carrera 7 tost, Abgasschwaden aus klapprigen Minibussen schwärzen die Luft. Nebenan dröhnt ein Presslufthammer, im Hintergrund schlägt die Glocke der 500 Jahre alten Kirche San Francisco. Wir sind mitten in Kolumbiens Hauptstadt, einst Zentrum der berüchtigten Drogenbarone um Pablo Escobar.

Angebote auf offener Straße

Angesprochen wird man ständig in der kolumbianischen Hauptstadt - von Eisverkäufern, Safthändlern und Taxifahrern. Von Frauen, die Handys minutenweise oder ihren Körper stundenweise anbieten, von Losverkäufern, Portraitfotografen, Wunderheilern und selbst ernannten Propheten - oder von Neugierigen, die nur ein paar freundliche Worte mit einem ausländischen Besucher wechseln möchten.

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Umständlich faltet der Fremde ein Papiertütchen auf. Wir sind kaum einen Tag hier und schon das erste Drogenangebot? Der junge Polizist auf der anderen Straßenseite lässt ungerührt den Blick über das Geschehen streifen. Dann leuchten vier stecknadelgroße Smaragde in der Sonne. "3000 Pesos das Stück", sagt der Mann. Wir sind in den Straßenmarkt für Edelsteine geraten - umgerechnet etwa 1,15 Euro sollen die Steine jeweils kosten. Rund 100 überwiegend ältere Herren palavern hier, begrüßen Neuankömmlinge, halten Steine gegen den Himmel - winzige Smaragde, aber auch taubeneiergroße Rohsteine.

Killer, Koks und Krieg

Kolumbien ist der größte Smaragdproduzent der Welt, eine Tatsache, die in der öffentlichen Wahrnehmung neben einem anderen "Exportprodukt" des Landes verblasst: Rauschgift. Killer, Koks und Krieg prägten das Image Kolumbiens in den 1980er- und 90er-Jahren. Vor allem ein Name ist mit dieser Epoche verbunden: Pablo Escobar, skrupelloser Drogenbaron und Chef des berüchtigten Kartells von Medellín.

Escobar stieg auf der Karriereleiter des Verbrechens schnell vom Autodieb zum größten Drogenschmuggler der Welt auf. Zeitweise kontrollierte er rund 80 Prozent des weltweiten Kokainhandels und wurde vom Magazin Forbes als einer der reichsten Männer der Welt geführt. Unter dem Motto "Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Zelle in den Vereinigten Staaten" kämpfte er mit Auftragsmorden und Bomben gegen den eigenen Staat.

Die Finca Nápoles

Escobars Hauptquartier befand sich auf der Finca Nápoles zwischen Bogotá und Medellín. Zahlreiche Legenden und Schauergeschichten ranken sich um die 3000 Hektar große Ranch, wo der 1,66 Meter kleine Drogenboss ungeniert seinen Größenwahn auslebte. Die Anlage mit eigenem Flugplatz, Stierkampfarena, Dinosaurierpark und einem Zoo mit Nilpferden, Löwen und Elefanten war Schauplatz dekadenter Partys und grausamer Verbrechen.

Heute denkt man beim Betreten der Finca eher an Disneyland: Urwaldgeräusche vom Band, Wasserrutschen, tobende Kinder. Die Gemeinde hat hier einen Themenpark eingerichtet, auf dessen Website die Geschichte mit keinem Wort erwähnt wird. Die Ruine der einstigen Villa des Drogenbarons wurde dennoch in ein beeindruckendes Museum verwandelt. Großformatige Fotos, Texte und Zeitungsausschnitte dokumentieren die Vergangenheit.

Auf der Suche nach dem versteckten Geld

Scheiben und Fliesen des Hauses sind zerbrochen, von einigen Zimmern stehen nur noch die Grundmauern - zerstört von Schatzsuchern auf der Suche nach Geld, das hier bündelweise versteckt gewesen sein soll. Escobar war mit Kalkül freigiebig: Er baute Schulen, Fußballplätze und Häuser für die Ärmsten und erwarb sich damit in Teilen der Bevölkerung einen Ruf als kolumbianischer Robin Hood. Besonders groß war der Rückhalt in den Slums von Medellín.

