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Fort Myers - Urlaub im Schritttempo

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Florida  

Fort Myers - Urlaub im Schritttempo

27.06.2009, 16:16 Uhr | dpa-tmn

"Calusa Blueway": Mit dem Kajak zu den Mangroven (Foto: Lee County CVB/dpa/tmn)"Calusa Blueway": Mit dem Kajak zu den Mangroven (Foto: Lee County CVB/dpa/tmn)

Und wieder kommt ein Dollar an die Decke: Ein Gast hat mit dickem Filzstift seinen Namen auf dem Geldschein verewigt, den er nun mit Klebeband an einem Stützbalken fixiert. So ist es Brauch im Restaurant auf der Insel Cabbage Key im Südwesten Floridas - rund 70.000 US-Dollar hängen schon an den Wänden. Es ist Mittagszeit, der Laden ist rappelvoll. Kellner schleppen massenweise Cheeseburger heran, die Besucher lehnen sich zurück. Sie haben einen Gang heruntergeschaltet, denn sie sind an einem Ort, an dem alles im Schritttempo passiert. Cabbage Key ist nur per Boot erreichbar. Auf der Reise hierher, an der Küste des Golfs von Mexiko entlang, hat sich eines gezeigt: Je niedriger das Tempolimit, desto gelassener das Leben - Sehen Sie selbst in unserer Foto-Serie.

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Wo Thomas Edison und Henry Ford urlaubten

Drei Tage zuvor auf dem Interstate-Highway 75: Mit 70 Meilen in der Stunde, immerhin 112 Stundenkilometern (km/h), geht es auf die Ausfahrt Fort Myers zu. Hier an Floridas Westküste verbrachten schon der Erfinder Thomas A. Edison und Automagnat Henry Ford im frühen 20. Jahrhundert regelmäßig den Winter. Ihre Ferienhäuser gehören zu den größten Sehenswürdigkeiten in Lee County. Edisons Haus kann seit 1947 besichtigt werden, und im unverändert gebliebenen Laboratorium lassen sich die Touristen seine Experimente mit künstlichem Gummi erläutern.


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Strandleben von schwäbisch bis sächsisch

Die meisten Deutschen fliegen allerdings nicht nach Fort Myers, um ein Haus zu finden, sondern um sich in die Sonne zu legen, in den großen Outlets einzukaufen und die Natur zu genießen. Im Jahr 2008 kamen 170.000 Besucher mit deutschem Pass nach Lee County - so viele wie aus keinem anderen Land außerhalb der USA. Wer an den Stränden spazieren geht, hört neben Englisch viel Schwäbisch oder Sächsisch.

Sport und Spaß am Fort Myers Beach

Fort Myers Beach: Halb Amerika scheint hier versammelt zu sein, auf dem Parkplatz stehen Autos mit Kennzeichen von Maine bis Kalifornien. Viele Urlauber treffen sich am Strand zum Sonnenuntergang und später in der kleinen Fußgängerzone Times Square, in der sich die Restaurants und Bademoden-Läden konzentrieren. Aus "Jimmy B's Rooftop Bar" dröhnt Rock, unter dem Pier rauschen die Wellen, und weiter südlich an der Küste zucken immer wieder die Blitze eines fernen Gewitters auf - der Donner schafft es nicht bis hierher. Fort Myers Beach verspricht Urlaubstage am Meer mit einem Mix aus Trubel und Entspannung. Aber auch Naturliebhaber finden Interessantes, zum Beispiel im Lovers Key State Park, der südlich an die Insel anschließt. Der Name ist Programm: Am rund vier Kilometer langen Strand steht ein Pavillon, der für Trauungen genutzt wird und auch für Heiratsanträge beliebt ist, erzählt Nancy Hamilton. In der Nähe gibt es aber auch drei Zugänge zum "Calusa Blueway", einem 305 Kilometer langen Wasserwegenetz, das sich durch das County zieht.
Benannt ist es nach den einst hier heimischen Calusa-Indianern.

Mit dem Kajak zu den Mangroven

Mit Kajaks und Kanus geht es durch die Mangrovenlandschaft, immer wieder kreuzen Pelikane und andere große Wasservögel den Weg - auch das Paddeln ist also eine Möglichkeit, langsamer zu werden und die Zeit mehr zu genießen. Im Sommer sollten Urlauber aber vorsichtig sein: "Wichtig ist es, alle Wassersport-Aktivitäten dann in die Vormittagsstunden zu legen, weil nachmittags immer Gewittergefahr besteht", empfiehlt die "Calusa-Blueway"-Koordinatorin Betsy Clayton.

Paradies für Muschelsammler

Vom Wasser zurück auf die Straße, das nächste Ziel ist Sanibel. Sechs Dollar (4,30 Euro) kostet die Brückenbenutzung bei jeder Fahrt auf die Insel, eine Art Eintrittsgeld zu einer heileren Welt. Berühmt geworden ist Sanibel wegen der unzähligen Muscheln, die an die Strände gespült werden, vor allem nach Stürmen im Winter. Einen guten Überblick bietet das Bailey-Matthews-Shell-Museum, in dem unter anderem eine 60 Zentimeter lange Weltrekord-Muschel ausgestellt ist, die Taucher in der Nähe der Insel auf einer Sandbank gefunden haben. Auf Sanibel fällt auf: Die Menschen nehmen sich mehr Zeit. Viele sind per Fahrrad unterwegs, denn Autofahren kostet hier mehr als anderswo in den USA. Parken an den Stränden zum Beispiel schlägt tagsüber mit zwei Dollar (1,40 Euro) pro Stunde zu Buche. Das Tempolimit sinkt auf der Insel von 55 auf 35 Meilen pro Stunde (56 km/h) - vor allem, um die Wildtiere zu schützen.

