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Streit um den "Hot-Coffee-Mod" beendet

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Folgen des GTA-Skandals  

Streit um den "Hot-Coffee-Mod" beendet

19.10.2007, 17:18 Uhr | Medienagentur plassma / Golem / jr, t-online.de

GTA (Bild: Take 2 Interactive)GTA (Bild: Take 2 Interactive)Amerikanische Spieler dürfen mit Pixel-Bazookas, Raketenwerfern und Schwertern auf die Jagd gehen, bis die Knochen bersten; doch Fluchen dürfen sie nicht. Und schon gleich gar nicht darf die öffentliche Moral in den USA durch sexuelle Offenheit jedweder Art in Spielen gefährdet werden. Das Paradebeispiel dafür ist das von Rockstar Games entwickelte und von Take 2 Interactive für Konsolen und PCs vertriebene Action-Spiel Grand Theft Auto: San Andreas. Das Game sorgte wegen eines versteckten Sex-Mods für großen politischen Rummel. Der Hersteller musste GTA San Andreas aufwändig neu programmieren und die Inhalte entschärfen lassen. Nach einem einjährigen juristischen Hickhack haben sich die US-Aufsichtsbehörde Federal Trade Comission (FTC) und Publisher Take 2 vor kurzem auf ein Abkommen verständigt, um die leidige Affäre abzuschließen. Diese Vereinbarung ist jetzt nach Ablauf der Einspruchsfrist rechtsgültig geworden.

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Wettbewerbshüter in Aktion

Nach dem das Kind bereits in den Keller gefallen war, konzentriert sich die Vereinbarung zwischen der FTC und Take 2 weniger auf finanzielle Sanktionen als vielmehr darauf, ähnliche Vorfälle in der Zukunft auszuschließen. Der Publisher hatte bereits kurz vor der Veröffentlichung des Software-Patches zur Entschärfung bereits verkaufter GTA-San-Andreas-Spiele angekündigt, den Entwicklungsprozess - genauer gesagt das Editing - von Spielen überarbeiten und den Spiele-Code besser gegen künftige Modifikationen absichern zu wollen. Gegenüber der FTC mussten sich Take 2 und Rockstar Games nun unter Strafandrohung dazu verpflichten, dieses Versprechen auch wirklich umzusetzen und die für die Alterseinstufung in den USA zuständige Behörde "Entertainment Software Ratings Board" (ESRB) in Zukunft über alle Spielinhalte zu informieren. Ein Verstoß gegen die korrekte Alterskennzeichnung kann das Unternehmen bis zu 11.000 US-Dollar Geldstrafe kosten. Die Zahlung einer Strafe für die versteckten Sex-Spielchen in GTA: San Andreas bleibt dem Publisher erspart. Take 2 muss allerdings dafür sorgen, dass keine verborgenen Schmuddelinhalte mehr in fertige Produkte gelangen.

Der Staatsanwalt tritt auf den Plan

Doch die wettbewerbsrechtliche Regelung ist nur eine Seite der Medaille. In dem Konflikt um (Schein-)Moral in Spielen droht ein juristisches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft New York hat eine gerichtliche Verfügung gegen Take 2 Interactive Software erwirkt und umfangreiche Firmendokumente zur Untersuchung angefordert. Die Anklagebehörde will herausfinden, inwieweit die Firmenleitung des Publishers in den "Sex-Skandal" um GTA: San Andreas verwickelt war. Einzelne Personen seien bisher aber noch nicht im Fokus der Ermittlungen, teilte Take 2 mit.


Geschlechtsverkehr und Feuersalven

Zur Erinnerung: Nach einer einfachen Modifikation des Programm-Codes durch den so genannten "Hot-Coffee-Mod" werden die Sex-Spielchen freigeschaltet und erlauben es dem Spielcharakter und dessen möglichen Freundinnen, nach einem Date in den privaten Gemächern Trockenübungen auszuführen. Dabei obliegt es dem Spieler, die bekleideten Pixel-Liebenden zum virtuellen Glück zu führen. Im Netz tauchten zwar auch Nackedei-Bilder aus dem Spiel auf, allerdings beruhten diese dann auf Texturen, die anders als die Sex-Spielchen nicht im Spiel-Code vorhanden waren, sondern von Spielern selbst erstellt wurden.

Politiker in Aktion

Das "erregte" in den als prüde bekannten USA mehr Menschen als Dutzende von Toten im selben Spiel. Nachdem sogar die Senatorin und Ex-Präsidenten-Gattin Hillary Clinton lautstark und medienwirksam gegen die Verbreitung des Spiels protestiert hatte, veröffentlichte Take 2 einen Patch (http://nomorehotcoffee.com). Doch das Kind war - vor allem aus wirtschaftlicher Sicht, aber auch in Sachen Renommee - bereits in den Brunnen gefallen. Die Schelte der Politik führte dazu, dass GTA: San Andreas nachträglich die Jugendfreigabe entzogen wurde. In Australien verschwand der Titel ohne Klassifizierung aus dem Handel. Hersteller Take 2 - ein börsennotiertes Unternehmen - musste in dem extrem wichtigen nordamerikanischen Markt drastische Umsatzeinbußen hinnehmen.

Kontrollgremium absichtlich getäuscht?

Die Untersuchung des Falls durch die US-Handelsbehörde Federal Trade Commission (FTC) wurde im Juli 2005 auf Initiative des republikanischen Abgeordneten Fred Upton per Mehrheitsbeschluss vom US-Repräsentantenhaus in Auftrag gegeben. Die FTC sollte herausfinden, ob Take Two und seine Tochter Rockstar Games das "Entertainment Software Ratings Board" absichtlich getäuscht hatten, um ein "Adults-Only"-Rating zu vermeiden. In den USA hatte das Spiel anfangs eine Alterseinstufung von "Mature" (ab 17 Jahren) bekommen. Nach dem von Anwälten, Elternvertretern und Politikern zum Skandal hoch gekochten "Hot-Coffee-Mod" wurde die Einstufung von der ebenfalls abgestraften ESRB jedenfalls umgehend auf "Adults only" (ab 18) angehoben.

Fazit

Für europäische Beobachter erscheint es eigenartig, dass GTA: San Andreas wegen einer kleinen, vom Hersteller nicht implementierten erotischen Szene als Erwachsenenspiel deklariert wurde und nicht wegen der drastischen Gewalt. Immerhin darf der Spieler mit seinem Helden unschuldige Passanten verprügeln oder erschießen. Für den Publisher hat der ziemlich scheinheilig anmutende Skandal jedenfalls höchst unangenehme wirtschaftliche Folgen. Nachdem nun eine Einspruchsfrist verstrichen ist, gilt immerhin die Untersuchung der FTC als endgültig abgeschlossen. Take 2-Chef Paul Eibeler ist mit der getroffenen Regelung zufrieden: "Wir schauen nach vorne und hoffen, die Angelegenheit hinter uns zu lassen:" Take 2 kämpft nach einer Restrukturierung darum, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Einer der Hoffnungsträger ist ausgerechnet Grand Theft Auto IV. Der San-Andreas-Nachfolger soll im Oktober 2007 für Xbox 360 und Playstation 3 erscheinen - diesmal garantiert in einer entsexten Version.

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