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Spiele-Demoszene  

Malen nach Zahlen

19.10.2007, 17:22 Uhr | GEE / vb, t-online.de

Bild: GeeBild: GeeWenn Christoph Mütze, 29, über sein Hobby redet, verstehen die meisten Menschen kein Wort. Er sagt dann Sachen wie "Exception auf Point Three", "Prozedurale Texturgeneration" oder "Freezer Modul". Heute ist Christoph allerdings unter Gleichgesinnten. Denn heute ist Farbrausch-Stammtisch in der "Drei-Zimmer-Wohnung", einer Kneipe auf dem Hamburger Kiez. Stammtisch, das bedeutet gemeinhin seichten Small Talk. Nicht jedoch hier. In dieser Runde werden andere Kaliber gewälzt. Zum Beispiel wird angeregt erörtert, wie Videospielkonsolen früher mithilfe einzelner Transistoren den Sound erzeugt haben. Ein anderer Stammtischler klagt über den Ghosts’n’Goblins-Spielautomaten, den er zu Hause stehen habe und an dem er einfach verzweifle. "Nicht zu schlagen", zuckt er mit den Schultern. Doch doch, lässt ein anderer wissen, der sei schon zu schlagen. "Man muss an einer Stelle nur frame- und pixelgenau springen." Aha. Und so geht es munter weiter.

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Eine Fingerübung

Wie er Super Mario Bros. in 15 Minuten durchgespielt hat, erzählt Christoph der Runde, auf seiner PSP. Moment mal, Mario, das Nintendo-Maskottchen schlechthin, auf Sonys Handheld? Darüber wundert sich hier am Stammtisch keiner. Sind doch schließlich nur ein paar minimale Eingriffe am Betriebssystem vorzunehmen, schon läuft Nintendos Klempner auch auf Sonys PSP - eine Fingerübung.


Der große Elektro-Spielplatz

(Bild: Gee)(Bild: Gee)Es scheint, als würde es kaum einer der Anwesenden schaffen, Spielzeuge mit Computerchip einfach so zu benutzen, wie es der Hersteller vorgesehen hatte. "Wir sind halt Geeks", lacht Christoph. Für sie sind elektronische Geräte vor allem eins: ein Spielplatz. Doch eigentlich geht es heute nicht um Spielerei. Genau genommen sind nämlich Videospiele so etwas wie das Hobby zum Hobby. Eigentlich geht es um etwas ganz anderes: Um Demos. Demos sind Filme, die in Echtzeit auf dem Computer laufen. Also nicht aufgenommen sind und abgespielt werden, sondern jedesmal "live" berechnet werden. Und Farbrausch ist eine Demogruppe.

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Filmchen auf Spielen

Die so genannte "Demoscene" entstand zur Blütezeit der Heimcomputer-Ära vor etwa 20 Jahren. Damals war es gang und gäbe, die Spiele für C64 und andere Konsolen zu cracken, also den Kopierschutz zu entfernen, um das Spiel dann vervielfältigen und an die Freunde verteilen zu können. Irgendwann fingen die Cracker an, die geknackten Spiele mit einer Signatur zu versehen. Diese kleinen Filmchen, auch "Cracktros" genannt, waren anfangs einfach nur animierte Logos oder Laufschrift, mit der andere Crackergruppen gegrüßt und die eigene gepriesen wurden. Über die Jahre verschob sich allerdings der Fokus. Es ging immer weniger darum, Spiele zu knacken, und immer mehr darum, das grafisch beeindruckendste "Cracktro" abzuliefern.

Im Rausch der Farben

Heute sehen Demos, wie sie inzwischen heißen, auf modernen PC aus wie computeranimierte Trickfilme oder Zwischensequenzen in Videospielen. Nicht zwingend so gegenständlich, oft sehr abstrakt, vollgeladen mit Rauch-, Nebel-, Partikel- und Lichteffekten. Zu elektronischer Musik schwebt die Kamera durch futuristische 3D-Welten, dreht sich an geometrischen Formen vorbei und versinkt in einem Rausch aus Farben. "Der künstlerische Aspekt hat in den letzten Jahren deutlich an Gewicht gewonnen", erklärt Thomas Mahlke, 30, beim Stammtisch. "Früher bestand die Herausforderung vor allem darin, die Grenzen des technisch Machbaren auszuloten, die Hardware bis ans Limit auszureizen", erinnert er sich. „Inzwischen stehen für mich und viele andere Demoscener aber andere Dinge im Vordergrund, das Arrangement des Clips zum Beispiel."

Breite Unterstützung vom Verein

Trotzdem: "Die Mentalität des Crackens ist bei vielen Demoscenern immer noch da", stellt Christoph fest. "Sich sofort auf jede neue Plattform stürzen, sie aufmachen, um dann Demos darauf laufen zu lassen - das gehört einfach dazu." Bester Beweis dafür ist Ekkehard Brüggemann vom "Verein Digitale Kultur". Bei einem Treffen im Hamburger Schanzenviertel zeigt er Demos auf PDA, PSP und Handy. Minutenlang laufen auf den Geräten Musikvideoähnliche Filme ab. Ekkehards Augen leuchten begeistert, während er ein Gerät nach dem anderen hervorholt, um darauf Demos abzuspielen. Auch nach knapp 20 aktiven Jahren in der Demoscene ist er kaum zu bremsen: "Für mich sind das Kunstwerke." Daran, dass Demos auch von anderen Leuten jenseits der Demoscene als solche anerkannt werden, arbeiten Ekkehard und der "Verein Digitale Kultur". Sie unterstützen die Demoscene auf breiter Front und veranstalten Demopartys wie die "Evoke" in Köln, immerhin die zweitgrößte in Deutschland. Oder sie organisieren Fahrten zu anderen Demopartys. Machen Presse- und Lobbyarbeit und schließen Kooperationen mit Digitalfilm-Festivals wie "Bitfilm" in Hamburg oder "fmx" in Stuttgart. Unterstützt werden aber auch Ausstellungen wie zuletzt "Computer Art from Europe" im "Think Tank" in New York.

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