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Warum viele Titel nie auf unserer Festplatte landen

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Zu hart für Deutschland?  

Warum viele Titel nie auf unserer Festplatte landen

19.10.2007, 17:25 Uhr | Medienagentur plassma / tz

Ein maskierter Mann schleicht durch die Gänge, Blut tropft von seinem Kettenhemd.  Er bleibt stehen, setzt seine Axt an und enthauptet den Wachmann, der nie von seiner Patrouille zurückkommen wird. Die Kamera zoomt ans Geschehen heran, das Pixelblut spritzt in alle Richtungen. Diese Szenen stammen aus dem Playstation 2-Spiel Manhunt, wohl einer der brutalsten Titel der letzten Jahre. Warum der blutrünstige Action-Reißer aus dem Hause Rockstar in Deutschland verboten wurde, müssen wir wohl nicht weiter erklären. Allerdings gab es in den letzten Jahren immer wieder Indizierungen und Verbote von Spielen, die für große Aufregung in der Gamer-Gemeinde gesorgt haben. Doch wo liegt eigentlich der Unterschied zwischen Indizierung und Verbot?   

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Die Arbeit der USK

Für die Alterskennzeichnung von Computer- und Videospielen ist in Deutschland die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) zuständig. Sie ist ein Teil des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V. und vergibt verbindliche Alterseinstufungen, die sowohl auf den Verpackungen als auch auf den Datenträgern deutlich sichtbar aufgedruckt sein müssen. Beim Verkauf der Spiele unterliegen die Händler der Pflicht, den Käufern nur altersgerechte Games zu verkaufen.

Die Arbeit der BPjM

Ausschließlich auf Antrag von Jugendministern und -ämtern wird die Bundesprüfstelle für jugend- gefährdende Medien (BPjM) tätig. Ihre Aufgabe besteht in der Prüfung und Aufnahme von Spielen in die "Liste jugendgefährdender Medien", der sogenannten Indizierung. Ziel ist die Sicherstellung des medialen Jugendschutzes. Als jugendgefährdend gelten nach Paragraph 18, Absatz 1 des Jugendschutzgesetztes Medien, die „die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit” gefährden. Als Beispiel nennt der Gesetzgeber Medien, die „unsittlich sind, verrohend wirken oder zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen”. Hat ein Spiel eine Alterskennzeichnung der USK erhalten, kann die Prüfstelle kein Indizierungsverfahren mehr einleiten. Dies ist nur dann möglich, wenn die USK eine Alterskennzeichnung verweigert. Zudem kann die BPjM keine Entscheidungen der USK revidieren, weder zu Gunsten noch zu Ungunsten des jeweiligen Titels.

Indizierung

Wenn ein Spiel indiziert wird, muss es aus allen Verkaufsbereichen entfernt werden. Volljährige können es jedoch gegen Vorlage des Personalausweises erwerben. Allerdings ist der Versand auch gegen Nachweis der Volljährigkeit (zum Beispiel durch eine Kopie des Personalausweises) nicht gestattet. Ferner darf es nicht mehr öffentlich beworben werden. Spielemagazinen ist es zudem verboten, Rezensionen zu den betreffenden Spielen abzudrucken. Ansonsten droht dem Verlag schlimmstenfalls die Auflage, das komplette Heft vom Markt zu nehmen. Indizierungen basieren auf dem GjSM (Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften und Medieninhalte).

Verbot

Wenn ein Spiel verboten wird, kann die Staatsanwaltschaft sämtliche Exemplare beschlagnahmen. Wer sich widersetzt, macht sich strafbar. Diese Maßnahmen basieren allerdings auf dem Strafgesetzbuch (StGB). Auf Spiele sind im eigentlichen Sinn nur die Paragraphen 86a (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) und 130 (Volksverhetzung) anwendbar. So wurde die englische Fassung von Return to Castle Wolfenstein von der der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Im Fall von Manhunt von GTA-Entwickler Rockstar Games griff der Artikel 131, weshalb das Münchner Amtsgericht den Titel wegen übertriebener Gewaltdarstellung  für die bundesweite Beschlagnahmung im Jahr 2004 freigab. Ein Verbot würde auch Manhunt 2 drohen, sollte sich der Publisher  zu einer Veröffentlichung entscheiden. Bisher wurden Verbote nur gegen die genannten Titel sowie die Mortal Kombat-Trilogie von Midway ausgesprochen. Ein weiterer Grund wäre außerdem die „Verbreitung pornografischer Schriften“ laut Paragraph 188.

Interview mit der USK

Doch nun von der grauen Theorie zur spannenden Praxis. Was sind die Aufgaben der Jugendschutz-Organe? Wie kommt ein Spiel zu seiner Altersfreigabe - und warum ist eigentlich der deutsche Jugendschutz einer der härtesten der Welt? onSpiele hat mit Dr. Klaus Spieler, Geschäftsführer der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle)  über Aufgaben, Probleme, Chancen und Unsicherheiten des Medium gesprochen. Lesen Sie das Interview auf der folgenden Seite.

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