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Die Erben des Moorhuhns

19.10.2007, 17:18 Uhr | Spiegel Online / jr / kro, t-online.de

Von Lukas Bay

Solitär kann den Job kosten. Das weiß niemand besser als Edward Greenwood. Täglich verschob der 39-jährige Familienvater "zur Entspannung" Kartenstapel am Bürocomputer. Bis sein Boss, der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, eines Tages das Kartenspiel auf seinem Bildschirm sah - und ihm fristlos kündigte. "Der Arbeitsplatz ist nicht der angemessene Ort für Computerspiele", fand Bloomberg damals. New Yorks Bürgermeister ist mit dieser Meinung nicht alleine. Die meisten Arbeitgeber halten nichts vom privaten Spielvergnügen am Firmen-PC. Ein Viertel aller amerikanischen Unternehmer gaben in einer Umfrage der American Management Association an, im vergangenen Jahr einem oder mehreren Mitarbeitern wegen "privater Computernutzung" gekündigt zu haben. Darunter fallen natürlich nicht nur Spieler, doch ihr Anteil nimmt stetig zu.

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Spielend durch die Arbeitszeit

In einer Studie der Universität Hamburg aus dem Jahr 2004 gaben 54,14 Prozent der Befragten an, schon am Arbeitsplatz Computer gespielt zu haben. "Obwohl die Daten nicht repräsentativ ist, lässt sich daraus klar eine Tendenz zum Spielen während der Arbeit ableiten", sagt Leonard Reinecke, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität und Mitentwickler der Studie. Das Spielangebot am Bürobildschirm wird immer vielfältiger - und immer zeitintensiver. Was mit einfach zu bedienenden Klassikern wie Moorhuhnjagd oder Yetisports begann, ist nun zur komplexen virtuellen Welt geworden. In Online-Multiplayer-Spielen wie World of Warcraft kämpfen die Mitarbeiter schon mal lieber gegen Monster als gegen Aktenberge. Gut die Hälfte aller Rollenspieler gab bei einer Umfrage der Website "gamesdynamite.de" an, auch im Büro zu spielen. Die Website geht davon aus, dass in Deutschland etwa 300.000 Spieler im durchschnitt jeweils eine Stunde am Tag mit virtuellen Rollenspielen verbringen - viel Arbeitszeit, die da der Spielsucht zum Opfer fällt.

Verstecken per "Bosskey"

Viele Angestellte stellen sich dabei geschickter an als der New Yorker Büroangestellte Edward Greenwood. Im Internet kursiert seit einiger Zeit ein Programm namens "Bosskey". Der Name sagt eigentlich alles: Kommt der Boss zu unpassender Zeit ins Büro, macht das Programm auf einen Tastendruck alle geöffneten Fenster unsichtbar und ein jungfräulicher Desktop erscheint. Ein weiterer Knopfdruck bringt die bunte Spielewelt zurück auf den Schirm. In einigen Spielen ist die Boss-Taste sogar bereits eingebaut.

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Gefahr für die Produktivität der Beamten

Für die Firmen kommt es wahrscheinlich noch schlimmer: Denn in den nächsten Jahren sollen die Onlinespiele eine wahren Boom erleben. Laut einer Studie der OECD wird in Europa der Markt für Online-Spiele überdurchschnittlich wachsen. Von 950 Millionen umgesetzten US-Dollar im Jahre 2004 soll der Marktumsatz bis 2008 auf über acht Milliarden US-Dollar steigen. Im US-Staat North Carolina hat die Verwaltung den Bürozockern den Kampf angesagt: Das Kartenspiel Solitär, so Senator Austin Allran, zerstöre die Produktivität der Staatsdiener. Von den 50.000 Rechnern, die in der Verwaltung von North Carolina im Einsatz sind, sollen deshalb nach seinem Vorschlag die mitgelieferten Spielebündel verschwinden. Private Unternehmen versuchen mit so genannten Webwashern oder Filtersoftware gegen das Spielen im Netz vorzugehen. Laut der Softwarefirma Secure Computing setzen etwa 60-70 Prozent aller Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern solche Software ein. "Neben der verlorenen Produktivität besteht für Unternehmen auch ein Sicherheitsrisiko durch herunter geladene Software", sagt der Deutschlandchef von Secure Computing, Frank Kölmel.

Studie: Spielen erhöht die Produktivität

Dabei könnte sich gerade diese strikte Linie der "Spielverderber" als Produktivitätskiller herausstellen. Ein Experiment der niederländischen Universität Utrecht mit Mitarbeitern eines Versicherungskonzern kam zu dem Ergebnis, dass regelmäßiges Computerspielen am Arbeitsplatz die Zufriedenheit der Mitarbeiter erhöht und sie sogar produktiver macht. Eine Laborstudie der Universität Hamburg, die in Kürze veröffentlicht wird, soll nach Angaben der Verfasser die Utrechter Ergebnisse bestätigen. Gegen ein kurzes Spiel in der Mittagspause gibt es daher auch wissenschaftlich nichts einzuwenden. Das hätte Edward Greenwood seinem Chef Michael Bloomberg mal eher klar machen sollen.

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