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Girls in Games

19.10.2007, 17:03 Uhr | RETRO-Magazin / tz, t-online.de

Gauntlet (Bild: RETRO Mag)Gauntlet (Bild: RETRO Mag)Nachdem man in der Videospielbranche lange Zeit Jungs im Alter von acht bis 16 Jahren vor Augen hatte, hat der Erfolg Nintendos mit seinem Nintendo DS Begehrlichkeiten auch bei anderen Herstellern geweckt. Ein Weg die Zahl der potentiellen Kunden zu verdoppeln, ist Spiele für Mädchen zu entwickeln. Ubisoft will Ende des Jahres mit Imagine eine Spielreihe starten, die sich speziell an weibliche Spieler richtet. Reine "Mädchenspiele" zu entwerfen ist eine Reaktion auf die Rolle von Frauen in Videospielen. Aber wie entstand diese und warum sind weibliche Charaktere in Videospielen so wie sie heute sind?

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"Sie ist besser als ich"

Donkey Kong (Bild: RETRO Mag)Donkey Kong (Bild: RETRO Mag)Schon der Werbespot von Defender aus dem Jahr 1982 spielt lustvoll mit der Rolle von Mann und Frau. Er zeigt ein junges Paar auf der Couch. Während er die Welt von Aliens befreit, schaut sie ihm begeistert zu. Die Haltung, in der sie hinter seinem Rücken fast verschwindet und ihn anfeuert, legt die Vermutung nahe, dass sie ihn für sein Spiel förmlich bewundert. Nur wer genau hinsieht bemerkt, dass sie auch einen Joystick in der Hand hält. In der nächsten Szene ist sie es nun, die spielt. Ebenso begeistert wie ihr Freund der nun wiederum sie anfeuert. Der Spot endet mit dem entgeisterten Gesicht des jungen Mannes und seinen Worten „Sie ist besser als ich“.

Ein neues Zeitalter bricht an

Pac Man (Bild: RETRO Mag)Pac Man (Bild: RETRO Mag)Dann kam Pac Man und alles wurde anders. Vor Pac Man steuerten Spieler Raumschiffe und abstrakte Figuren durch die digitale Neuzeit, doch damit war nun Schluss. Pac Man war ein Charakter, kein Mensch, sondern eine runde gelbe Kugel. Und er war ein Mann, wie der Name schon sagt. Mit Pac Man zog die Geschlechtertrennung in das Videospieluniversum ein - und zwar nachhaltig. Der nächste Videospielcharakter sollte schon im folgenden Jahr mit Mario in Donkey Kong folgen. Und hier gab es dann auch die erste Frau, Marios Freundin, die von Donkey Kong entführt wird und mit der dieser Bild für Bild immer wieder entschwindet. Diese Rolle sollte lange Zeit für Videospiele prägend werden. Der weibliche Charakter wird zum reinen Objekt, einer Belohnung des männlichen Spielers. Pac Mans Fortsetzung, die schon im Jahr 1981 an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen wollte, erlaubte es dem Spieler, zum ersten Mal einen weiblichen Charakter zu lenken. Ironischerweise hieß dieser nicht "Pac-Woman", sondern "Ms. PacMan" und war die Ehefrau des gelben Fressballs. Doch auch Ms. Pac-Man ist mehr ein Objekt männlicher Fantasien, als der Versuch, einen weiblichen Charakter zu erschaffen. Ein Blick auf das Automaten-Artwork zeigt eine Ms. PacMan, die sich lasziv auf den Buchstaben des Spieleschriftzugs räkelt.

Endlich emanzipiert

Yie Ar Kung Fu (Bild: RETRO Mag)Yie Ar Kung Fu (Bild: RETRO Mag)Der 1985 veröffentlichte Automat Yie Ar Kung Fu gilt als eines der ersten Beat 'em Ups. Hier kämpft sich der Held nacheinander durch einen Reigen feindlicher Kung-Fu-Kämpfer. Die Kämpfer sind fantasievolle Gegner und gleich der zweite, "Star", ist eine Frau. Star verdankt ihren Namen dem großzügigen Verteilen von Wurfsternen, mit denen sie den Gegner auf Distanz halten kann. Dieser Vorteil macht sie zu einer schwierigen Gegnerin. Doch Star unterschied sich körperlich nicht von ihren männlichen Kollegen, sie war genauso stark und schnell wie sie. Erst Gauntlet aus dem gleichen Jahr versuchte sich an einem spielbaren weiblichen Charakter. Das Spiel bot dem Spieler die Wahl zwischen vier Charakteren, dem Barbaren, dem Zauberer, dem Elfen und der Walküre. Jeder der vier Charaktere hat die vier Eigenschaften Körperkraft, Geschwindigkeit, Waffenreichweite und Magie in unterschiedlicher Kombination. Die drei männlichen Charaktere hatten alle bestimmte Stärken. Einzig die Walküre war ein Charakter mit ausgeglichenen Werten, sie glänzte in keiner Disziplin besonders, war aber auch in keiner besonders schwach. Durch diesen Trick machte Atari das Spielen mit dem weiblichen Charakter attraktiver und erschuf gleichzeitig eine neue Form der weiblichen Figur, die vor allem in Beat 'em Ups ihre Perfektion finden sollte: Den schnellen aber schwachen weiblichen Charakter.

Schlagkräftige Damen

No One Lives Forever (Bild: RETRO Mag)No One Lives Forever (Bild: RETRO Mag)Lara Croft gelang schließlich, was noch keinem weiblichen Charakter in einem Videospiel gelungen war. Sie begeisterte Spieler wie Nichtspieler, Jungen wie Mädchen und Männer wie Frauen gleichermaßen. Wo sich mit Pitfall Harry 1982 ein männlicher Abenteurer ohne einen einzigen Charakterzug auf den Weg gemacht hatte, um Schätze aufzusammeln, kam 14 Jahre später eine junge Frau an, die witzig und mit einer ihr eigenen Ironie das Verhältnis von Männern und Frauen in Spielen umdrehte. Einen ähnlichen Weg geht die James-Bond-Persiflage No One Lives Forever vom Entwickler Monolith. In ihr wird die hübsche, wie auch gefährliche Cate Archer in den 60er Jahren vom britischen Geheimdienst ausgeschickt, um H.A.R.M. zu besiegen, eine Geheimorganisation, die nach der Weltherrschaft strebt. Witzigerweise wird Cates Karriere beim Geheimdienst immer wieder von engstirnigen Männern behindert, die der Meinung sind, das eine Frau schwächer ist als ein Mann.

Nichts verstanden

Damit scheint Cate Archer die Situation von Frauen in Videospielen zu verkörpern. Auch heute noch, über 10 Jahre nach Tomb Raider versuchen Firmen wie Ubisoft das Spiel für Mädchen zu erfinden. Und immer noch über 10 Jahre nach Tomb Raider verstehen sie nicht, dass Mädchen vielleicht keine eigenen Spiele haben wollen, sondern lieber Charaktere mit denen sie sich identifizieren können.

RETRO-Magazin (Bild: CSW-Verlag) Artikel-Ausschnitt aus "RETRO - Das Magazin für digitale Spielekultur"

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