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Jugendschutz-Debatte: Besserer Schutz vor Gewalt in Videospielen

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Jugendschutz-Debatte  

Schnellschuss gegen Todesschuss?

12.11.2007, 14:29 Uhr | Richard Löwenstein / vb / jr

USK-18-Logo (Bild: USK)USK-18-Logo (Bild: USK)Deutschland hat eines der schärfsten Jugendschutz-Gesetze weltweit. Nicht scharf genug, findet Familienministerin Ursula von der Leyen und hat schon im Februar angekündigt - ein Sofortprogramm muss her. Das "Sofortprogrammm" sollte ursprünglich Mitte Oktober zur Entscheidung in den Bundestag wandern, nun liegt der Gesetzesvorschlag aber auf Eis. Es war die Idee der jugendlichen Testkäufer, die für eine Welle der Empörung sorgte. Doch von der Leyen gibt das Projekt nicht auf. Sie will den umstrittenen Entwurf zwar zunächst nicht wie angekündigt ins Kabinett einbringen, ihn aber weiter diskutieren. "Ich will jetzt nichts durchpeitschen, sondern glaube, dass uns eine Atempause hilft, über wirksame Schritte im Jugendschutz zu diskutieren", sagte die Ministerin. Stattdessen soll es nun zunächst im November einen "runden Tisch" mit Vertretern der Länder, der Kommunen und der betroffenen Verbände geben, um das weitere Vorgehen auszuloten.

Foto-Show Neuer Jugendschutz: Bedrohte Spiele

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Bald keine Ego-Shooter mehr?

Army of Two (Bild: EA)Army of Two (Bild: EA)Der neue Jugendschutz will Minderjährige besser vor Gewaltdarstellungen in Videospielen schützen - und nimmt dabei Einschränkungen für Erwachsene in Kauf. Ein wesentlicher Punkt ist, dass künftig nicht nur "Gewalt verherrlichende" Games indiziert und damit aus dem freien Handel genommen werden. Der entsprechende Paragraf im Jugendschutz-Gesetz soll auf "von Gewalt beherrschte Spiele" ausgedehnt werden. Gemeint sind Medien, die "besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, die das mediale Geschehen selbstzweckhaft beherrschen." Was heißt das? "Wenn Sie beispielsweise in einem Spiel belohnt werden, weil Sie Gewalt anwenden, anstatt eine Aufgabe friedlich zu lösen, kann das aus unserer Sicht Jugendliche negativ beeinflussen", erklärt ein Sprecher der Familienministerin. Damit würde Jugendschutz erheblich weiter greifen als bisher. Theoretisch könnte jeder Ego-Shooter betroffen sein. Sogar Abenteuer- und Echtzeitstrategiespiele, da auch diese beiden Genres friedliche Lösungen selten zulassen und damit nach strenger Interpretation "von Gewalt beherrscht" wären.

Schnellere und mehr Indizierungen

Clive Barker's Jericho (Bild: Codemasters)Clive Barker's Jericho (Bild: Codemasters)Wer die Folgen der Verschärfung verstehen will, muss wissen, dass der Gesetzgeber zwischen den beiden Begriffen "jugendbeeinträchtigend" und "jugendgefährdend" unterscheidet. Beeinträchtigend, das ist sozusagen gerade noch gesellschaftsfähig. Etwas härterer Stoff, der aber mit einer Alterskennzeichnung "keine Jugendfreigabe" im Handel platziert und an Volljährige verkauft werden darf. Schon jetzt müssen viele Videospiele für den deutschen Markt zum Teil drastisch gekürzt werden, damit sie die Kennzeichnung erhalten. Händler dürfen jugendbeeinträchtigende Software nicht an Jugendliche verkaufen, schon seit dem 1. April 2003 nicht mehr: sie müssen mit Strafen bis zu 50.000 Euro rechnen, wenn sie es doch tun. Trotzdem ist schon im jetzt gültigen Jugendschutz-Gesetz eine Steigerung von "jugendbeeinträchtigend" vorgesehen. Sie nennt sich im Juristendeutsch "jugendgefährdend".

