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Killerspiel-Debatte  

Innenminister wollen Verbreitung verbieten

19.10.2007, 17:26 Uhr | dpa / jr / mtr, t-online.de

Nach den geltenden gesetzlichen Vorschriften müssen Computerspiele mit einer Altersfreigabe gekennzeichnet sein. Zudem können sie je nach Inhalt und Gewaltpotential indiziert gesetzt werden. Für die Publisher hat das erhebliche ökonomische Folgen, denn indizierte Spiele dürfen gar nicht mehr oder nur unter Beachtung gravierender Sperrverfügungen in den Handel gebracht werden. Auch das Internet genießt in Sachen Jugendschutz keinen Freibrief. So genannte "Telemedien" müssen entweder direkt Jugendschutzbeauftragte bestellen oder sich an einschlägige Einrichtungen der freiwilligen Selbstkontrolle anschließen. Auch der Einsatz von lizenzierten Filterprogrammen ist vorgeschrieben. Diese sollen verhindern, dass Kinder und Jugendliche Zugang zu pornografischen oder zu "die Entwicklung beeinträchtigenden" Inhalten bekommen. Im relevanten Paragrafen 131 des Strafgesetzbuches verbietet der Gesetzgeber die Verbreitung von Medien, die "grausame oder sonst unmenschliche Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen in verherrlichender oder verharmlosender Art schildern oder in einer die Menschenwürde verletzenden Weise darstellen". Mit der Überwachung der gesetzlichen Regelungen wurde die "Staatliche Kommission für Jugendmedienschutz" beauftragt.

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Regierung lobt Altersschutz-System

In ihrer Antwort auf die Anfrage der FDP-Fraktion im August 2006 hatte die Bundesregierung das auf dem Gebiet des Jugendmedienschutzes etablierte Modell der "regulierten Selbstregulierung" noch ausdrücklich gelobt. Durch das Modell der Alterseinstufung von Spielen, bevor diese im Handel erhältlich sind, könne man bei eventuellen Missständen rechtzeitig reagieren. Das System der altersspezifischen Kennzeichnung von Computerspielen durch die Landesbehörden und die USK stoße "auf eine hohe Akzeptanz und Anerkennung." Basierend auf den USK-Zahlen könne von einer Überflutung des Marktes mit "Killerspielen" keine Rede sein. Von den 2686 im Jahr 2005 geprüften Spielen hätte lediglich 30 aufgrund möglicher Jugendgefährdung keine Altersfreigabe bekommen, womit sich die Zahl der problematischen Games im Promillebereich bewege. Die BPjM hatte im selben Zeitraum 29 Spiele indiziert, von denen die USK bereits 17 die Alterkennzeichnung verweigert hatte. Hierzu merkte der Kriminologe Professor Dr. Christian Pfeiffer an, dass eine Reform der Co-Regulierung in der Spieleindustrie dringend notwendig sei. Gegenüber der Tageszeitung "taz" bemängelte Pfeiffer, dass die USK-Gutachter oft nur ausgewählte Szenen neuer Spiele zu Gesicht bekämen. Sie würden damit über Sachverhalte urteilen, die ihnen nur zum Teil bekannt seien. Benötigt werde vielmehr eine klare Orientierung, "ab welcher Grenze Action- und Kampfspiele nicht mehr für den Markt zugelassen werden."

Gewalt gehört selbst zu "Rotkäppchen"

Gewalt als Medien-Thema ist nichts Neues, wie der Rechtsmediziner Dieter Krause in seiner Studie "Darstellung von tödlicher Gewalt in den Medien" darlegt. Ihm zufolge sind Gewaltdarstellungen ein typischer Bestandteil von dauerhaft bekannten Geschichten wie zum Beispiel dem Märchen "Rotkäppchen". Auch hat die Medien-Gewalt in den letzten dreitausend Jahren nicht zugenommen, und eine Krimi-Folge von "Tatort" ist vollkommen harmlos gegen den Blutrausch antiker griechischer Theaterstücke, erklärt Krause. Erschwerend für den Streit um die so genannten "Killerspiele" ist die Tatsache, dass viele Eltern die Faszination für Videospiele nicht nachvollziehen können. Bücher wie "Crashkurs Kind und Computerspiele" von Klaus-Peter Gerstenberger und Marek Klingelstein sollen Eltern helfen, das Pro und Kontra über Computerspiele abwägen zu können.

Verantwortlichen Umgang gefordert

Auch die Grünen mischen in der Debatte munter mit. Spiele könnten zur Ablenkung von Alltags-Problemen genutzt werden. Laut einer Studie spielten rund die Hälfte aller Jugendlichen völlig isoliert, vernachlässigten soziale Kontakte. Die Games hätten ein großes Frustpotential: Böten sie nicht die erwünschten Erfolgserlebnisse, gerieten vor allem Jungs in eine "Frustrations-Aggressions-Spirale". Zudem könne sich ein "Suchtcharakter" einstellen, der wiederum Bewegungsmangel mit sich bringe. All diese Kritikpunkte beschränken sich nicht auf die zur Zeit heiß diskutierten "Killerspiele". Schon darum ziehen die Grünen einen verantwortlichen Umgang mit Games rigorosen Verboten vor. Die Partei sieht die Gründe für die gesteigerte Gewaltbereitschaft von Jugendlichen nicht in Computerspielen, sondern vielmehr in dem sozialen Drumherum der Heranwachsenden. Die Lösung sei eine Erziehung zu mehr Medienkompetenz.

Arbeit der USK bekannter machen

Jugendschutzverbände (Bild: BIU, GAME & USK)Jugendschutzverbände (Bild: BIU, GAME & USK)Der Spiele-Publisher Zuxxez (Earth 2160) lehnt eine "neuzeitliche Prohibition" ab. Die laut der CDU-Innenminister-Konferenz ungenügende Arbeit der deutschen Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) sei vorbildlich und sehr viel besser als die vergleichbarer Dienste in Europa und Amerika. Während die USK Games tatsächlich ausführlich prüft, beruht das Rating der Pan European Game Information (PEGI) lediglich auf Herstellerangaben. Die Einstufungen des Entertainment Software Rating Boards (ESRB) wiederum stützt sich lediglich auf Videomitschnitte des Herstellers. In einem "Offenen Brief" an die Ministerkonferenz schlägt Zuxxez darum vor, besonders Eltern auf das bereits existierende und gut funktionierende Rating-System der USK aufmerksam zu machen. Außerdem solle man stärker kontrollieren, dass Spiele auch entsprechend abgegeben werden, und die USK selbst mehr fördern. "Die differenzierte Alterseinstufung der USK sorgt dafür, dass Inhalte wie Bilder von verstümmelten Kriegs- und Bombenopfern, die in den Mittagsnachrichten an der Tagesordnung sind, Kindern und Jugendlichen in Spielen nicht zugänglich gemacht werden", schreibt Zuxxez.

weiter zu Teil 3 von "Verbot für Killerspiele"

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