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"Hier habt ihr sehr viel Geld, nun macht es richtig!"

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Spiele "Made in Germany"  

"Hier habt ihr sehr viel Geld, nun macht es richtig!"

19.10.2007, 17:15 Uhr | Medienagentur plassma / as, t-online.de

Far Cry (Bild: Ubisoft)Far Cry (Bild: Ubisoft) Nintendos Mario wurde in Japan geboren, Lara Croft besitzt einen britischen Pass, und Helden mit dicken Knarren sind zumeist US-Amerikaner. Wenige bekannte PC- und Videospiele samt deren Helden stammen dagegen aus deutscher Produktion. Im Jahr 2005 konnte sich nur der "Fußball Manager 06" in den Top 20 der PC-Verkaufscharts platzieren. Haben die deutschen Entwickler den Anschluss an den internationalen Spiele-Markt verpasst?

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Nur Fußball-Manager ein Verkaufsschlager

Gothic 3 (Bild: Piranha Bytes)Gothic 3 (Bild: Piranha Bytes) Welche Spiele im Jahr 2005 in Deutschland am häufigsten verkauft wurden, das weiß das Marktforschungsinstitut Media Control. Zu den Spitzenreitern zählen demnach "FIFA 06", "GTA San Andreas" und "World of Warcraft", die allesamt im Ausland programmiert wurden - wie auch alle übrigen Top-Ten-Titel der deutschen Verkaufscharts. Einzig der "Fußball Manager 06" wurde von einem deutschen Team programmiert, er rangiert auf Platz 11 der PC-Charts. Das Spiel entstand in den deutschen Studios von Electronic Arts, dem weltweit umsatzstärksten Anbieter digitaler Spiele. Rund 20 Mitarbeiter und, laut einem Sprecher von Electronic Arts, "einige Tester" waren an der Produktion beteiligt. Ihre Bemühungen zahlten sich aus: 150.000 mal verkaufte sich das Management-Spiel in Deutschland, etwa die gleiche Menge wurde im Ausland abgesetzt. Bei den Videospiel-Titeln findet sich kein Spiel in den Top 20 der Verkaufs-Charts, das von einem einheimischen Studio entwickelt wurde.

Siedeln und Handeln

Meine Tierpension (Bild: dtp)Meine Tierpension (Bild: dtp) 250.000 bis 300.000 verkaufte Einheiten. Das ist viel für ein deutsches Produkt. Internationale Top-Titel wie "Die Sims 2" oder "Age of Empires 3" werden dagegen millionenfach abgesetzt. Entsprechend auch der Bekanntheitsgrad deutscher Spiele im Ausland: Amerikanischen Spielern sind nur wenige Titel "Made in Germany" bekannt. Die fünfteilige Strategie-Serie "Die Siedler" des Mülheimer Entwicklers Blue Byte und die Titel der "Anno"-Serie ("Anno 1503", "Anno 1602") von Sunflowers aus Südhessen repräsentieren in Übersee typisch deutsche Produkte. Hier muss man Häuser bauen, Waren produzieren und Soldaten für unblutige Schlachten rekrutieren. Das für Ende 2006 anvisierte "Anno 1701" schlägt in die gleiche Kerbe und versetzt den Spieler in eine neuzeitliche Inselwelt, in der er mit Waren Handel treibt, Siedlungen errichtet und Armeen aufbaut. Solche Spiele werden fast ausschließlich in der Heimat zu Bestsellern.

Achtungserfolge "Far Cry" und "Sacred"

Immerhin überraschte im Jahre 2003 "Far Cry" das internationale Publikum: Der Action-Titel entstand im fränkischen Coburg, etwa 50 Mitarbeiter des Entwicklers Crytek programmierten einen Ego-Shooter, dessen PC- und Xbox-Version weltweit hunderttausendfach verkauft wurde. Ein Jahr später gelang einem weiteren deutschen Titel ein Achtungserfolg: Das Action-Rollenspiel "Sacred" begeisterte "Diablo"-Fans zwischen Los Angeles und Moskau.

Entwicklungs- versus Entwicklerland

2004 waren immerhin einige deutsche Produktionen in den hiesigen PC-Verkaufscharts vertreten: "Sacred" und der fünfte "Siedler"-Teil "Die Siedler - Das Erbe der Könige" belegten die Plätze vier und fünf, auf Platz sieben folgte der "Fußball Manager 2005" von Electronic Arts. Weshalb gibt es im größten Land der Europäischen Union nicht mehr erfolgreiche Spiele-Bastler? Nur etwa eintausend Programmierer, Level-Designer und Grafiker sind hier zu Lande an der Produktion von Spielen beteiligt. In Frankreich sind es laut dem Branchenverband ELSPA etwa zehnmal mehr, in Großbritannien widmen sich gar einige zehntausend Menschen der Spiele-Entwicklung. Laut Dierk Ohlerich, Gesellschafter und Entwickler des Sportspiel-Studios 49 Games, liegt das an der geringen Risikofreudigkeit deutscher Firmen: "Die Produktions-Budgets hier zu Lande sind relativ niedrig, damit sind meistens nur Casual Games (Gelegenheitsspiele) möglich." Ohlerich ist schon lange im Geschäft, sein Hamburger Unternehmen pflegt mehrere Skisport-Serien. "Unser 'RTL Skispringen' gehört zu den erfolgreichsten Titeln, die hier zu Lande produziert werden. Außerdem schaffen wir neben der PC-Version eine Version für die Playstation 2. Das wagt sonst kaum jemand in Deutschland." Daran ist unter anderem die PC-Fixiertheit des deutschen Spiele-Publikums schuld: Wenn sich deutsche Spiele hauptsächlich im Inland verkaufen, stellt die Produktion eines Konsolenspiels ein größeres Risiko dar als die eines PC-Spiels.

