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Die Jagd nach verbotenen Spielen

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Cybercops in Aktion  

Die Jagd nach verbotenen Spielen

05.12.2007, 16:13 Uhr | Richard Löwenstein / tz / jr

Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)Nicht vor dem mit quietschenden Reifen um die Ecke schliddernden Streifenwagen, auch nicht vor Straßenkontrollen oder gar Verfolgungsjagden mit gezückter Dienstwaffe fürchtet sich so mancher Kriminelle, sondern vor der Spürnase erfahrener Computer-Fahnder. Denn im Netz hinterlässt jeder Spuren, ob er will oder nicht. Die moderne Verbrecherjagd im 21. Jahrhundert unterscheidet sich extrem von den auf Tempo und Action getrimmten Filmvorlagen, die einem Hollywood-Produktionen gerne nahe bringen. Zunehmend spezialisieren sich die Internet-Experten der Polizei darauf, strafbare Inhalte - zum Beispiel in Deutschland verbotene Spiele mit Gewalt verherrlichendem Inhalt, Raubkopien oder rechtsradikale Werbe-Pamphlete - aufzuspüren und deren Besitzer zu identifizieren. Dabei gehen die Beamten von der bei den Landeskriminalämtern angesiedelten "Task Force Internet" nicht nur im World Wide Web Streife. Sie untersuchen auch Chats, Foren und Online-Welten wie Second Life. Dabei geraten immer mehr Computer- und Videospieler ins Visier der Cybercops: Auf den virtuellen Fahndungslisten rücken die Verbreiter verbotener Unterhaltungs-Software nach oben.

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Jugendschutz als oberste Priorität

Überprüft wird in erster Linie, ob die Jugendschutz-Bestimmungen eingehalten werden. In Deutschland sieht der Gesetzgeber seit über 20 Jahren Mittel vor, um fragwürdige Unterhaltungs-Software von Kindern und Jugendlichen fern zu halten. Erste Jugendverbote datieren auf Mitte der 80er Jahre. Im Laufe des Jahres 2007 hat die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) erneut mehrmals Videospiele für jugenduntauglich befunden, darunter das Actionspiel Crackdown und den Horrorschocker Clive Barker's Jericho. Solche Titel dürfen weder beworben, noch an Minderjährige verkaufte werden. In virtuellen Streifzügen suchen Netzfahnder nun nach allzu toleranten Anbietern, aber auch jugendlichen Käufern solcher Produktionen. Bei der Suche nach den Tätern gelten ähnliche Handwerksregeln wie nach einem Einbruch oder Mord: Spuren sichern, verdächtigen Personenkreis eingrenzen, Belastungsmaterial auswerten, Beweise dokumentieren, damit das Ermittlungsergebnis auch vor Gericht besteht.

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Die Jäger

Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)Dies sind die Aufgaben von Internet-Kommissariaten, die inzwischen in den meisten Bundesländern eingeführt worden sind. Zunächst einmal ist die Ermittlungsarbeit der Cyberpolizisten langwierig. Sie durchforsten das World Wide Web nach kriminellen Inhalten, zum Beispiel eben auch Gewalt verherrlichenden Videospielen. Dabei surfen sie in Netzwerken und nehmen virtuelle Tauschbörsen ins Visier. Stellen sie fest, dass dort tatsächlich verbotene Inhalte kursieren, wird die IP-Adresse des Nutzers gespeichert, der das Killerspiel oder anderen illegalen Download anbietet. Die IP-Adresse ist wie ein Fingerabdruck, sie kann zu einem bestimmten Zeitpunkt nur immer einmal auf der Welt vergeben sein. Anschließend werden Staatsanwaltschaft und Gericht tätig und ermitteln über eine Abfrage bei den Telekommunikationsunternehmen den Täter. Doch die Recherchen dauern. Schließlich muss immer der genaue Inhalt der Software geprüft werden. Die Cybercops müssen also selbst virtuell ballern und morden. Der Zeitaufwand ist immens.

