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Innenminister wollen Verbreitung verbieten (Teil 3)

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Innenminister wollen Verbreitung verbieten (Teil 3)

19.10.2007, 17:25 Uhr | dpa / jr / mtr, t-online.de

Eskapismus mit Suchtpotential, Bewegungsmangel und Gewaltdarstellungen inklusive Abstumpfungs-Gefahr: Verschiedene Argumente der Computerspiel-Diskussion ließen sich ebenso auf die Nutzung von Filmen und Fernsehen übertragen. Und was bei Filmen gut funktioniert, das würden die Grünen auch gerne bei Spielen anwenden: Eine Art Qualitätssiegel wie das der Filmförderung. Künftig könnte sich dann so manches Computer- und Videospiel mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" schmücken. Schließlich hat Computerspielen auch viele positive Effekte. In einer Umfrage des Publisher Electronic Arts und des Schulprojekts "Nesta Futurelab" fanden die meisten befragten Lehrer viel Gutes an Computerspielen im Unterricht: Rund 91 Prozent glauben, dass Games motorisch-kognitive Fähigkeiten verbessern können, und 53 Prozent würden sie auch gerne im Unterricht einsetzen. Sie steigern die Lernmotivation und analytische Fähigkeiten, hieß es. Allerdings geht es in solchen Untersuchungen um komplexere Spiele, in denen Gewalt zudem keine zentrale Rolle spielt, betonen die Gegner der "Killerspiele".

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Wissenschaftlich ist nicht bewiesen

Die Gegner eines Verbot von "Gewalt verherrlichenden" Spiele, darunter vor allem Medienwissenschaftler und die Computer-Lobby, führen ins Feld, es sei wissenschaftlich nicht nachweisbar, dass Kinder und Jugendliche mit solchen "Killerspielen" reale Gewalt übten. "Was wir aber wissen, ist, dass das Spielen solcher Spiele zur Abstumpfung gegenüber realer Gewalt in der mitmenschlichen Umgebung führt und dass die eigene Gewaltbereitschaft zunimmt", entgegnet der Hirnforscher Manfred Spitzer in einem Interview der Zeitschrift "Psychologie heute" diesem Argument. Es werde zwar häufig argumentiert, dass Computerspielen und Fernsehen im Kindesalter den geistigen Fähigkeiten und Fertigkeiten förderlich seien, wie etwa der Schnelligkeit des Denkens oder Reagierens. Dazu gebe es aber nur eine einzige Untersuchung, sagte Spitzer, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm und Autor des Buchs "Vorsicht Bildschirm! Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft". In dieser Untersuchung wurde herausgefunden, dass Kinder Einzelheiten auf dem Bildschirm schneller erkennen können, wenn sie viele "Ballerspiele" spielen. Damit werde aber auch beschrieben, dass eine Aufmerksamkeitsstörung antrainiert wird, sagte Spitzer mit Hinweis auf die vielen sonstigen visuellen Reize.

Ego-Shooter sind oft nicht förderlich

Auf jeden Fall üben Gewaltspiele eine für Erwachsene häufig kaum nachvollziehbare Faszination auf Kinder und Jugendliche aus. "So genannte Ego-Shooter sind unter anderem deshalb so beliebt, weil sie von allen Computerspielen das banalste Spielprinzip innehaben. Viele Kinder und Jugendliche, die den ganzen Tag mit solchen Spielen verbringen, kennen gar keine anderen Computerspiele oder haben weder die Geduld noch die Fähigkeit, einem komplexen Spielprinzip zu folgen", sagte der Leiter eines Büros für Kindermedien in Berlin, Thomas Feibel, in einer früheren Ausgabe von "Psychologie heute". Der Autor des Buchs "Killerspiele im Kinderzimmer" ist der Meinung: "Es gibt jede Menge brutaler und zynischer Computerspiele, die absolut nichts in den Händen von Kindern und Jugendlichen zu suchen haben. Da helfen nur harsche Verbote." Feibel unterscheidet zwischen konstruktiven und negativen Spielen. In einem konstruktiven wird zum Beispiel ein Staat errichtet, der dann gegen Barbaren, die alles an sich reißen wollen, verteidigt werden muss. "Ego-Shooter sind immer destruktiv, selbst wenn ihnen wie bei Counter-Strike ein hoher taktischer Bezug bescheinigt wird", sagte Feibel.

Sind Viel-Spieler schlechte Schüler?

Ein Computer im Kinderzimmer kann nach dem Urteil von Experten auch die Leistungen in der Schule beeinflussen. Das kriminologische Forschungsinstitut in Hannover hat bei einer Repräsentativbefragung von 6000 Viertklässlern und 17 000 Schülern neunter Klassen festgestellt, dass der Besitz eines PC im eigenen Zimmer bei den Jungen die tägliche Spielzeit je nach Alter und Schultyp um 40 bis 90 Minuten erhöht. Das beeinflusst nach dem Befund von Neurologen ebenfalls die schulische Leistungsfähigkeit, weil die Konzentrationsfähigkeit leidet und das im Kurzzeitgedächtnis flüchtig gespeicherte Schulwissen teilweise durch die emotional hoch besetzten Bilder der Gewalt verdrängt wird. Dass Mädchen pro Tag fast 90 Minuten weniger am Computer spielen und außerdem die brutalen Spiele meiden, scheint für Christian Pfeiffer, den Direktor des Instituts in Hannover, auch ein Grund für ihren in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gewachsenen Leistungsvorsprung gegenüber den Jungen zu sein.

Debatte geht an der Wirklichkeit vorbei

Der Magdeburger Informatik-Professor Maik Masuch gab zum Thema "Killerspiele" im Deutschlandradio Kultur zu bedenken, die Debatte gehe an der Wirklichkeit vorbei. Seiner Meinung nach werden Computerspiele zu einem ganz natürlichen Bestandteil der Kultur. "Das wird ähnlich sein wie im Film: Wenn wir uns heute Stummfilme ansehen, schmunzeln wir über die Bildsprache und darüber, dass die Leute aus dem Kino gerannt sind, als der erste Zug auf sie zu kam", sagte Masuch. An der Universität Ilmenau wurde bereits die erste Professur für Computerspiele ausgeschrieben.

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