Mobil in die Zukunft

Dennoch wird in Deutschland nicht nur für Arbeitsmaschinen mit Windows-Betriebssystem produziert. In diesem Jahr startet gar die erste Xbox-360-Produktion, und dank der relativ niedrigen Budgets von Mobilspiel-Projekten wird die Zahl der in Deutschland entwickelten Handy-Titel deutlich zunehmen. In der Regel kostet ein Handyspiel einen fünfstelligen Euro-Betrag, solche Investitionen sind selbst für kleine Unternehmen wenig riskant. Die deutsche Firma Handygames.com GmbH im unterfränkischen Giebelstadt beschäftigt etwa 50 Mitarbeiter und ist mit Titeln wie "Townsmen" erfolgreich. Geschäftsführer Christopher Kassulke zu den Plänen des Unternehmens: "Wir wollen unseren Mitarbeiterstamm ausbauen und auch im Ausland investieren." Auch der norddeutsche Entwickler Elkware ist gut im Geschäft: Seit über zehn Jahren entwickelt die Firma Spiele für Mobiltelefone und tritt dank amerikanischer Beteiligung erfolgreich in den USA auf. In diesem Jahr werden in deutschen Studios gar Titel für Nintendos DS und Sonys PSP produziert. Der Hamburger Adventure- und Kindersoftware-Spezialist dtp bastelt etwa an einer DS-Umsetzung des PC-Hits "Meine Tierpension", in dem der Spieler Meerschweinchen und Katzen pflegt und füttert. Der Karlsruher Hersteller CDV wird "Panzer Tactics" für den DS auf den Markt bringen. Gleichzeitig begannen die Arbeiten an einem DS-Titel in den Studios von Zeal (www.zeal-hq.com), einem jungen Unternehmen im südhessischen Darmstadt. Und das kleine Berliner Unternehmen Rotobee, Schöpfer der PC-Flirt-Simulation "Singles 2: Wilde Zeiten", überraschte mit der Ankündigung, einen Titel für Sonys tragbare Playstation zu entwickeln.

Kinder und Dreimaster

Somit erweist sich insbesondere der Mobilspielmarkt für deutsche Entwickler als zukunftsträchtiges Terrain. Noch erfolgreicher ist nur der Teilmarkt der Kindersoftware. Spiele wie "Meine Tierpension" werden überwiegend in Studios zwischen Lörrach und Flensburg produziert. Die Hersteller dtp, Kiddinx, Tivola, Ubisoft und Terzio teilen sich den Großteil des überschaubaren Marktes, der etwa ein Siebtel des gesamten Spiele-Software-Marktes umfasst: 156,40 Millionen Euro von rund 1,133 Milliarden Euro gesamt im Jahre 2003 (Quelle: GfK). Trotz der inländischen Risiko-Scheu trauen sich einige Entwickler, ein- bis zweistellige Millionenbeträge für aussichtsreiche Großprojekte locker zu machen. So werden im Jahre 2006 mit dem Fantasy-Strategie-Titel "Spellforce 2", dem Rollenspiel "Gothic 3" und dem sehnsüchtig erwarteten "Anno 1701" drei potenzielle Spitzentitel in die Läden kommen. Der dritte "Anno"-Teil erscheint im kommenden Herbst und gilt als sicherer Top-Ten-Kandidat. "Anno 1602", der erste Teil der Serie, hat sich seit dem Erscheinungsjahr 1998 millionenfach verkauft - allein in Deutschland. Am dritten Teil der Handels-Simulation werkeln etwa einhundert Leute, was sonst nur bei internationalen Großprojekten wie "The Legend of Zelda" geschieht. Entwicklungsleiter Erik Simon ist stolz auf sein innerhalb Deutschlands beispielloses Projekt. Auf die Frage, warum es so wenige Top-Titel aus deutscher Produktion gebe, antwortet er: "Um einen Spitzentitel zu machen, muss am Anfang ein Geldgeber mit einem Entwickler am Tisch sitzen und folgenden Satz sagen: 'Hier habt ihr sehr viel Geld, nun macht es richtig!' In Deutschland hapert es oft am ersten Teil des Satzes, aber ebenso oft am zweiten Teil. Manchmal wird mit zu wenig Zeit und Geld das Unmögliche versucht. Oft kommt es vor, dass ein Spiele-Entwickler seine Fähigkeiten überschätzt."

Erfahrung tut Not

Die Erfolge von Sunflowers, dem "Gothic"-Entwickler Piranha Bytes und 49 Games zeigen, dass ein langer Atem hilft, Investitionsgelder zu bekommen. Hat eine deutsche Produktion Erfolg, sind Vertriebs- und Produktionspartner eher geneigt, Geld in Fortsetzungen zu stecken. "Man muss als Entwickler beweisen, dass man bereits erfolgreiche Titel gemacht hat. Das können die wenigsten deutschen Teams vorweisen. Ein Teufelskreis", sagt Simon. Zudem fehle es an Fachkräften, weil viele begabte Leute nach Amerika oder in andere EU-Staaten gehen, wo es leichter sei, an interessanten Projekten mitzuwirken. In Ländern wie Frankreich gibt es gar eine staatliche Förderung von Spiele-Projekten. Davon ist Deutschland weit entfernt. Noch.

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