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Das Leben der Anderen

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Ein Tag im Spiele-Shop  

Das Leben der Anderen

19.10.2007, 17:31 Uhr | GEE-Magazin / Linus Volkmann / vb, t-online.de

Game Stop (Bild: GEE)Game Stop (Bild: GEE)Gestern am Telefon habe ich schon mal mit meinem „Vorgesetzten für einen Tag“ den Dresscode für Shop-Mitarbeiter geklärt. Die erste Überraschung: Es gibt überhaupt einen. Überraschung Nummer zwei: Er lautet tatsächlich „Stoffhose“ und „keine Sportschuhe“. Bitte? Obwohl ich gestern zwei Mal nachfragte, bin ich mir heute morgen schon wieder fast sicher, ich habe es einfach nur falsch verstanden. Zu Games passen nun mal Jeans und Sneakers - genau wie Chips und Softdrinks. Oder machen sich mittlerweile alle Gamer zu God Of War eine schöne Flasche Weißwein auf, essen von Tellern und tragen Bügelfalte? Wie dem auch sei, mich als Ü-30-Heini stellt der Kleidercode natürlich vor ein Identitätsproblem. Wie alle meines Alters bilde ich mir ein, mit Jeans und Turnschuhen noch als perfekt jugendlich durchzugehen, so als cooler älterer Freund der Kids. Mit den geborgten Slippern und der braunen Stoffhose sehe ich allerdings wirklich nur noch wie der Deutschlehrer meiner heutigen Kunden aus.

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Tod durch Reizüberflutung

Game Stop (Bild: GEE)Game Stop (Bild: GEE)Doch was bleibt anderes übrig, als sich zu fügen? Die Nummer der Aushilfsverkäufer-Gewerkschaft googeln? Nee, bin eh spät dran und muss in eine mir bis dato unbekannte Mall. Die Köln-Arcaden auf die andere Rheinseite. Nach Köln-Kalk. Den Stadtteil kennen die meisten - mich eingeschlossen - wohl nur aus dem Film „Voll Normaaal!“ von Tom Gerhardt, in dem sein Deppen-Alter-Ego von irgendwelchen Asis „Köln-Kalk-Verbot“ erhält. Dennoch finden sich der ominöse Stadtteil und mit ihm diese Köln-Arcaden letztlich leicht. Kann losgehen. Der Shop hat eher kompakte Ausmaße, ist geradlinig gebaut. Von den Wandregalen und den frei stehenden Aufstellern sprühen Millionen Informationen. Jemand aus den Siebzigern würde beim Betreten des Ladens sofort an Reizüberflutung sterben. Ich begrüße meinen Chef for a day. Klar, er ist geschätzte zehn Jahre jünger als ich. Mann, bin ich wütend. Lasse mir aber nichts anmerken. Ist ja nicht seine Schuld, dass ich keine Filiale einer expandierenden Kette leite. Außerdem ist er unglaublich freundlich. Ich bin sofort versöhnt.

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Clerks, die Ladenhüter

Neben dem Chef, den ich bei seinem Vornamen Elery nennen darf, und mir ist noch eine weitere Aushilfe vor Ort: Cem. Also ab hinter den Tresen, schließlich war ich in den Neunzigern schon mal Aushilfsverkäufer. In einem Plattenladen. In einem solchen sieht es mit Abstrichen sogar ähnlich aus wie hier. Nur verachtet der gute Plattendealer natürlich seine Kundschaft bis ins Mark. Sie kauft meist zu konventionellen Kram und erntet dafür mäßig bis kaum verhohlenen Hohn. Hier im Game Stop bedeutet so ein Distinktionskrieg dagegen absolut gar nichts. Es geht um andere Dinge. Nur welche?

Lektionen in Marktwirtschaft

Das wird sich ja wohl herausfinden lassen, schließlich ist der Laden bereits kurz nach Öffnung gut gefüllt. Ein Umstand, der sich bis zum Ende des Tages auch nicht mehr ändern wird - eher im Gegenteil. Man braucht keinen Bachelor in BWL, um unmittelbar festzustellen, dass das hier richtig gut läuft. Ausschlaggebend sind bestimmt auch zwei zentrale Aktionen: Hier kann man tatsächlich Spiele nach sieben Tage bei Nichtgefallen zurückgeben und alte Spiele gegen Neuware tauschen oder gar gegen Bargeld ankaufen lassen. Das, so habe ich den Eindruck, empfinden alle als extrem kulant und angenehm. Und Elery versichert, dass solche Zugeständnisse an den Kunden dem Laden unter dem Strich keinesfalls schaden. Na, das ist doch mal eine schöne Lektion in Marktwirtschaft.

Die Trophäe Pokémon

Das absolute Highlight des Tages stellt heute übrigens Pokémon dar - für den DS erschienen gerade die zwei neuen Versionen Pokémon Perl und Pokémon Diamant. Und da Japan seine absoluten Toptitel nicht in genügender Stückzahl vorab shippte, muss man im Game Stop (wie in tausend Spieleläden landauf, landab auch) durch einen argen Engpass hindurch. Ein Exemplar erhält nur, wer vor Wochen, ja Monaten vorbestellt hat. Neben den vielen Traurigen, die damit heute leer ausgehen, produziert diese Geschichte allerdings auch echte Sieger. Ohne Übertreibung: Man sieht mehrere Acht- bis Zehnjährige, die ihre vorbestellten Schätze in Empfang nehmen, sie hochreißen wie die geilsten Trophäen und „Strike“ rufen. Das finde ich natürlich sehr niedlich. Und von diesem Schlag Kunde sieht man einige im Laden. Kein Wunder. Auf zwei Konsolen mit großen Bildschirmen laufen Spiele. Und der dort spielende Kinderreigen wird bis zum Abend nicht abreißen.

Singstar-Turniere mit dem Chef

„Auf den Monitoren könnten wir auch Games ab zwölf laufen lassen, müssten dann aber kontrollieren, dass kleinere Kids nur gucken, nicht drangehen. Das kann man natürlich nicht leisten, daher laufen bei uns nur Spiele ohne Altersbeschränkung“, erklärt Herr Wiloth, der Area-Manager, der dem Szenario hier und heute auch einen Besuch abstattet. „Die einen kommen zum Kaufen, die anderen zum Spielen, das kann man schon so trennen.“ Ich lerne aber, dass das kein Grund ist, sich von dem Jugendzentrums-Charakter zurückzuziehen, den jeder Laden mit frei zugänglichen Spielemonitoren zwangsläufig bekommt. Im Gegenteil. Elery erzählt von Tradingcard-Game- und Singstar-Turnieren, die in der jüngsten Vergangenheit abgefeuert wurden. „Zum Schluss standen bei letzterem ein Junge und ein Mädchen im Finale, die hatten beide 9980 Punkte. Nur noch 20 mehr wären überhaupt zu erreichen, das war schon der Wahnsinn! Und da platzte der Laden natürlich aus allen Nähten.“ Ich frage natürlich: „Und, haste selbst auch mitgemacht?“ „Äh ja, ich weiß aber nicht mehr, was ich gesungen habe.“ „Es war Pink: ‚Just Like A Pill‘“, ruft Cem von der Seite rein. „Und er hatte mehr als 8000 Punkte, das ist schon amtlich.“

>> weiter zu Teil 2 von "Das Leben der Anderen"

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