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Die Konsequenzen

Wer Produktionen mit Jugendverbot öffentlich - also auch über das Internet – bewirbt oder Minderjährigen zugänglich macht, begeht eine Straftat. Die Folgen für die Täter können im Fall einer Überführung sehr unangenehm sein. Das heißt: Besuch von der Polizei, der Staatsanwalt schaltet sich ein. Zunächst werden Rechner und Datenträger beschlagnahmt, um Beweise zu sichern. Wer nach einem Gerichtsverfahren verurteilt wird, muss nicht nur die hier verhängte Strafe verbüßen, sondern auch zivilrechtliche Konsequenzen (Schadensersatz) tragen. Mehrere tausend Euro kommen da schnell zusammen. Bei Ermittlungen gegen Kinder- und Jugendliche haben die Eltern einen Sonderstatus. Sie genießen das so genannte "Erziehungsprivileg", das sicher stellen soll, dass Erziehungsmaßnahmen im familiären Umfeld weitgehend ihnen überlassen bleiben. Für Erwachsene ist der Besitz von indizierter und damit als jugendgefährdend markierter Software legal. Es sei denn, das Spiel wurde auf illegalem Weg besorgt: Der Besitz und Vertrieb von Raubkopien ist jederzeit strafbar. Wer sich damit erwischen lässt, muss mit hohen Geldstrafen rechnen, ähnlich wie bei illegalen Musik-Downloads. Dazu kommen Abmahnkosten durch die Anwälte der betroffenen Unternehmen.

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Machen Killerspiele kriminell?

Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)Jagd auf Killerspieler (Bild: pixelio)In den letzten Jahren machte aber vor allem eine andere Form der Verbindung von Kriminalität und Games Schlagzeilen. Seit dem Massaker von Erfurt durch den Ex-Schüler Robert Steinhäuser wiederholt sich regelmäßig die Diskussion, welchen Schaden so genannte "Killerspiele" in den Hirnen von Kindern und Jugendlichen anrichten könnten. Trainieren Sie sich in nächtelangem Geballer nicht jeden Skrupel ab? Werden Sie dadurch sogar angeleitet? Steinhäuser kämpft gern auf dem virtuellen Counterstrike-Schlachtfeld, so war es in zahllosen Medienberichten zu lesen. Auch der Attentäter von Emsdetten sei für seine "Killerspiel"-Leidenschaft bekannt, hieß es. Doch präzise, allseits anerkannte Erkenntnisse über einen Zusammenhang zwischen Shootern und Amokläufen gibt es nach wie vor nicht, auch wenn Politiker das gerne herbeizitieren

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Selbst verraten

Auch das so genannte Web 2.0 machte im Zusammenhang mit Amokläufen zuletzt Schlagzeilen. So im Fall des verhinderten Amoklaufs in Köln. Der 17-jährige Rolf B. hatte Bilder vom Massaker an der US-Highschool Columbine auf seine Seite im Jugendportal SchülerVZ gestellt. Auch viele Mitschüler sind dort angemeldet. Einige entdeckten auf der Profilseite von Rolf B. die Bilder und informierten daraufhin die Schulleitung. Der stellvertretende Direktor befragte den Jungen, später verhörte ihn die Polizei. Nachdem ihn die Polizisten nach Hause geschickt hatten, warf sich der Schüler vor eine Straßenbahn. Inzwischen stellte sich heraus, dass er seine Pläne längst verworfen hatte. Der Amokläufer im finnischen Tuusula, der Anfang November acht Menschen in den Tod riss, kündigte seine Tat auf "Youtube" an. Waren in einem Fall die Polizisten also möglicherweise übereifrig, verschliefen sie den Zugriff in Finnland. Auch Cybercops sind vor Fahndungspannen offenbar nicht gefeit.

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Rechtsradikale Lockangebote

Ihr besonderes Augenmerk richten die Web-Kommissare in letzter Zeit auf Gefahren aus der rechtsradikalen Ecke. Nach den Worten von Stefan Glaser von der länderübergreifenden Einrichtung "jugendschutz.net" ist ein rasanter Anstieg rechtsextremistischer Webangebote zu beobachten. So sei die Zahl der Websites, die der NPD oder ihrem Umfeld zugeordnet werden könnten, in den letzten zwölf Monaten um rund 250 auf 1.450 gestiegen. Das ist bedenklich, sagt Peter Raisch, Präsident des hessischen Kriminalamtes: "Die Rechtsextremisten bemühen sich inzwischen um eine ansprechende Gestaltung ihrer Webangebote. Sie wollen damit ein junges Publikum gezielt ansprechen". Dazu wiederum gehört auch das Locken durch diverse indizierte Killerspiele in verschiedenen Foren und anderen dunklen Orten des Internets. Um auch diese Plätze so sorgfältig wie nötig zu durchforsten, fehlt es der Polizei aber an Kapazitäten: "Wir brauchen mehr Fachleute, die sich damit auskennen", klagt der Präsident Peter Raisch.
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