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Die rechten Verführer

19.10.2007, 17:14 Uhr | Medienagentur plassma / jr, t-online.de

Sie heißen KZ-Rattenjagd, Ghetto Blaster und Nazi Doom. Im Handel gibt es sie nicht, nicht einmal unter der Ladentheke werden sie verkauft. Doch über das Internet findet man diese Computerspiele in Sekundenschnelle. Massenhaft bieten deutsche Neonazis über ausländische Server rechtsradikales Gedankengut in Spieleform an. Am Bildschirm übt sich die braune Szene in Völkermord und Rassenhass, macht virtuell Jagd auf Ausländer und verwaltet Konzentrationslager. 60 Jahre nach Ende des Hitler-Regimes lebt der Nationalsozialismus zumindest am Rechner weiter. Rechtsextreme Computerspiele sind zwar eine Randerscheinung, aber eine gefährliche.


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Spiele-Klassiker in brauner Verpackung
Schon zu Commodore 64-Zeiten entdeckten Hobby-Programmierer aus dem rechten Spektrum, wie gut sich das neue Medium Videospiel für Propagandazwecke in Bezug auf Jugendliche missbrauchen lässt. Kaum standen die ersten "Brotkästen" in deutschen Wohnzimmern, lieferten Neonazis für ihresgleichen das passende Spiele-Sortiment. 5,25-Zoll-Disketten mit Hitler-Diktator und Anti-Türken-Test kursierten fortan in einschlägigen Kreisen. Am Grundprinzip der Software hat sich seitdem so gut wie nichts geändert. Der Aufbau der meisten Nazi-Games ist denkbar einfach: Bei einem bekannten Spiele-Klassiker werden Ingame-Grafiken durch NS-Symbole ersetzt. Bereits diese Veränderungen sind illegal, schließlich verstoßen so genannte Cracks gegen das Urheberrecht - von den eigentlichen Inhalten ganz zu schweigen. Und die triefen nur so vor Rassenhass und Menschenverachtung. Häufig werden in rechtsextremen Games Minderheiten stigmatisiert, verfolgt, gefoltert und getötet. Am Ende hat in der Regel derjenige gewonnen, der die meisten "Abschüsse" auf seiner Liste hat.

Seitenwechsel
Beim indizierten Ego-Shooter Doom haben Hobbyentwickler aus der Neo-Nazi-Szene beispielsweise einfach die Gegner-Texturen ausgetauscht. Während der Spieler im Original-Game gegen Höllenmonster gekämpft, gibt es in Nazi Doom Punkte für den Mord an Juden und Farbigen. Das verbotene Wolfenstein 3D, ein Spiel, in dem sich ein US-Soldat aus einer mysteriösen Ordensburg der Nationalsozialisten freikämpfen muss, haben die Rechten einfach komplett umgekrempelt. In Nazi Wolfenstein 3D wechselt der Spieler die Fronten und ballert fortan auf die "bösen" Amerikaner - viel Blut inklusive. Auch der Nachfolger Return to Castle Wolfenstein steht in der Szene hoch im Kurs. Schließlich kann der Spieler hier im Mehrspieler-Modus auch in die Rolle eines Wehrmachtssoldaten schlüpfen und das Kriegsgeschick so zumindest am heimischen Computer zu Gunsten des Dritten Reichs umkehren.

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Von wegen harmlos
Diese Mischung aus Gewalt und Ideologie kommt im rechtsextremen Milieu generell gut an. Doch selbst harmlose Spielchen bauen die Neonazis analog zu ihrem Weltbild um. Den Klassiker Pac-Man verwandelten sie in SA-Mann, aus dem Kult-Titel Break Out wurde Die Säuberung. Als die Moorhuhn-Welle ihren Höhepunkt erreichte, missbrauchten die Rechtsextremen die Beliebtheit des Federviehs für ihre eigenen Zwecke. Sie setzten den Moorhühnern die jüdische Kopfbedeckung Kippa auf und änderten die Beschriftung der Wegweiser. Die zeigten nun nicht mehr den Weg zum "Johnny Walker Konsulat", sondern den ins Konzentrationslager Auschwitz.

Top-Platzierung bei Suchanfrgen
Pikantes Detail: Wer Anfang 2000 nach dem echten Moorhuhn suchte, fand in einigen Suchmaschinen die antisemitische Variante - teilweise sogar weit vorne in der Trefferliste. Schuld war das interne Bewertungssystem zum Beispiel von Google: Dadurch, dass viele Neonazi-Sites seinerzeit das rechte Ballerspiel verlinkten, schien die rechte Downloadquelle für die Suchagenten als verlässlich. Erst auf Hinwirken des Moorhuhn-Publishers Phenomedia verschwand die rechtsextreme Version des Pausenfüllers aus den Trefferlisten. "Es wirkt wie ein Hammer, wenn ausgerechnet das beliebteste Computerspiel des deutschsprachigen Raums verfälscht und vor den Karren des Rechtsextremismus gespannt wird", klagte Hersteller Phenomedia in einer eigens herausgegebenen Presseerklärung.

>> Weiter zu Teil 2 von "Rechtsextremismus in Spielen"

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