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Baden in der größten Wanne der Welt

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Totes Meer  

Baden in der größten Wanne der Welt

04.02.2009, 09:03 Uhr | srt

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Schlammpackung am Toten Meer in Jordanien (Foto: raab/srt)

Das Tote Meer ist ein riesiger Salzsee. Und auch auf der jordanischen Seite des biblischen Salzsees werden die heilende Wirkung und der ungewöhnlich starke Auftrieb für Gesundheitsferien genutzt. Rund 30 Prozent Salzgehalt geben den nötigen Auftrieb, um in der größten Badewanne der Welt in aller Seelenruhe eine Zeitung schmökern zu können. Sehen Sie sich die größte Badewanne der Welt auch in unserer Foto-Serie an.

Wertvoller schwarzer Schlamm

Die Morgensonne lugt zögerlich hinter den Ausläufern des Bergs Nebo hervor. Awyn Ibrahim streift sein weißes Polohemd und seine roten Shorts ab. Aus einem kleinen Verschlag holt der hoch aufgeschossene junge Mann sechs Eimer und eine Styroporplatte von der Dicke einer Matratze hervor. Vorsichtig platziert er das Ganze auf der Wasseroberfläche. Dann steigt er langsam rückwärts ins Wasser, legt sich mit dem Oberkörper auf den Schaumstoff und bewegt sich mit geschicktem Beinschlag vorwärts. An einer seichten Stelle in der Bucht von Sweimeh im Westen Jordaniens steigt er vorsichtig in das knietiefe Wasser, beugt sich mit dem Eimer vor, um den wertvollen schwarzen Schlamm vom Grund des Toten Meeres hoch zu holen. Eine Prozedur, die Awyn oft zwei- bis dreimal am Tag wiederholt. Zurück am Strand füllt er die wabbelige Masse in bereit gestellte Tongefäße. Wohl wissend, dass sich schon bald zahlende Badegäste mit dem mineralstoffhaltigen Sediment einreiben werden.

Magnesium gegen Stress

"Das ist gut für die Haut", beteuert der sympathische Schlacks in holprigem Englisch und bietet gleich an, den Rücken mit dem Schlamm einzuschmieren. Während Awyn die Masse gleichmäßig zwischen Schulter und Gürtellinie aufträgt, gibt er etwas mehr Einblick in die heilende Wirkung des tiefschwarzen Breis: "Das Magnesium baut Stress ab, das Kalium bringt den Feuchtigkeitshaushalt ins Gleichgewicht, das Kalzium verhindert Wassereinlagerungen und das Bromid hilft, verspannte Muskeln zu entkrampfen", listet der 28-Jährige die Vorzüge der natürlichen Schlammpackung auf.

Schwarzer Brei ist Wundertüte für die Haut

In der Tat entpuppt sich die Wärme speichernde Pampe als eine kleine Wundertüte für die Haut. Ein natürliches Zaubermittel, das erst in Kombination mit dem Wasser, der Sonne und der Luft hier am dünn besiedelten Ostufer des Toten Meeres seine volle Wirkung entfaltet. Rund 35 Mineralien versprechen Linderung bei Arthritis, Rheuma und Atemwegserkrankungen, aber auch bei Kreislaufproblemen, Bluthochdruck und Hautkrankheiten. Komplettiert werden die speziellen Bedingungen am Toten Meer, das bei 400 Metern unter Normalnull zu den tiefstgelegenen Orten der Welt gehört, durch einen deutlich höheren Luftdruck und einen gut fünf bis acht Prozent größeren Sauerstoffgehalt.

Auf dem Wasser schweben

"Damit der Schlamm die volle Wirkung entfalten kann, sollten Sie ihn mindestens 20 Minuten einwirken lassen", empfiehlt Awyn. Erst danach soll man das entspannende Bad im Toten Meer genießen. Dabei löst sich dann das Gros des Schlamms von der Haut und sorgt für ein angenehmes Kribbeln. "Aber passen Sie bloß auf, dass Sie das Wasser nicht ins Auge bekommen. Das brennt fürchterlich", gibt die Mischung aus Masseur und Bademeister den zweibeinigen Schlammpackungen noch einen wichtigen Tipp vor dem Gang in das wohlig warme Wasser. Durch den rund 30-prozentigen Salzanteil erhält der Körper ungeahnten Auftrieb. So sehr, dass er auf dem Wasser zu schweben scheint. Während das Schwimmen in Bauchlage extrem anstrengend ist, kann man sich ohne Anstrengung in der Rückenlage treiben lassen und sogar ein Buch oder die Zeitung lesen.

