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Zuhause fliegen wie in echt  

Boeing-Cockpit fürs Kinderzimmer

19.10.2007, 17:28 Uhr | Tobias Zeißler / Jürgen Kroder / jr, t-online.de

Bild: T-OnlineBild: T-OnlineWir befinden uns auf dem Flughafen Frankfurt/Main, es ist 11:14 Uhr Ortszeit. Bei leichter Bewölkung beträgt die Außentemperatur 1° Celsius, die Sichtweite laut Tower ungefähr 20 Meilen. Während seine Boeing 737 einsam auf ihrer Parkposition verweilt, geht Flugkapitän Oliver Böhnlein im Kopf die Checkliste zum Start der Triebwerke durch. Routiniert bedient er dabei die unzähligen Schalter, Hebel und Knöpfe bis sich im Hintergrund monoton das Betriebsgeräusch des dritten Triebwerks im Heck des Flugzeugs bemerkbar macht. Nach weiteren Startvorbereitungen setzt sich das Flugzeug langsam in Richtung Startbahn in Bewegung, um schließlich mit vollem Schub in Richtung Flughafen Saarbrücken abzuheben. Wer nun denkt, wir befänden uns in einem realen Flugzeug, der irrt. Tatsächlich steht das "Flugzeug" im angedachten Kinderzimmer einer Saarbrücker Mietwohnung und ist lediglich ein Flugsimulator. Der hat es jedoch in sich und sorgt beim ersten Anblick für offene Münder bei Besuchern.
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Alles andere ist "normal"

Bild: T-OnlineBild: T-OnlineIm realen Leben ist Oliver Böhnlein, der nicht einmal einen Flugschein besitzt, auch gar kein Flugkapitän, sondern IT-Systemadministrator. Seit ungefähr sechs Jahren arbeitet er bereits an seinem liebsten Projekt, in das bisher schätzungsweise zehn- bis zwölftausend Euro geflossen sind. In zirka 2500 Stunden Hand- und Heimarbeit hat der 37-jährige - basierend auf dem Microsoft Flight Simulator 2004 - einen Flugsimulator gebaut, der als Hobbyprojekt in Deutschland derzeit wohl seinesgleichen sucht. Das zum Bau nötige Wissen hat sich Böhnlein zu großen Teilen über das Internet angeeignet. Die Konstruktion besteht aus einem vorgefertigten, hölzernen Bausatz für Flugzeugsimulator-Cockpits und allerlei Elektronik. Über eine Außenhülle verfügt der Cockpit-Nachbau indes noch nicht. Der Hobby Pilot fahndet momentan noch nach dem passenden Material für die Hülle.

Detailverliebte Konstruktion

Bild: T-OnlineBild: T-OnlineDas den Maßen einer realen Boeing 737 entsprechende Cockpit ist mit beinahe allen Schalttafeln, blinkenden Tasten, Hebeln, Schaltern, Displays und weiteren Instrumenten ausgestattet, die auch im Original Verwendung finden. Wie detailverliebt Böhnlein beim Bau seiner "eigenen" Boeing 737 vorgegangen ist, zeigen unter anderem auch die über mehrere Lautsprecher ausgegebenen Triebwerks- geräusche, die dem Simulator eine authentische Geräuschkulisse verschaffen. Selbst ein kleiner Feuerlöscher ist zur Sicherheit hinter dem Co-Pilotensitz angebracht. Die originalgetreuen Instrumententafeln stammen von Flugsimulator-Herstellern aus der ganzen Welt. Die Panels des Cockpits wurden beispielsweise aus Kanada, die analogen Instrumente aus Holland und die Bildschirme aus Dubai importiert.

Die Technik

Die Ansteuerung des Simulators erfolgt zurzeit über sechs Computer, von denen lediglich einer die Darstellung des Microsoft Flight Simulator auf dem LCD-Bildschirm übernimmt. Auf vier Rechnern läuft eine kostenpflichtige, "Project Magenta" genannte Software, welche die Simulation und die Ansteuerung der Bedienelemente des Cockpit-Nachbaus übernimmt. Zusätzliche Leiterplatinen und diverse Kabelstränge sorgen dafür, dass die Steuersignale korrekt zu den Bedienelementen und zurück geleitet werden. Ein weiterer Rechner dient als Schnittstelle zwischen den Steuertafeln und dem Flight Simulator. Das komplette System wird dabei über insgesamt drei Stromkreise mit der nötigen Energie versorgt. Wie viel Strom die Anlage verbraucht, kann Böhnlein nicht genau beziffern. Zur Darstellung des Simulators nutzt er derzeit noch den Microsoft Flight Simulator 2004 und nicht den neuen Microsoft Flight Simulator X. Grund hierfür ist der noch nicht verfügbare DirectX 10-Patch für den Flusi X. Da dieser Patch wiederum Windows Vista und neue, leistungsfähigere Hardware voraussetzt, will Böhnlein damit lieber noch eine Weile warten.

Noch viel zutun

Momentan erfolgt die Darstellung des Fluggeschehens noch über einen LCD-Bildschirm, der vor dem Cockpit-Nachbau steht. Zukünftig ist aber geplant, die Mattscheibe durch einen Beamer, der sein Bild auf eine Leinwand projiziert, auszutauschen. Der Beamer sei ihm aber eigentlich gar nicht so wichtig, so Böhnlein. Schließlich fliege er ohnehin die meiste Zeit nur nach Instrumenten und nicht nach Sicht. Auch an anderen Stellen sieht der Bastler noch Potential zur Verbesserung. Neben einem authentischen Schubregler, für den bereits ein Platzhalter vorhanden ist, soll beispielsweise auch ein analoger, künstlicher Horizont Einzug in die Instrumententafel halten. Auf den wartet Böhnlein allerdings schon fast zwei Jahre. Angekündigt sei das Instrument schon lange, bekommen habe er es allerdings bis heute nicht.

Gemeinsam am Steuerknüppel

Da es sich zu zweit viel schöner fliegt als alleine, konnte Böhnlein auch seine Frau für sein ganz spezielles Hobby zu begeistern. Zuerst sei sie noch ein wenig skeptisch gewesen, aber langsam habe sich auch bei ihr die Begeisterung für den heimischen Flugsimulator breit gemacht. Inzwischen fliegen die beiden gemeinsam, hin und wieder nimmt sie das Steuer auch selbst in die Hand.

Im Landeanflug

Nach einer Flugzeit von ungefähr 45 Minuten befindet sich Oliver Böhnlein inzwischen im Landeanflug auf den Saarbrücker Flughafen. Kurze Zeit später rollt die Maschine nach einer sanften Landung mit minimalem Schub auf ihre Parkposition. Mit zufriedenem Blick drückt er noch ein paar Knöpfe, um danach sein 737-Cockpit zu verlassen. Viel mehr als Kurzflüge innerhalb Deutschlands macht Böhnlein nicht. Er verbringt zwar viel Zeit mit seinem Hobby, aber die meiste Zeit mit basteln. Wie bei vielen schönen Beschäftigungen heißt es eben auch hier: Der Weg ist das Ziel.

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