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Skandale  

Glaub oder stirb!

19.10.2007, 17:22 Uhr | Spiegel Online, kro, t-online.de

Von Christian Stöcker

Rechte Christen in den USA haben ein "Killerspiel" entwickeln lassen, in dem "Schergen des Satans" niedergemetzelt werden. Mord an Ungläubigen ist dort in Ordnung - solange man anschließend betet. Kritiker protestieren: Das Spiel sei pure religiöse Agitation gegen Andersgläubige.

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Religiös motivierte Gewalt

Left Behind: Eternal Forces (Bild: Left Behind Games)Left Behind: Eternal Forces (Bild: Left Behind Games)Nun also haben evangelikale Christen in den USA selbst ein Problem mit mordenden Computerfiguren: In Left Behind: Eternal Forces geht es nicht nur um den Kampf Gut gegen Böse, um auf der Erde zurückgelassene, die sich nun gegen die Mächte des Satans verteidigen müssen, um die Macht des Gebets - sondern auch ums digitale Morden. Nun werfen Kritiker den christlich bewegten Spielmachern Aufruf zu religiös motivierter Gewalt vor. "Left Behind: Eternal Forces ist eine gewalttätiges Videospiel, in dem wiedergeborene Christen versuchen, alle zu missionieren oder zu töten, die nicht ihrer extremen Ideologie folgen", sagte ein Sprecher der Gruppe "Campaign to Defend the Constitution". "Nachdem man jemanden getötet hat, muss man die eigenen Seelenpunkte wieder aufladen, indem man betet - ich denke, die Botschaft ist außerordentlich deutlich", so der Sprecher. Sogar ein Priester von der "Christian Alliance for Progress" kritisierte das Spiel mit deutlichen Worten: "Wir versuchen, den Familien klar zu machen, dass dieses Spiel glaubensbasierte Gewalt beinhaltet und für Familien nicht geeignet ist."

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Kampf der Verzweifelten

Left Behind: Eternal Forces (Bild: Left Behind Games)Left Behind: Eternal Forces (Bild: Left Behind Games)Das Spiel basiert auf der in den USA extrem populären Buchreihe Left Behind, die in einem postapokalyptischen Amerika spielt. Gott hat die Gläubigen zu sich genommen, auf der Erde zurück bleiben die Verzweifelten, die nun im ständigen Kampf mit dem Satan und seinen Truppen liegen. Die christliche Unterhaltungsindustrie ist in den USA in den vergangenen Jahren zu einer echten Marktmacht herangewachsen. Nicht nur die Left Behind-Bücher und deren Verfilmungen, auch Mel Gibsons Passion Christi und andere aufs christliche Publikum zielende Produkte haben viel Geld eingebracht und Begehrlichkeiten auf die Portemonnaies der rund 70 Millionen evangelikalen Christen in den USA geweckt.

"Natürlich wird getötet, schließlich ist es ein Videospiel"

Der Hersteller Left Behind Games ist dementsprechend unglücklich über die Kritik aus dem eigenen Lager. Hinter der Firma steht keine Kirche oder organisierte Glaubensgemeinschaft: Begründet, geleitet und beraten wird das Unternehmen, das ausdrücklich angetreten ist, einem "im Glauben verwurzelten Publikum positive Werte zu vermitteln", von konservativen, christlichen Managern aus der Softwareindustrie und der Fernsehszene. In Wahrheit gehe es nicht in erster Linie um Gewalt, sondern darum, "dass das Spiel Gebete und die Verehrung Gottes fördert". Töten im Namen Gottes gebe es darin nicht. In einer etwas bizarren Wendung angesichts des tatsächlichen Marktes für Video- und PC-Spiele - der von Sportspielen dominiert wird - fügte er hinzu: "Es wird natürlich getötet, es ist schließlich ein Videospiel."

"Mehr Kampf mit dem Interface als mit dem Antichrist"

Im Vordergrund stehe aber das Spirituelle. Gekämpft werde nur gegen die Schergen des Satans. "Der Teufel ist der größte Bösewicht, und man bekämpft seine Gefolgsleute. Beide Parteien versuchen, die Herzen und Gedanken der Leute zu gewinnen, die zu keiner der Seiten stehen", sagte der Unternehmenssprecher. Das Spiel verkaufe sich bislang gut. Das ist angesichts des gewaltigen Marktes für religiös korrekte Unterhaltung einerseits nicht verwunderlich - mancher Käufer dürfte die Entscheidung trotz aller Begeisterung für die religiösen Untertöne aber schnell bereuen. Das Spiel gilt der Fachpresse nämlich als ziemliche Niete: Es sei grafisch nicht auf der Höhe der Zeit, die Bedienung umständlich und auf Dauer schlicht lästig. Die Spielekritiker des "Imagine Games Network" (IGN) etwa schrieben: "Sie werden mehr Zeit damit verbringen, mit dem Interface zu kämpfen, als mit dem Antichrist."

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