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Zu Fuß durch die Saklikent-Schlucht in der Türkei

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Der Kick im Canyon: Zu Fuß durch die Saklikent-Schlucht

13.04.2012, 14:50 Uhr | Carina Frey, dpa-tmn, dpa-tmn

Zu Fuß durch die Saklikent-Schlucht in der Türkei. Wer tief in den Canyon möchte, muss sich überwinden (Quelle: dpa/tmn)

Wer tief in den Canyon möchte, muss sich überwinden (Quelle: dpa/tmn)

Die Schlucht von Saklikent ist eine der größten Attraktionen an der Südwestküste der Türkei. Türkische Familien kommen zum Picknick, Touristen, um klitschnass zu werden. Denn den Kick im Canyon bekommt nur, wer nicht wasserscheu ist. Den Weg weisen handgemalte Schilder. "Saklikent" steht in krakeliger Schrift auf einem grob gezimmerten Holzpfeil. Auch unsere Foto-Show macht Lust auf einen Abstecher hierher.

Saklikent ist voll und ganz auf den Tourismus eingestellt

Die Schlucht gehört zu den Hauptsehenswürdigkeiten der türkischen Südwestküste. Auf dem Weg dorthin merkt man allerdings wenig davon. Die Straße führt durch duftende Pinienwälder und kleine Orte, in denen ein paar Männer vor dem Teehaus sitzen und vorbeifahrenden Autos hinterhergucken. Als wäre sie für Touristen bestellt, treibt eine alte Bäuerin ihre Kühe und Ziegen am Straßenrand entlang. Einmal angekommen zeigt sich aber schnell, dass Saklikent ganz auf den Tourismus eingestellt ist: Parkplätze reihen sich aneinander, ebenso Souvenirläden mit imitierten Marken-T-Shirts und Hosen. Restaurants haben ihre Sitzkissen auf hölzernen Pontons über dem Fluss ausgelegt, man kann in Baumhäusern übernachten. Kurz dahinter liegt der Eingang zur Schlucht. Die ersten 200 Meter gehen Besucher bequem auf einem Holzsteg entlang. Steil ragen die Felswände rechts und links in die Höhe. Das Wasser sprudelt unter den Füßen, es ist schlammig grau vom lehmigen Untergund. Dann öffnet sich die Schlucht zu einer Art felsiger Lichtung. Ein paar Bäume stehen dort, dazwischen wächst Gras, türkische Familien picknicken.

Wer tief in den Canyon möchte, muss sich überwinden

Spätestens hier fallen die klitschnassen Touristen auf - manche in Bikini und Badehosen, andere mit triefenden T-Shirts und Shorts. Denn hier, wo sich die Schlucht noch einmal breit macht, ist Schluss mit der bequemen Besichtigung. Wer tiefer in den Canyon hinein möchte, muss ins Wasser. Und das ist nicht nur kalt, sondern hat ordentlich Druck - vor allem im Frühjahr. Die erste Passage führt über eine Art Stromschnelle, die von außen betrachtet harmlos wirkt. Bis ein junger Mann versucht, sie zu überwinden. Nach wenigen Schritten versinken die Knie im Wasser, dann auch Bauch und Brust. Er rudert mit den Armen, wird mitgerissen, findet mit den Füßen Halt, stemmt sich gegen den Druck und gelangt schließlich ins flachere Wasser. Wer ihm zugesehen hat, wundert sich nicht mehr über die herumstehenden Schilder, die raten, die Schlucht nur mit einem Führer zu erkunden.

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Der Druck des Wassers ist enorm

Einer der Führer ist Salih. Er ist klein und hat einen runden Bauch, und beides ist ideal für seinen Job. Denn er steht in der Stromschnelle wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Hand in Hand mit ihm spürt man zwar immer noch den Wasserdruck, fühlt, wie man droht, nach unten gespült zu werden, bleibt aber auf den Beinen. Danach geht es ein paar Meter harmlos am Felsrand entlang, das Wasser umspielt die Knöchel. Dann müssen Gäste wieder mitten in den Fluss, der sofort mit Wucht gegen Bauch und Brust drückt. Salih legt den Arm um den Rücken seines Schützlings, damit der nicht mitgerissen wird. Es geht über Felsbrocken - hoch auf Salihs Hand gestützt, runter auf dem Hintern. Das Kraxeln macht großen Spaß, Selbstzweck ist es aber nicht. Wenn sich der Fluss mal wieder etwas breiter macht und sanft die Waden umplätschert, ist Gelegenheit, nach oben zu blicken - und zu staunen.

Der graubraune Schlamm soll die Besucher schützen

Senkrecht ragen die Felswände in den Himmel, bis zu 700 Meter geht es hinauf. Mal sind sie glatt wie von Menschenhand beschlagen, mal durchbrochen von Felsvorsprüngen, Höhlen und Ausbuchtungen. Der Canyon verjüngt sich und beult aus, führt um Kurven und bergauf. Einen Kilometer in die Schlucht hinein führt Salih, zweieinhalb der insgesamt 17 Kilometer wären möglich. Aber langsam frieren die Beine, das Steinchensammelsurium in den Schuhen pikst bei jedem Schritt. Auf dem Rückweg - wieder über Felsen, wieder durch den Fluss - hält Salih an einer Schlammmulde an. Er nimmt eine Handvoll des graubraunen Zeugs und verteilt es auf Gesicht und Armen seines Schützlings. Angeblich ist es gut gegen alle möglichen Leiden, vom Sonnenbrand bis zum Insektenstich.

Beim Souvenirhändler kaufen die Touristen trockene Klamotten

Triefend nass endet der Ausflug in die Saklikent-Schlucht, Salih bekommt ein Trinkgeld in die Hand gedrückt, und die Souvenirhändler am Eingang reiben sich die Hände. Denn nur die gut organisierten Touristen haben ein Handtuch am Picknickplatz deponiert. Alle andere kaufen jetzt ein trockenes T-Shirt und Shorts zum Touristenpreis.

Weitere Informationen

Reiseziel: Die Saklikent-Schlucht liegt in Lykien an der Südwestküste der Türkei. Von Fethiye aus sind es rund 50 Kilometer. Von der Küstenstraße E 90 führt nahe der Ausgrabungsstätte Xanthos eine Nebenstraße ins Landesinnere. Die Schlucht ist dann - dürftig - ausgeschildert.

Anreise: Zahlreiche Fluggesellschaften bieten von Deutschland Direktflüge nach Antalya an. Näher gelegen ist der Flughafen Dalaman. Er wird allerdings nicht so häufig angeflogen.

Reisezeit: Im Frühling führt der Fluss in der Saklikent-Schlucht viel Wasser. Wer den Canyon zu dieser Zeit erkunden möchte, wird bis zum Oberkörper nass. Im Sommer verwandelt sich der Fluss in einen seichten Bach.

Unterkunft: Direkt an der Saklikent-Schlucht gibt es nur den Gorge Club, einen Campingplatz mit der Möglichkeit, in Baumhäusern zu übernachten. Angeschlossen ist eine Pension, die allerdings erst später im Jahr öffnet.

Informationen: Türkisches Kultur- und Tourismusbüro, Rungestraße 9, 10179 Berlin (Tel.: 030/214 37 52, E-Mail: info@tuerkei-kultur-info.de; berlin@goturkey.com).

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