Die größte Badewanne der Welt

"Das Tote Meer ist die größte Badewanne der Welt. Nur leider auch vom Aussterben bedroht", fürchtet Awyn gleichermaßen um die Umwelt und um seinen Job. Denn der Meeresspiegel sinkt seit Jahren dramatisch. In den letzten drei Jahrzehnten ist die Oberfläche des Sees um rund ein Drittel geschrumpft. Jährlich senkt sich der Wasserspiegel um rund einen Meter. Das Tote Meer wird, so erläutert Awyn, durch den Jordan und eine Reihe von kleineren Zuflüssen gespeist, verfügt aber über keinerlei Abflüsse. Durch das trockene Wüstenklima verdunstet das Wasser extrem stark. Schlimmer jedoch wirkt sich aus, dass Jordanier, Israelis und Palästinenser mehr und mehr Wasser aus dem Jordan entnehmen, bevor es ins Tote Meer gelangen kann.

Naturschlamm droht Trockenlegung

Um diesen Prozess aufzuhalten, haben alle drei Regierungen mit Unterstützung der Weltbank Pläne entwickelt, mit deren Hilfe die Zukunft des Naturphänomens gesichert werden soll. Für fünf Milliarden US-Dollar soll binnen sechs Jahren ein sogenannter Zweimeereskanal vom Toten Meer zum rund 250 Kilometer südlich gelegenen Roten Meer gebaut werden. Mit dem ehrgeizigen Bauvorhaben will man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der Wasserspiegel im Toten Meer soll nicht weiter absinken und das Gefälle zur Energiegewinnung genutzt werden. Gleichwohl ist das Vorhaben nicht unumstritten. Umweltschützer befürchten, dass die Korallenriffe im Golf von Aqaba, wo das Wasser angesaugt werden soll, gefährdet seien. Zudem könnte die Vermischung des Wassers zu einer großflächigen Gipsbildung im Toten Meer führen. Andererseits scheinen die Alternativen rar."So oder so wird das Tote Meer in fünf bis zehn Jahren nicht mehr so sein wie heute", weiß Awyn noch nicht so recht, was er von den Plänen halten soll. Nun aber ruft wieder die Pflicht. Mit einem freundlichen Lächeln dreht er sich rum, greift zur Styroporplatte und schwimmt hinaus aufs Tote Meer, um neuen Schlamm zu holen.

Weitere Informationen

Fremdenverkehrsamt Jordanien: c/o Kleber PR Network GmbH, Hamburger Allee 45, 60486 Frankfurt, Tel. 069/71913662, E-Mail: germany@visitjordan.com, Internet: www.visitjordan.com.

Flug: Royal Jordanian (www.rj.com) bietet Flüge von München und Frankfurt nach Amman an, Lufthansa ab Frankfurt. Preis für Hin- und Rückflug: um 380 Euro. Die Flugzeit beträgt viereinhalb Stunden.

Lage: Das Tote Meer liegt 70 Kilometer südwestlich des Flughafens von Amman. Es ist ein rund 600 Quadratkilometer großer Salzsee von 67 Kilometer Länge und bis zu 18 Kilometer Breite. Der Salzgehalt ist etwa zehnmal so hoch wie im Mittelmeer. Der Legende nach ist das Tote Meer das Gebiet, in dem die fünf biblischen Städte, Sodom, Gomorrha, Adma, Zebojim und Zoar (Bela).

Einreise: Es wird ein mindestens noch sechs Monate gültiger Reisepass sowie ein Visum benötigt. Es kann direkt bei der Einreise am Flughafen ausgestellt werden und kostet 11 Euro.

Klima: meist sonnige, wolkenlose Tagen und kühlere Nächte bei durchschnittlich 23 Grad Celsius, wobei es von Juni bis August extrem heiß werden kann.

Zeitunterschied: plus eine Stunde.

Währung: 1 Euro entspricht etwa 0,90 Jordanischen Dinar (JD), ein Dinar etwa 1,1 Euro.

Trinkgeld: An vielen Stellen wird Trinkgeld erwartet. Ausgaben von 10 JD pro Tag und Person sollten eingeplant werden. Ein Fahrer erhält üblicherweise ein bis zwei Dinar, ein Guide drei Dinar, Kellner, Gepäckträger und Zimmermädchen zwischen 0,5 und einem Dinar.
Kleidung: Schulter- oder rückenfreie Kleidung, kurze Röcke oder Shorts verstoßen gegen die einheimischen Sitten und werden entsprechend ungern gesehen.

Tipp: Nur dort schwimmen gehen, wo auch Duschen am Strand vorhanden sind. Außerhalb der Hotels, die ihre Strände gegen einen kleinen Obolus öffnen, gibt es ein öffentliches Strandbad, den Amman Beach Resort, rund zwei Kilometer südlich von Sweimeh. Der Eintritt kostet 12 JD (ca. 13 Euro).

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