In einem breiten Flusstal ziehen sich die Armenviertel der 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt wie in einem Amphitheater die Hänge hinauf. Ein Meer aus Ziegeldächern, engen Gassen und Treppen, über dem ein Klangteppich aus Salsa-Musik und Kindergeschrei liegt. Doch die No-Go-Area aus Escobars Zeiten ist heute zu einem touristischen Anziehungspunkt geworden. Zum Beispiel dank der Biblioteca de Espana, einem hypermodernen Bau, der wie ein schwarzer Monolith aus den Dächern ragt.

Hier liegt der Bandit begraben

In einem spektakulären Großprojekt hat die Stadt die einstigen Problembezirke befriedet, in denen sich Jugendbanden zuvor erbarmungslos bekämpften. Man baute neue Schulen, Parks und Grünanlagen. Über neu errichtete Seilbahnen sind die Gemeinden nun eng ans Stadtzentrum angebunden. Ein Heer von Streetworkern wie Alex Hincapié Arango kümmert sich mit Workshops, Theater und Musik um die meist arbeitslosen Jugendlichen. "Die jungen Männer kriegen wir über den Sport", sagt der 34-Jährige, der einst selbst in einem Problembezirk aufwuchs. "Die Mafia ist inzwischen verschwunden, die Gewalt um 90 Prozent zurückgegangen."

Pablo Escobar wurde vor 20 Jahren, im Dezember 1993, auf der Flucht von der Polizei erschossen. Sein Grab in Medellín - eine schlichte Platte aus schwarzem Marmor - zieht immer noch Neugierige an, aufmerksam beäugt von den Anwohnern. "Die Blumen sind noch von seinem letzten Geburtstag", sagt eine alte Dame mit Gießkanne. "Gott hat ihm vielleicht schon vergeben", seufzt die Frau. Die Angehörigen seiner Opfer sehen das sicher anders. Escobars Wunsch für seine Grabinschrift wurde jedenfalls nicht erfüllt. Auf dem Stein sollte stehen: "Ich war, was ich sein wollte: ein Bandit."

Weitere Informationen:

Anreise: Flüge nach Bogotá sind je nach Saison ab 600 Euro erhältlich, zum Beispiel bei Iberia oder Air France. Zur Einreise ist ein noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass notwendig. Touristen benötigen kein Visum.
Veranstalter: Der Spezial-Veranstalter Viventura bietet eine Reise zu den Höhepunkten Kolumbiens (inkl. Bogotá und Medellín), 21 Tage ab 3299 Euro inkl. Flüge, Transfers, Übernachtung, div. Mahlzeiten, Tel. 030/61675580, www.viventura.de.
Unterkunft: "Casa Marly", gemütliches Bed & Breakfast in einem Haus aus den 1930er-Jahren, DZ inkl. Frühstück ca. 40 Euro, Carrera 8 No. 47-86, Barrio Chapinero, Bogotá, Tel. 0057/1/570 5572, www.bogotahotelcasamarly.com. "Casa Platypus", koloniales Haus mit Innenhof und Dachterrasse, DZ inkl. Frühstück ab 60 Euro, Carrera 3 12f-28, Bogotá, Tel. 0057/1/2811801, www.casaplatypus.wix.com/hotel. "Hotel Lukas", bequemes freundliches Stadthotel, DZ inkl. Frühstück ab 50 Euro, Carrera 77 No. 44 A28, Medellín, Tel. 0057/4/2601761, www.lukashotel.com.
Sicherheit: "Die Sicherheitslage in Kolumbien hat sich seit 2002 kontinuierlich verbessert. Sie ist in den meisten Metropolen (insbesondere in Bogotá) mit der anderer lateinamerikanischer Großstädte durchaus vergleichbar" - so das Auswärtige Amt (Stand Mitte Januar). Die Guerilla ist noch in einigen entlegenen Landesteilen präsent. Detaillierte Sicherheitshinweise unter www.auswaertiges-amt.de.
Allgemein: Proexport Colombia, Fürstenbergerstrasse 223, 60323 Frankfurt am Main, Tel. 069/13023832, www.colombia.travel/de

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