Praktisch ein Verkaufsverbot

Super Mario Galaxy (Bild: Nintendo)Super Mario Galaxy (Bild: Nintendo)Jugendgefährdende Medien landen auf einer schwarzen Liste, dem so genannten "Index". Index, das heißt in der Gesetzes-Theorie "weit reichende Abgabe-, Vertriebs- und Werbeverbote". In der Praxis ist damit Verbot von Werbung, Verbot von offenem Verkauf, erhebliche Einschränkung des Versandhandels gemeint. Theoretisch wäre die Abgabe an Erwachsene unter der Ladentheke erlaubt, in der Praxis nehmen die Händler ein derart geächtetes Produkt allerdings aus dem Sortiment. Denn wenn ein Game nicht beworben und nicht ins Regal gestellt werden darf, erfährt keiner von dessen Existenz, also ist niemand am Kauf interessiert, ein wirtschaftlicher Handel ist unmöglich. De fakto gleicht eine Indizierung also einem Handelsverbot. Und zwar einem, das Kinder und Jugendliche behüten mag, das aber auch Erwachsene die Chance nimmt, sich auf einem freien Markt um zu sehen.

Fragezeichen hinter der BPJM

Crysis (Bild: EA)Crysis (Bild: EA)Seit 1985 werden regelmäßig Videospiel auf den Index verbannt, zuletzt zum Beispiel die Xbox 360-Titel Crackdown und Gears of War. Allerdings droht die Ächtung nach dem überarbeiteten Jugendschutz-Gesetz deutlich schneller und häufiger. Denn ein Kernpunkt der neuen Regelungen sieht vor, dass Gewaltspiele "nicht erst Prüfverfahren durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) durchlaufen" sollen, bevor sie als jugendgefährdend gelten. Bisher prüft ein Gremium unter Führung der BPjM Bücher, Videos, CDs und Games auf jugendgefährdende, sprich brutale oder sexistische Inhalte. Die BPjM ist also der Herr über die Liste indizierter Schriften, den Index. Ob und was die BPjM in Zukunft zu melden hat, steht in den Sternen. Ebenso, welche Stelle künftig eine Indizierungs-Entscheidung treffen, und wie dies ohne weitere Prüfung geschehen soll.

Flucht vor den Fesseln des Gesetzes

Far Cry (Bild: Ubisoft)Far Cry (Bild: Ubisoft)Welche Auswirkungen das von einigen Bundesländern geforderte, generelle Herstellungs-Verbot von gewalttätigen Computer- und Videospielen auf die hiesige Spielebranche hätte, machte das Entwicklerstudio Crytek bereits im August deutlich. Der größte deutsche Spiele-Entwickler drohte mit einem Weggang ins Ausland, sollte es dazu kommen. Der drohende Verlust an Rechtssicherheit ist besonders brisant für die Industrie. Laut dem neuen Gesetzesvorschlag müssten Spielehersteller mit einem scharf geschliffenen Damoklesschwert über ihren Köpfen leben: nämlich mit der Tatsache, dass sie zwei bis drei Jahre in teure Entwicklungs-Arbeit investieren und dann damit rechnen müssten, dass Vater Staat das Ergebnis der Bemühungen für jugendgefährdend hält und vom Markt nimmt. Die Zitterpartie stellt sich umso problematischer dar, als die Spiele-Industrie von USA, Kanada, England, Frankreich und Japan aus gesteuert wird. In diesem Ländern gibt sich die Gesetzgebung sehr viel liberaler. Der deutsche Jugendschutz gilt bereits jetzt als streng, weit strenger auch als im Rest von Europa.

Fortsetzung folgt

Medal of Honor (Bild: EA)Medal of Honor (Bild: EA)Nicht nur beim Einsatz jugendlicher Hobbydetektive scheint es Diskussionsbedarf zu geben, wenn im November die Debatte fortgesetzt wird. So ist zum Beispiel unklar, wie sich die neuen Bestimmungen auf den bisher weitgehend rechtsfreien Raum der Handyspiele auswirken sollen. Ob das Thema am runden Tisch wirklich geklärt werden kann, wenn die Vertreter von Ländern, Kommunen und der betroffenen Verbände zusammenkommen sollen, muss sich zeigen. Sicher scheint nur Eines: Nämlich, dass nichts sicher ist.

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