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Computerspiele als Propagandamittel

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Militär-Games  

Computerspiele als Propagandamittel

19.10.2007, 17:21 Uhr | Medienagentur plassma / kro, t-online.de

America's Army (Bild: America's Army)America's Army (Bild: America's Army)Ein großflächiges Plakat mit einem energischen Onkel Sam darauf erinnerte die Amerikaner in Zeiten des Zweiten Weltkriegs an ihren Dienst fürs Vaterland. "I Want You for the US-Army!" - so ging Rekrutierung damals. Die Rekrutierung von heute funktioniert anders. Die Anwerbungs-Experten der US-Army bedienen sich am liebsten der neuen Medien. Und eines davon hat es ihnen ganz besonders angetan: das Computerspiel. Eine Armee-Abteilung steht Spielemachern auf Wunsch mit Rat und Tat zur Seite.

Nicht nur das: Es werden sogar eigene Spiele zur PR-Zwecken programmiert. Doch auch die Propaganda-Strategen auf der Gegenseite haben längst erkannt, dass sich Games ganz ausgezeichnet dazu einsetzen lassen, jungen Menschen die eigene Ideologie spielerisch einzuimpfen.

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Reale Krisenherde als Spielvorlage

Full Spectrum Warrior (Bild: THQ)Full Spectrum Warrior (Bild: THQ)Es schien viele Jahre ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, das Spiele-Entwickler dazu anhielt, um reale Konflikte einen großen Bogen zu machen. Wurde in den 90ern fast ausschließlich in den beiden Weltkriegen und natürlich in einer fiktiven Zukunft geballert, verlagerten sich die virtuellen Gefechte mit der Zeit nach Vietnam. Mittlerweile kämpfen Computerspieler sogar auf den Schlachtfeldern unserer Zeit - oder genauer gesagt in den Staaten, die auf der Achse des Bösen liegen: im Irak, in Afghanistan, sogar in Nordkorea und Venezuela.

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Unterstützung durch die Armee

Besonders eifrig zeigt sich der Entwickler Pandemic Studios, wenn es um die Verarbeitung realer Konflikte in Spieleform geht. 2005 gaben die Programmierer den Spielern von Mercenaries: Playground of Destruction die Möglichkeit, in der Rolle von amerikanischen Elitesöldnern das kommunistische Nordkorea zu verwüsten; im Nachfolger Mercenaries 2 geht es einem weiteren "Schurkenstaat" an den Kragen. Hintergrundgeschichte: Diesmal marschieren die Söldner in Venezuela ein, legen dem dortigen, namenlosen Despoten - gemeint ist Präsident Hugo Chavez - das Handwerk und bringen die Erdölvorräte unter ihre Kontrolle. Verbindungen zur US-Regierung streitet Studioboss Chris Norris zwar bei diesen beiden Projekten vehement ab. Zumindest bei der Entwicklung des Taktik-Shooters Full Spectrum Warrior haben die Programmierer jedoch auf die Unterstützung der amerikanischen Streitkräfte gesetzt.

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Will Stahl (Bild: THQ)Will Stahl (Bild: THQ)Als "The authentic Army experience" preist Publisher THQ das Taktikspiel an. Und authentisch ist es in der Tat. Der Titel basiert schließlich auf einer Simulation, die ursprünglich die US-Armee in Auftrag gegeben hat, um die eigenen Soldaten im Häuserkampf zu trainieren. Daraus entstanden ist ein ungewöhnlicher Genre-Mix, in dem der Spieler eine bis zu acht Mann starke Gruppe amerikanischer Soldaten durch verschiedene Missionen im fiktiven Staat Zekistan lotst. Dort herrscht der blutrünstige Diktator Al Afad, der in seinem Land arabischen Terrororganisationen Zuflucht gewährt - etwaige Ähnlichkeiten zu existierenden Ländern und Politikern sind natürlich kein Zufall.

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"Sauberer Krieg" am PC

Kein Zufall ist es auch, dass die Ausrüstung der Kämpfer nahtlos mit der der US-Armee übereinstimmt und das Spiel die amerikanische Vorstellung vom sauberen Krieg eins zu eins transportiert. Genau hier haben die US-Army-Spieleexperten mit Feder geführt. Pandemic-Boss Will Stahl hat diesbezüglich aber keine moralischen Bedenken. "Es war großartig, mit der US-Army zusammenzuarbeiten", lobt er die Kooperation. Ähnlich sehen das auch die Macher von Brothers in Arms, Project: IGI, Medal of Honor, Men of Valor und Battlefield 2, die bei der Entwicklung ihrer Games ebenfalls Schützenhilfe von amerikanischen Offizieren bekamen.

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America's Army: Das US-Militär spielt mit

Doch nicht allein für die Zusammenarbeit mit Entwicklerstudios bringen die Militärs stattliche Summen an Geld auf. Im Jahr 1999 gab die Armee der Vereinigten Staaten sogar ein eigenes Spiel in Auftrag, das sie am 4. Juli 2002, dem Unabhängigkeitstag, der Öffentlichkeit vorstellte. Das Onlinespiel America’s Army versetzt den Spieler in die Rolle eines GI’s. Im ersten Teil der Simulation muss er eine klassische Grundausbildung mit Durch-den-Schlamm-Robben und Gewehrschießen absolvieren, danach darf er in taktischen Gefechten zumeist arabische Terroristen ausschalten. Sowohl grafisch als auch hinsichtlich der Spielmechanismen ist der kostenlos per Download erhältliche Titel - der übrigens mit Steuergeldern finanziert wurde - durchaus anspruchsvoll.

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Rekrutierung von Minderjährigen

"Während die Rekrutierung von Kindern völkerrechtlich geächtet ist, scheint die virtuelle Ausbildung und militärische Indoktrination von Minderjährigen in den USA völlig in Ordnung zu sein", kommentiert Hartmut Gieselmann, Redakteur beim Fachmagazin "c`t", die Kriegs-Simulation. Und tatsächlich: Die Entwickler verzichteten bei America’s Army bewusst auf Blut und Todesschreie, damit US-Jugendschützer eine Altersfreigabe ab 13 Jahren rechtfertigen konnten. Auch die Tatsache, dass sich die Entwickler die beliebte Half-Life-Modifikation Counter-Strike zum Vorbild nahmen, zeigt, dass America’s Army nicht nur ausgemachte Militaristen, sondern vor allem spielebegeisterte Jugendliche ansprechen soll. Sechs Millionen Teilnehmer sind ein deutlicher Beleg für das Interesse an der Armeesimulation.

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Die Gegenseite schlägt zurück

Derartige Erfolgszahlen sind es, die auch die Gegenseite hellhörig werden lassen. Kurz nach Veröffentlichung von America’s Army brachte die radikal-islamische Hisbollah einen Ego-Shooter heraus, in dem der Spieler gegen israelische und amerikanische Soldaten kämpft. Mittlerweile ist Specialforce in vier Sprachen erhältlich und wurde bereits in einer Tausenderauflage nach Europa exportiert. Im Iran entwickelt die Studentengruppe "Union of Islamic Student Societies" derzeit ebenfalls ein Kampfspiel, das im März 2007 erscheinen soll. Darin muss der Spieler als Commander Bahmann - ein Golfkrieg-Veteran - einen jungen muslimischen Ingenieur aus den Händen der US-Truppen befreien. Angeblich ist das Spiel eine Reaktion auf die pro-amerikanische Erweiterung Assault on Iran für die grafisch angestaubte, aber äußerst reale Kriegssimulation Kuma War. Das digitale Wettrüsten hat begonnen.




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