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Unterwegs mit einem Wellness-Tester

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Wellnesshotels im Test  

Unterwegs mit einem Wellness-Tester

26.11.2007, 13:18 Uhr | srt, t-online.de

Wellness-Hotel muss 750 Kriterien erfüllen (Foto: T-Online)Wellness-Hotel muss 750 Kriterien erfüllen (Foto: T-Online)Hinter dem Spiegel in der Umkleide vom Schwimmbad klebt ein Haar. Robert Hitzler (Name geändert) zückt seinen Block. "Nicht weggewischt", notiert der Hotelkontrolleur. Gestern hat er das Haar selbst dorthin geklebt. Das mag etwas hinterlistig wirken, aber um zu sehen, ob es mit der Hygiene stimmt, sind solche Mittel in der Branche Standard. Was Wellnesstester erleben, kann schon haarsträubend sein.


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Hotel muss 750 Kriterien erfüllen

"Wellnesshotel ist kein geschützter Begriff, und deshalb gibt es auch heute noch zu viele Trittbrettfahrer, die nicht gerade zum guten Ruf beitragen", stellt Lutz Hertel fest. Er ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Wellnessverbands mit Sitz in Düsseldorf. Das ist eine unabhängige Einrichtung, die nur testet, wenn ein Hotel das begehrte Siegel haben möchte und sich anmeldet. Dazu muss es 750 Kriterien erfüllen, die anonyme Tester in den betreffenden Hotels vornehmen - allerdings unangemeldet. Und das kann hart sein.

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Der Test beginnt schon am Telefon

Robert Hitzler ruft beim Wellnesshotel an und bucht wie ein normaler Gast zwei bis drei Übernachtungen und dazu viele Anwendungen. Die zahlt er wie jeder andere Gast. Doch sein Test beginnt schon beim ersten Klingelton: Wie oft lässt es die Rezeptionistin am anderen Ende läuten, bevor sie abnimmt? "Mehr als dreimal ist nicht erlaubt", sagt Hitzler. Er ist wie die anderen Prüfer des Verbands ein versierter Kenner, der mehr als fünf Jahre in führender Position in der Hotellerie gearbeitet hat. Schnell verwickelt er die Rezeptionistin in ein Gespräch über Preise und Sonderangebote, die das Haus auf seiner Internetseite anpreist. Denn da hat sich der Tester vorab informiert. "Wer sich nicht gleich auskennt, der hat schon Minuspunkte", verrät er.

Für Muffelecken gibt es kein Pardon

Die nächsten Fragen aus dem dicken Katalog, die der Prüfer abarbeitet, drehen sich um die Freundlichkeit beim Empfang. In einigen Fällen ist die Reservierung gar nicht aufgenommen worden. "Dann sollte der Chef des Hauses die Neuankömmlinge begrüßen, das ist Pflicht", bemerkt Verbandsvorsitzender Lutz Hertel, der oft enttäuscht wird. "Die wissen doch, dass sie in den nächsten Monaten getestet werden und wollen ein Zertifikat", beklagt der Diplompsychologe, "aber sie machen selbst dann noch eklatante Fehler." Im Saunabereich fehlen Kacheln. In den Ecken unten in der Dusche wächst Grünspan. "Für Muffelecken gibt es kein Pardon", stellt Robert Hitzler klar, der fleißig alles protokolliert und sogar heimlich Fotos schießt. Das Solarium findet er kaum verhüllt hinter einer Gardine, die keine Privatsphäre zulässt. "Wer will sich da schon nackt hinlegen, eine Zumutung", schimpft er. Manchmal finde er "Sperrmüllambiente" oder kann nur die Empfehlung "für Tapfere" aussprechen, wenn sie sich da entspannen wollen.


Wellness als ganzheitliche Dienstleistung

Wichtig ist, wie die Rezeption auf Sonderwünsche eingeht. Hitzler fragt vom Zimmer aus per Telefon nach einem Bademantel. Kommt dann die Antwort "Den können Sie sich hier unten an der Rezeption abholen, kostet drei Euro", so ist der bis dahin vielleicht gute Eindruck beim Prüfer dahin. "Bademäntel gehören aufs Zimmer, und die Nutzung muss im Preis drin sein", lautet Hitzlers Forderung schlicht. Wellness muss in der Anlage nach den Anforderungen des Deutschen Wellnessverbands als ganzheitliche Dienstleistung angeboten werden. Wellness darf also nicht auf Einzelanwendungen beschränkt sein. "Das Kellerschwimmbad mit Heimtrainer wollen wir nicht", stellt Hertel klar. Es müssen Bade- und Saunalandschaften sein, die ihrem Namen gerecht werden. Es muss Beauty- und Massageräume geben sowie Sport- und Erholungsbereiche. Wichtig sind aber auch eine naturnahe Lage des Hotels sowie eine ökologisch vorbildliche Betriebsführung, heißt es im Testkatalog. Eine Wellness-Vitalküche mit vegetarischen Gerichten, die auch schmecken müssen, ist Minimalforderung.


Geschultes Personal ist Pflicht

Aber Hitzler und seine Kollegen achten auch auf Kleinigkeiten: Sind die Namensschilder des Personals gut lesbar? Liegt im Solarium eine UV-Schutzbrille? Gibt es einen Stellplatz für Fahrräder? Wird auf Behinderte eingegangen? Wie sind die Mitarbeiter geschult? "Wir lassen uns auch die Ausbildungsnachweise der Mitarbeiterinnen zeigen", meint Hertel. Oft werde einfach drauflos massiert. Die Masseurin muss jedoch vorher den Gast nach Krankheiten und akuten Schmerzen fragen, sonst wird der Kunde sich kaum wohlfühlen. "Wir sind für den Gast da, und er soll wissen, ob er ein gutes Wellnesshotel vor sich hat", sagt Hertel. "Hygienemängel treffen wir leider noch viel zu häufig an."

Jedes fünfte getestete Hotel erhält kein Siegel

Nicht alle, die das Gütesiegel möchten, bekommen es. "Gerade sind wieder zwei von drei Hotels beim Test durchgefallen", wundert sich Hertel. Durchschnittlich gehen 20 Prozent leer aus, rechnet er aus. Jedes fünfte getestete Hotel erhält also nicht das begehrte Siegel. "Wer nicht besteht, hat wenigstens ein gutes Handbuch für Verbesserungen", tröstet Hertel die Kunden. Sie erhalten die umfangreiche Dokumentation des Prüfers. Ist die Untersuchung dagegen positiv verlaufen, dann wird das Haus mit "gut", "sehr gut" oder "exzellent" ausgezeichnet und darf das Siegel 24 Monate lang führen. Bislang sind diese Plaketten in Deutschland und den Nachbarländern an rund 100 Häusern zu sehen. Da kann der Gast sicher sein, kein Haar hinterm Spiegel zu finden.

Weitere Informationen
Deutscher Wellness Verband e. V., Neusser Str. 35, 40219 Düsseldorf, Tel. 0211/168-20 90, Fax 168-2095, E-Mail: info@wellnessverband.de, Internet: www.wellnessverband.de

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