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Flipper vom Aussterben bedroht

19.10.2007, 17:28 Uhr | dpa / tz, t-online.de

Flipperautomaten (Bild: dpa)Flipperautomaten (Bild: dpa)Wenn der "Terminator" in Wallung kommt, wird es hektisch: Ein bewegliches Gewehr fährt aus, und der Flipper blinkt wie eine Lichtorgel. Schrille Töne treiben dem Spieler den Schweiß auf die Stirn, infernalisch tönt dazu die Stimme von Filmheld Arnold Schwarzenegger aus den Boxen. Es gibt keinen Zweifel, dass die Flipperkugel ein aufregendes Dasein auf diesem Tisch hat - wenn denn mal jemand sein Kleingeld opfern würde. Das passiert im Hamburger Szenetreff "Urknall" aber immer seltener. Kein Wunder also, dass dem "Terminator" mittlerweile der Saft abgedreht wurde. Kein Einzelfall sondern eher die Regel, der Flipper-Automat ist vom "Aussterben" bedroht.

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Flipperautomaten (Bild: dpa)Flipperautomaten (Bild: dpa)Das Ifo Institut für Wirtschaftsforschung in München zählte in einem Gutachten für das vergangene Jahr gerade mal 195 verkaufte Flippergeräte in Deutschland. Im Vergleich dazu lagen die Zulassungen für "Automaten mit Geldgewinnen" im gleichen Zeitraum bei 90.200. Derzeit verrichten hier zu Lande noch rund 25.000 Flipperautomaten ihren Dienst, halb so viel wie noch vor zehn Jahren. "Jeder flippert gerne, doch wenn man ein Gerät hinstellt, benutzt es keiner", klagt Sabine Glawe, Vorsitzende des Hamburger Automaten Verbands. Spielhallen-Platzhirsch Merkur hat gerade noch zwei Flipperautomaten in der Hansestadt in Betrieb, deutschlandweit sind es nur noch 43 Stück in 200 Läden. "Früher hatten wir in jeder Filiale ein oder zwei Geräte stehen", erinnert sich Sprecher Robert Hess.

Kompliziert und fehleranfällig

Was sind die Gründe für den Flipper-Abstieg? "Die Entwicklung geht in Richtung Elektronik", sagt Stefan Dreizehnter, Chefredakteur beim Fachblatt "Games & Business". Die junge Generation spiele lieber mit Gameboy oder Playstation: "Da können Flipper nicht mithalten". Versuche in den 90er Jahren, die mechanischen Geräte mit Elektronik aufzupeppen, gingen schief. "Die Flipper wurden so komplex, dass die Kunden nicht mehr mitkamen", sagt Dreizehnter. Sollten die Geräte doch mal häufiger benutzt werden, geben sie zudem schnell den Geist auf. "Jede Woche musste unser Gerät repariert werden", erzählt Peter Hallinger, Chef der Hamburger Kneipe "Versteckt". Ähnliche Erfahrungen hat Irene Kopp vom "Vogel" gemacht. "Diese Automaten sind sehr anfällig und nicht lange bespielbar", erzählt sie. Am Ende ist es eine Kostenfrage, ob Wirte mit einem anderen Gerät nicht besser fahren.

Bekannte Motive

Es wäre eine lange Tradition, die mit dem "Kneipentod" der Flipper zu Ende gehen würde. Schon im 18. Jahrhundert machten sich Menschen einen Spaß daraus, eine Kugel über hölzerne Bretter - sogenannte "Bagatellen" - zu jagen. Ins Spielgeschehen eingreifen konnte man hier noch nicht. 1931 entwickelte der Amerikaner David Gottlieb den Verkaufsschlager "Baffle Ball" mit den namensgebenden Flipperhebeln. Vier große Unternehmen rund um Chicago lieferten sich in den folgenden Jahrzehnten einen Konkurrenzkampf, bei denen sich vor allem Tische mit Lizenzmotiven wie "The Who" (1969) oder "The Addams Family" (1992) auf dem Markt durchsetzten. Am Ende überlebte nur die Firma Stern, die pro Jahr drei bis vier neue Geräte auf den Markt bringt, wie zuletzt den "Spiderman"-Flipper.

Hoffen auf das Comeback

Echte Fans indes ficht das nicht an. "Flipper werden immer ihre Anhänger haben", glaubt Glawe. Und so wird jeder noch so kleine Lichtblick als Comeback gedeutet, die erste Deutsche Flipper-Meisterschaft in Bremen etwa im Mai 2007 mit 430 Besuchern oder die Gründung einer bundesweiten Flipperliga mit derzeit 114 Akteuren. "Zurzeit entspannt sich die Lage etwas", stellt auch Dreizehnter fest. "Von einem Boom kann man aber sicher nicht sprechen."

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