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Teil 2: Gaming for Columbine

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Skandal-Spiel  

Teil 2: Gaming for Columbine

19.10.2007, 17:16 Uhr | Spiegel Online / jr / kro, t-online.de

Super Columbine Massacre RPG (Bild: Danny L.)Super Columbine Massacre RPG (Bild: Danny L.)Tatsächlich durchgespielt hat L.'s Spiel Richard Castaldo, der seit dem Massaker von der Brust abwärts gelähmt ist. Castaldo fand keinen Grund, L. zu beschimpfen. Dem Weblog "Kotaku" sagte er, das Spiel habe ihn an Gus van Sandts Columbine-Film "Elephant" erinnert. Es habe ihn nicht wütend gemacht, "nur verwirrt". "Teilweise war es schwer, es durchzuspielen, aber insgesamt habe ich das Gefühl, dass es sogar hilfreich sein könnte. Ich glaube nicht, dass Diskussionen schlecht sind." Eine Diskussion hat das Spiel nun in der Tat ausgelöst - aber nicht über die Motivation der Täter, sondern über die Frage, ob ein Videospiel sich mit dieser Motivation überhaupt befassen darf.

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Satire oder zynische Verachtung?

In L.'s Version sind die Mörder und ihre Opfer kleine Pixelhäufchen, die an Spiele der 16-Bit-Ära erinnern. Eingeflochten sind digitalisierte Bilder der Täter, der Tatorte und der Angehörigen der Opfer. In Rückblenden wird Bezug auf die Vorgeschichte der Täter genommen. L. lässt beiläufig die Leichtigkeit aufscheinen, mit der die beiden an Waffen und Bomben kamen, lässt sie verdrehte Teenager-Dialoge führen, in denen sich Nietzsche, adoleszente Verzweiflung und pubertäre Rachegelüste aneinanderreihen. Dann folgt eine akribisch den Polizeiberichten folgende Rekonstruktion der Tat. Die Morde im Spiel sind im Stil eines klassischen Computerrollenspiels gehalten, was auf erfahrene Spieler wie bittere Satire auf die naiv-erbarmungslose Selbstwahrnehmung der Täter, auf Nichtspieler aber wie blanker Zynismus wirken muss. Per Texteinblendung wird mitgeteilt, wer auf wen schießt, wer wie viele Schadenspunkte abbekommt, und was das ermordete Opfer am Ende an Wertvollem zurücklässt ("Der Cheeseburger gehört ganz euch, tapfere Jungs").

Unausweichliches Ende

Super Columbine Massacre RPG (Bild: Danny L.)Super Columbine Massacre RPG (Bild: Danny L.)All das ist oft geschmacklos und erzeugt ein bizarres und höchst beunruhigendes Gefühl. So lange, bis die beiden Pixelamokläufer - nach einer Anzahl von Morden, die dem Spieler überlassen bleibt - in der Schulbibliothek ankommen und sich dann, ohne Zutun des Spielers, selbst töten. Spätestens nun wird klar, was L. mit dem Spiel wollte: Eingeblendet werden zunächst zwei überdeutliche Fotos der beiden Täter, die in ihrem Blut liegen - und dann, minutenlang, Pressebilder von weinenden Überlebenden und verzweifelten Angehörigen, unterlegt mit 16-Bit-Trauermusik.

Beschimpfungen, Hass, Morddrohungen

Columbine-Opfer Castaldo kommentierte diese Passage so: "Ich habe Geschichten gehört, denen zufolge manche Schüler versuchen, aus diesen Killern Volkshelden zu machen, was ich ziemlich ekelhaft finde. Ich glaube, Leute, die so denken, und die dann dieses Spiel spielen und diese Stelle sehen - das würde es für sie real werden lassen." Castaldo übt durchaus auch Kritik an dem Versuch, etwa an der Tatsache, dass die Täter nach dieser Passage in der Hölle weiterspielen, und dort ausgerechnet gegen Soldaten aus "Doom" - die Täter waren Fans des Shooters - antreten. Aber insgesamt, sagt Castaldo, "entglamourisiert das Spiel das, was sie getan haben".

Heftige Diskussion

Ian Bogost, Professor an der Georgia Tech University hält "Super Columbine Massacre RPG" für "mutig und ausgefeilt". Der Spiel-Experte findet, L.'s Mühen hätten "Lob von denen von uns verdient, die sich für Videospiele mit einer Aussage interessieren". Vom Elternaktivisten L. Brent Bozell III trug ihm diese Einschätzung die Bemerkung ein, "warum Georgia Tech diesen Idioten noch nicht gefeuert hat, ist ein beschämendes Rätsel". Bozells Kommentar gibt einen guten Eindruck von dem Niveau, auf dem über das Spiel gestritten wird. Wie ein Teilnehmer des eigens eingerichteten, heftig brodelnden Forums auf der Download- Seite des "Super Columbine Massacre RPG" zu Recht anmerkt: "Ich finde es schrecklich bezeichnend, dass viele von denen, die hier gegen das Spiel Stellung beziehen, sich wünschen, dass sein Schöpfer erschossen wird."

Ohrenbetäubendes Schweigen

L. selbst, der Morddrohungen bekommt, seit ein erboster Kritiker seinen Namen öffentlich machte, sagte "Kotaku": "Die Goldene Palme in Cannes 2002 bekam 'Bowling for Columbine', die 2003 bekam 'Elephant'. Warum darf dann ein Videospiel sich nicht mit der gleichen Materie befassen? Das Schweigen ist ohrenbetäubend."


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