Ehemalige Mücken-Hauptstadt der USA

Ein Großteil Sanibels liegt in einem nach dem Naturschützer J.N. "Ding" Darling benannten Schutzgebiet, durch das eine Straße führt, die in den 60er Jahren gebaut wurde. "Zur Mückenbekämpfung", wie die Führerin Mari Hanley im National Wildlife Refuge erzählt, denn "damals war Sanibel die Mücken-Hauptstadt der USA". Heute schwirren nicht mehr Plagegeister durch die Luft als auch sonst in diesen Breitengraden. Den knapp 6,5 Kilometer lange Wildlife Drive durch das Schutzgebiet können Urlauber mit dem Mietwagen befahren, bei den geführten Touren gibt es aber viel Interessantes zu lernen - etwa über einen Vogel namens Snowy Egret, dessen gelbe Zehen im Wasser wie Würmer aussehen. "Das lockt Fische an", erzählt Mari Hanley, "und dann schnappt der Egret zu."

Ruhiger Inselalltag

Weiter geht es nach Captiva Island, das nur eine kleine Brücke von Sanibel trennt. Das Tempolimit sinkt auf 30 und schließlich 25 Meilen pro Stunde. Grüne Vegetation mit vielen Palmen und üppigem Hibiskus verstellt den Blick auf die Villen entlang der Straße. Dafür schimmert immer wieder der Golf von Mexiko zwischen den Bäumen hindurch. Captiva ist definitiv ein Ziel für Menschen mit dem nötigen Kleingeld. Es wirkt noch lieblicher und entspannter als Sanibel. Ganz draußen bleibt der Festlandalltag aber nicht, wie das Starbucks-Kettencafé im Norden Captivas beweist. Auf Captiva beginnt die Bootsfahrt mit der "Lady Chatwick" nach Cabbage Key - mit zehn Minuten Verspätung, denn das Leben ist hier so relaxt, dass sich gleich mehrere gebuchte Passagiere verspäten. Kapitän Tom Jones erzählt unterwegs Geschichten über die Inseln am Pine Island Sound, durch den das Schiff tuckert, und schon kurz nach dem Ablegen tauchen Delfine an der Steuerbordseite auf. Jones pfeift auf vier Fingern, die Passagiere klatschen wie verrückt in die Hände - das bringt die Meeressäuger immer wieder dazu, über die von der "Lady Chatwick" geschlagenen Wellen zu springen.

Die 70.000-Dollar-Bar

 Der Landgang auf Cabbage Key ist mit gut zwei Stunden angesetzt. Es gibt einen Naturlehrpfad, den auch viele Mücken mögen, und eine Aussichtsplattform auf einem etwa 20 Meter hohen Wasserturm aus Holz, der seit den 30er Jahren allen Hurrikans getrotzt hat. Im rustikalen Restaurant mit seiner Cheeseburger-Platte für 7,99 Dollar (5,70 Euro) tragen die Kellner alle ein T-Shirt, auf dessen Rückseite Antworten auf die meistgestellten Gästefragen gedruckt sind: "Ja, wir leben auf der Insel" zum Beispiel oder "Durch die Bar und dann links" - das muss der Weg zur Toilette sein. Wer zahlt, lässt nicht nur Trinkgeld liegen, sondern fragt meist auch nach Filzstift und Klebeband - denn ein Dollar kommt ja an die Decke, bevor es zurück geht in eine Welt, die mit jeder Meile Richtung Festland wieder etwas hektischer wird.


Weitere Informationen zu Fort Myers & Sanibel Island The Beaches of Fort Myers & Sanibel Island, c/o Sommer Touristik Marketing, Hanauer Straße 6, 63739 Aschaffenburg
(Tel.: 06021/32 53 03). 
Anreise und Formalitäten:Die Air Berlin fliegt je nach Saison drei- bis viermal pro Woche nonstop von Düsseldorf nach Fort Myers. Mit US-Airlines gibt es Umsteigeverbindungen etwa über Atlanta (Delta), New York/Newark (Continental) und Chicago (United). Die 220 Kilometer lange Autofahrt von Miami nach Fort Myers dauert auf dem Interstate-Highway 75 etwa 2,5 Stunden. Deutsche Touristen brauchen einen maschinenlesbaren Reisepass und müssen sich vor dem Abflug bei den US-Behörden rechtzeitig unter http://esta.cbp.dhs.gov anmelden.
Klima und Reisezeit: Subtropisches Klima mit Tageshöchstwerten im Schnitt zwischen 23 Grad (Februar) und 33 Grad (Juli/August). Der Sommer ist schwüler und regnerischer als die Wintermonate, in denen es bis zu 11 Grad kalt wird. Im Sommer besteht ein Hurrikan-Risiko.
Geld: Für einen Euro gibt es etwa 1,40 US-Dollar (Stand: Juni 2009). Das Bezahlen mit Kreditkarten ist weit verbreitet.
Unterkünfte: Neben vielen Ferienhäusern gibt es im Lee County etwa 350 Hotels aller Kategorien. Auf Sanibel Island sind die Zimmer im Durchschnitt teurer als auf dem Festland oder in Fort Myers Beach.
Internet:www.fortmyerssanibel.com, www.calusablueway.com, www.floridastateparks.org/loverskey, http://dingdarling.fws.gov, www.shellmuseum.org, www.crowclinic.org, www.cabbagekey.com.

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