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"Made in Germany": Fluch oder Segen?

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Spiele aus Deutschland  

"Made in Germany": Fluch oder Segen?

19.10.2007, 17:22 Uhr | Medienagentur plassma / vb, t-online.de

Spellforce 2 (Bild: Jowood)Spellforce 2 (Bild: Jowood)Mit über 200.000 verkauften Exemplaren hält sich Anno 1701 auch zwei Wochen nach dem Verkaufsstart auf dem ersten Platz der meistverkauften PC-Spiele in Deutschland. "Kein anderes deutsches Spiel verkaufte sich jemals so schnell so häufig", verkündet Sunflowers, Produzent der Anno-Reihe, stolz. Bis zum Ende des Jahres sollen weitere 300.000 Exemplare über die Ladentheke gehen. Mit über vier Millionen verkaufen Spielen zählt die Anno-Serie zu den erfolgreichsten deutschen Spieleproduktionen überhaupt. Neben Anno schafften nur eine handvoll weitere Spiele "Made in Germany" einen ähnlichen Absatzrekord. Dazu gehört die Siedler-Reihe, Far Cry, Spellforce, Gothic oder auch EAs Fussball Manager. Doch wie kommen unsere deutschen Kassenschlager überhaupt im Ausland an?

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Paradebeispiel Far Cry

Far Cry (Bild: Crytek)Far Cry (Bild: Crytek)Mit einem einfachen "gut" oder "schlecht" lässt sich diese Frage nicht beantworten. "Das muss man wesentlich differenzierter sehen", findet auch Burkhard Ratheiser, Geschäftsführer bei Related Designs, Entwickler von Anno 1701. "Zum einen muss man zwischen deutschen Spieleproduktionen und typisch deutschen Spielen unterscheiden", so Ratheiser weiter. Ein Paradebeispiel ist Far Cry für den PC. Mit über drei Millionen verkauften Exemplaren weltweit war diese Produktion international immens erfolgreich. "Far Cry ist eben kein typisch deutsches Spiel, da der Entwickler auch sehr international ausgerichtet ist“, differenziert der Anno-Macher. Und tatsächlich: Crytek, Entwickler von Far Cry, hat seinen Sitz zwar in Frankfurt, beschäftigt aber nach eigenen Angaben Mitarbeiter aus mehr als 15 unterschiedlichen Nationen.

Eine Frage des Genres

Gegen den Erfolg von Far Cry im Ausland haben Anno und Konsorten keine Chance. Während Titel wie Die Siedler, Spellforce oder Fussball Manager hierzulande gegenüber aktuellen Konkurrenzprodukten einen Marktanteil von bis zu 70 Prozent ergattern können, gingen im Ausland gerade mal ein paar tausend Exemplare über den Ladentisch. So verkauften sich beispielsweise Die Siedler 5 in Übersee nur knapp 100.000 Mal, während im vergleichsweise kleinen Deutschland das Fünffache umgesetzt wurde. Doch wo liegen die Probleme? Was machen ausländische Entwickler richtig, was deutsche Spieleschmieden falsch machen? Zuallererst ist dies genreabhängig. "Titel wie zum Beispiel spezielle Versionen von Fußballmanagern oder Wirtschaftssimulationen funktionieren nur auf dem deutschsprachigem Markt", verrät uns Ralf Wirsing, Studioleiter von Blue Byte, Entwickler der Siedler-Reihe. "Hinzu kommt, dass Spieleentwicklung eine schlechte Lobby in Deutschland zu haben scheint, wenn sie denn überhaupt vorhanden ist", ergänzt Burkhard Ratheiser von Related Designs.

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Zu komplex fürs Ausland?

Allein am Genre liegt es dann aber doch nicht, denn auch in einem zweiten Punkt ist sich die Branche einig: Viele deutsche Produktionen sind zu komplex, mit einem schlechten User-Interface ausgestattet, grafisch mangelhaft oder schlicht und einfach am Markt vorbei entwickelt. Zu wenig Zeit, Geld und ein Mangel an qualifiziertem Personal sowie der enorm hohe Konkurrenzdruck sind laut Ratheiser dafür verantwortlich. Die teilweise recht geringe internationale Erfahrung deutscher Entwicklerstudios spielt dabei eine besonders große Rolle. Ralf Wirsing von Blue Byte macht für dieses Problem den in Deutschland sehr stark PC-orientierten Markt verantwortlicht und findet zum anderen, dass deutsche Studios internationale Standards im Entwicklungsprozess schlichtweg nicht einhalten.

Lösungsansätze

Um diese Mankos gegenüber ausländischen Entwicklern wett zu machen, muss sich einiges im teilweise noch an konservativen Entwicklungsstrukturen festhaltenden Deutschland ändern. "Die deutschen Spieleentwickler müssen begreifen und lernen, dass die Produktion von großen Titeln ein Höchstmaß an Professionalität und hoch qualifizierte Entwickler verlangt, die leider nicht in ausreichender Zahl in Deutschland vorhanden sind." erklärt Anno-Entwickler Ratheiser. Um dem Abhilfe zu schaffen, werden auch in Deutschland immer mehr Studiengänge und Hochschulen gegründet, die sich dem Thema Spieleentwicklung annehmen. Die "Games Academy" in Berlin ist eine davon. Hier lernen die Studenten in internationaler Ausrichtung alles, was man über die Spieleproduktion wissen muss. Die Akademie erhielt jüngst den mit 2.000 Euro dotierten dritten Platz beim Nachwuchsentwickler-Wettbewerb des Deutschen Entwicklerpreises. Dieser Preis wurde erstmalig vergeben und von Gamesload unterstützt.

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Positive Signale

Als fast einziges Studio in Deutschland machte dies Crytek in der Vergangenheit bereits richtig. Aber auch Studios wie Related Designs und Blue Byte haben die Zeichen der Zeit erkannt und planen internationale Märkte zu bedienen. So haben beispielsweise die ersten internationalen News über Die Siedler 6 enorm positiv eingeschlagen, und auch Anno 1701 verkauft sich derzeit im Ausland gegenüber den beiden Vorgängerspielen ein Stück besser. Sollte dieser Trend anhalten, so könnten in Zukunft mehr deutsche Wirtschaftssimulationen, Rollen- und Managerspiele in ausländischen Händlerregalen stehen. Ein zusammenfassendes Schlusswort findet Blue Byte Leiter Wirsing: "Es gibt auch Torero-Spiele in Spanien oder japanische Spielecharaktere, die nie in Deutschland erfolgreich sein werden. Entscheidend für einen internationalen Erfolg sind die Wahl des richtigen Genres, eines populären Settings und der richtigen Plattform."

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