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Das Leben der Anderen (Teil 2)

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Das Leben der Anderen (Teil 2)

19.10.2007, 17:31 Uhr | GEE / Linus Volkmann / vb, t-online.de

Killer 7 (Bild: Capcom)Killer 7 (Bild: Capcom)Aber kommen wir zurück zur eigentlichen Frage: Kunden, wer seid ihr eigentlich, und was macht ihr hier? David und Johannes wissen das offen gesagt nicht wirklich. Sie wollen nur mal gucken, tun das ausgiebig - später werden sie sogar mit Mutter wiederkehren und die zu einem Kauf nötigen. Johannes findet in jedem Fall Killer 7 gut. Uh, Kinder und Killerspiele? Ist ja auch immer ein hässliches Thema. „Die gesellschaftliche Diskussion, die immer ansteht nach irgendwelchen Schulattentaten, wird an uns nie so direkt herangetragen“, sagt Elery. Und von Herrn Wiloth ist zu erfahren: „Wir haben schon manchmal Ärger bei Spielen mit Altersfreigabe. Da kommen empörte Eltern zu uns und beschweren sich, dass ihrem minderjährigen Sohn ein "Ab-18-Spiel" nicht verkauft wurde. Was wir uns denn einbilden würden. Das muss man sich mal vorstellen.“

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Ordentlich "normal"

Prince of Persia (Bild: Ubisoft)Prince of Persia (Bild: Ubisoft)Und auch mir bleibt diese Problematik nicht verborgen. Ein 16-jähriges bebrilltes Mädchen kauft für ihren - wenn mir dieser Opa-Ausdruck gestattet ist - dreikäsehohen Bruder Prince Of Persia: Warrior Within. Sie hat einen Ausweis, der kleine Bruder nimmt draußen freudig-dröge das Spiel in Empfang, kann man nichts machen. Außer zu respektieren, dass es so eben läuft. Ganz normal halt. Überhaupt ist das Publikum hier ordentlich „normal“. Oft und gern spricht es mich auch an. In meiner schnittigen Deutschlehrer-Montur sehe ich aber auch zum Steinerweichen spießig aus. „Bis 2005 herrschte sogar noch Krawattenpflicht,“ erfahre ich von meinem Chef Elery. Liebe Güte!

Erstaunliches Elternwissen

Aber zurück zu den „Normalen“. Silvia und Alfons kaufen Buffy für die PS2. „Ist aber für unsere Tochter. Schon komisch, dass ein 16-jähriges Mädchen auf Blut und Vampire steht. Aber wir haben unsere Order.“ „Na ja,“ werfe ich ein „aber ihr Mann sucht in der Secondhand-Kiste doch irgendwie auch was …“ Leicht ertappt gesteht Alfons, an die Tochter-Konsole selbst gern ranzugehen. „Dann aber am liebsten Indiana Jones.“ „Und bestimmt auch mal mit der Tochter zusammen, oder?“ „Nee, nie!“ Och, schade denke ich, aber um Generationen vor dem Games-Büfett zu vereinen, gibt’s ja die Wii und Konsorten. Das bestätigt auch die Mutter von Felix. Sie weiß erstaunlich gut Bescheid über die Spiele ihrer Kinder und weiß, was geht und was nicht. „Ich selbst habe ja früher mal auf dem Super Nintendo Zelda gespielt, das war toll! Jetzt wäre eine Wii schön, da habe ich Zelda mal angespielt bei einer Freundin. Aber es fehlt natürlich die Zeit, und ich muss meinen Mann noch von einer überzeugen, der ist da ein ziemlicher Muffel. Aber vielleicht klappt es ja über das Bowling.“

Auf der Nerd-Karte

Die meisten Kundenfragen gehören weiterhin Pokémon und konkret gesuchten Titeln. Ganz selten werde man mal gefragt, wie es bei einem Rätsel in einem konkreten Spiel weitergeht. „Wenn man so was dann tatsächlich weiß, ist man natürlich der King“, freut sich Herr Wiloth, der einen solchen Moment wohl tatsächlich schon mal erlebt hat. „Sonst können wir zumindest auf Seiten im Internet verweisen. Aber eher passiert es auch mal, dass ältere Leute hier reinkommen und nach der neuen CD von Andrea Berg fragen oder mit der Riddick-Hülle zur Kasse kommen und den Film ausleihen wollen. Ist ja keine Schande, das Geschäft sieht eben für viele auf den ersten Blick einem Plattenladen oder Videoverleih ähnlich.“ Nach so viel Familien, Kids und Kuriositäten greife ich mir dann aber auch mal die (wenigen) raus, die so aussehen, als könnten sie auf der Gamer-Nerd-Karte fahren.

"Bei eBay für fünf Euro"

„Machst’n Beitrag über kaputte Spielefreaks?“, frotzelt Michael und stellt sich dafür gern zur Verfügung. Siebzig Euro hat er hier gelassen. Nicht schlecht. „Hier gibt’s schon ’ne gute Beratung, wenn die auch nicht so die Ahnung haben. Und das mit der Rückgabe durchgespielter Spiele ist super.“ Mark kauft dagegen gar nichts, seine Suche nach einem Kabel für die N64 bleibt erfolglos. Und „Spiele kaufe ich mir bei eBay für fünf Euro“, sagt er und erzählt noch von seinen neuen Skills’n’Moves bei Fifa Street. Im Hintergrund brüllt eine Mutter ihre kaum zehnjährige Tochter an: „Du hast schon was bekommen, jetzt ist die Mama dran.“ Schon wieder diese hübsche Normalität um einen rum. Daran könnte ich mich gewöhnen. Nur an die Steherei nicht. Und dann noch diese Scheißschuhe. Mir tun die Füße weh! Ist das die Hölle!

Geheimnisse der Ladenhüter

Eine weitere Aushilfe kommt um drei, der Laden wird immer noch voller. Elery geht mit mir Mittag machen. Beim Essen erzählt er mir Details der Firmenerfolgsgeschichte, die ich sofort wieder vergesse. Später hinter dem Verkaufstresen zeigt er mir zudem, wie das ausgeklügelte Computersystem funktioniert, mit dem auch hundertfach von Kunden angekaufte Ladenhüter wie Black und Tourist Trophy in anderen Filialen noch dankbare Abnehmer finden. Ich verstehe natürlich gar nichts, nicke aber fleißig. Wie jede gute, leicht depperte Aushilfe.

Harter Alltag im Shop

Es ist noch nicht ganz Feierabend, als ich gehe. Meine Füße bringen mich um, ich habe genug gesehen, außerdem riechen meine Klamotten nach Polyesterschweiß. Noch mal typisch Deutschlehrer. Trotzdem habe ich mir von der Klimaanlage einen ziemlichen Zug geholt. Oh, Mann, bin ich wirklich zu weich für die tighte Games-Shop-Branche? Vermutlich. „Aber wenn bei euch mal wirklich Not am Mann ist, könnt ihr mich gerne noch mal holen“, verabschiede ich mich mit übertriebener Geste. „Nur: Dann will ich einen Stuhl.“

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