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Kanufahren  

Auf dem Kanu unterwegs im wilden Norden Minnesotas

10.08.2011, 12:08 Uhr | Christian Röwekamp, dpa, dpa-tmn

Auf dem Kanu unterwegs im wilden Norden Minnesotas. Im Norden Minnesotas können Kanufahrer den Stress des Alltags hinter sich lassen. (Foto: Christian Röwekamp/dpa/tmn)

Im Norden Minnesotas können Kanufahrer den Stress des Alltags hinter sich lassen. (Foto: Christian Röwekamp/dpa/tmn)

Keine Handys, keine Kreditkarten, kein Fernseher: Wer sich in die Wildnis der Boundary Waters begibt, kann dem Alltag entfliehen. Denn während einer Kanu-Tour in Nordost-Minnesota, USA, ist schon das Abendessen am Lagerfeuer purer Luxus. Und mit Glück können Abenteurer unterwegs sogar auf Bären und Wölfe in freier Natur treffen. Doch auch wer dort keine Raubtiere erspäht, kehrt nach Tagen des stillen Paddelns zufrieden zurück. Sehen Sie die faszinierende Landschaft auch in unserer Foto-Show.

Nadelwälder am Ufer

Die Nacht war kühl, dichter Nebel liegt über dem Wasser. Blayne Hall gehört zu den Outfittern, die ihre Gäste vom Moose Lake aus in die Boundary Waters bringen. "Setz Dich nach vorne und pass auf Kanuten auf", ruft Blayne bevor es mit Karacho in den dichten Nebel geht. Schon nach wenigen Minuten reißt die weiße Wand auf. Nun strahlt die Sonne über das glatte, dunkle Wasser. Der See ist einer von mehreren Einstiegspunkten in eine Wildnis, die sich nur per Kanu erobern lässt. Wer für einige Tage mal allem entfliehen will, findet hier eine gute Gelegenheit: Handy, Geldbörse und Kreditkarte bleiben in der festen Unterkunft am See.

1000 See und Flüsse, 2400 Kanuruten

Über mehr als 150 Kilometer erstreckt sich die Wildnis entlang der Grenze zwischen Kanada und den USA. Grand Marais am Lake Superior ist das östliche, Ely das westliche Einfallstor zu diesem Gebiet mit mehr als 1000 Seen und Flüssen, gut 2400 Kilometer Kanurouten und fast 2200 Orten, an denen Abenteuerurlauber ihre Zelte aufschlagen dürfen - frei nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst". Der Luxus jedes Platzes sind eine Feuerstelle mit Grillrost und ein Plumpsklo.

Wer Kanu fahren will, braucht eine Genehmigung

Einfach so drauflos paddeln geht jedoch nicht: Ein ausgeklügeltes System von Genehmigungen hält die Zahl der Kanuten in den Boundary Waters unter Kontrolle. Am Moose Lake zum Beispiel gibt es 26 sogenannte Permits - maximal so viele hier gestartete Kanu-Gruppen dürfen gleichzeitig in der BWCAW unterwegs sein. Erwachsene zahlen 16 Dollar für das Papier, Kinder die Hälfte. Vergeben werden die Zugangsscheine jedes Jahr vom 15. Januar an, wenn noch bis zu zwei Meter dickes Eis die Seen bedeckt. Erhältlich sind sie online und über die Outfitter.

Nur der Wind und die Paddel sind zu hören

Inzwischen hat Blayne Hall sein Boot am Ufer festgebunden. Geschickt nimmt er das Kanu von der Metallkonstruktion, die sich etwa 1,50 Meter über dem Rumpf erstreckt und bisher dafür gesorgt hat, dass das Paddelboot wie ein Baldachin über den Insassen ruhte. Mit Schwung wirft Blayne die Rucksäcke vom größeren in das kleinere Boot, dann steigen die Passagiere um - und es geht los. Bald sind nur noch der Wind und das Eintauchen der Paddel in das stille Wasser zu hören.

Je weniger Gepäck, umso besser

"Gut, dass Ihr so wenig Gepäck mitgebracht habt", lobt Blayne seine Begleiter. "Das werden wir bei jeder Portage merken." Portage heißen die Strecken zwischen den Seen, auf denen das Kanu getragen wird. Manchmal sind sie keine 100 Meter lang, manchmal dauert es aber auch etliche Minuten, bis Verpflegung, Zelte und Rucksäcke wieder verstaut werden können. Bis auf das Wasser zum Kochen, das aus den Seen geschöpft wird, muss alles in die Wildnis mitgebracht werden.

Bären zählen zu nächtlichen Besuchern

Nach zwei Portages ist der langgezogene Ensign Lake erreicht. Rund sechs Kilometer sind nun gen Osten zu paddeln. Insgesamt 38 Übernachtungsplätze liegen am Ensign Lake; Blayne hat sich einen im Nordosten ausgesucht, zwei Kilometer südlich der Grenze zu Kanada. "Wir bleiben lieber am Nordufer", sagt er. "Auf der anderen Seite sind zuletzt mehrfach Bären gesehen worden, und die wollen wir nachts lieber nicht als Besucher haben."

Touristenattraktion Schwarzbär

Wer viel Glück hat, bekommt in den Boundary Waters vom Kanu aus einen Schwarzbären am Ufer zu sehen. Als neugieriger, hungriger Gast am Lagerfeuer wäre ein Bär aber ein Problem. Viele Besucher wollen nicht nach Hause fahren, ohne einen Bären gesehen zu haben. Deshalb gibt es in Ely, dem letzten Außenposten der Zivilisation, das North American Bear Center. Im Bear Center leben Ted, Honey und Lucky - drei Schwarzbären, die bis zum Jahr 2007 von Privatleuten im Nachbarstaat Wisconsin gehalten wurden. Schätzungsweise 20.000 Schwarzbären leben im Norden Minnesotas.

Auf dem Speiseplan der Wölfe steht Biber und Hirsch

Deutlich geringer als die Zahl der wilden Bären ist die der Wölfe in Minnesota - geschätzt wird sie auf etwa 3000. Das Ziel des International Wolf Centers in Ely ist es, zur Erhaltung der Art in diesem Teil Amerikas beizutragen. Hier leben vier Wölfe im Gehege, die schon in Gefangenschaft geboren worden sind und in der Wildnis kaum überleben würden. In den Boundary Waters ist eine Sichtung unwahrscheinlich - die Reviere dort sind sehr groß, "und man sieht die Tiere eher im Winter auf zugefrorenen Seen oder auf Straßen", erzählt Pflegerin Lori Schmidt.

Abendessen am Lagerfeuer

Am Lagerfeuer am Ensign Lake gibt es inzwischen Abendessen: Grüne Bohnen und vorgebackene Kartoffeln brutzeln in einer Pfanne auf dem mitgebrachten Gaskocher. Die Steaks dazu sind frisch mariniert: Mit Sojasoße und Gewürzen hat Blayne Hall sie in einem großen Klarsichtbeutel geschwenkt, bevor sie auf den Grillrost kamen. Auch gegenüber am Südufer ist ein Feuer auszumachen.

Sternenhimmel über Minnesota

Die nächstgelegene Quelle künstlichen Lichts sind die Hotels am Moose Lake, bis nach Ely sind es von hier fast 50 Kilometer. So viele Sterne wie die Kanuten in der Wildnis bekommen nicht viele Menschen in den USA zu sehen. Es wird kein langer Abend am Feuer, die Tagestour steckt in den Knochen: Vom Lager aus ging es über vier Portages immer tiefer in die Einsamkeit - und über vier Portages wieder zurück. Nadelbäume, Birken, Wasserfälle und die Stille auf den Seen - all das hat sich ins Gedächtnis eingebrannt. Schultern und Arme schmerzen vom Paddeln,  etwas Gewichtheben vor der Tour hätte als Training nicht geschadet. Morgen nach dem Frühstück wird es zurückgehen zum Moose Lake - noch einmal viele Kilometer im Kanu, bevor Blayne Hall den Außenborder wieder startet und mit hohem Tempo zurück in die Zivilisation fährt. 

Weitere Informationen:

Staatliche Tourismusseite: http://www.exploreminnesota.com
Tourismusinfos der Stadt Ely: http://www.ely.org
North American Bear Center: http://www.bear.org
International Wolf Centre: http://www.wolf.org
Minnesota Department of Natural Resources: http://www.dnr.state.mn.us
Genehmigungen für die Boundary Waters: http://www.fs.fed.us/r9/forests/superior
Kosten: Die Preise der verschiedenen Outfitter variieren, jedoch können Kanuten zirka mit folgenden Preisen pro Tag rechnen: Tandem-Kanu 28 Euro, Rettungsweste 1,80 Euro, ein Zelt für zwei Personen 9 Euro

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