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Faszination des Tötens

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Faszination des Tötens

30.01.2008, 14:34 Uhr | Richard Löwenstein / vb

Call of Duty 4 (Bild: Activision)Call of Duty 4 (Bild: Activision)Das Wort "Killerspiele" ist in den letzten Monaten sehr strapaziert worden. Von Medien immer wieder in die Schlagzeile gehievt und von profilierungssüchtigen Politikern zur Untermauerung der These genutzt, dass die Jugend verrohe. Wenn von Killerspielen die Rede ist, dann sind meistens PC- und Videospiele aus der Gattung der so genannten "Ego-Shooter" gemeint. Das sind Games, in denen der Spieler einen schwer bewaffneten Helden verkörpert und die Welt durch die Augen des Helden betrachtet. In aller Regel schieben sich links oder rechts unten Waffen in den Bildausschnitt. Die braucht der Hauptdarsteller, um Gefahren zu pulverisieren. Denn im Ego-Shooter lassen sich Konflikte selten friedlich beilegen, dafür umso häufiger mit roher Gewalt. Aus diesem Grund wirft sich das Genre Kritikern als Kanonenfutter geradezu um den Hals. Doch zugleich ist das Genre so erfolgreich wie kaum ein anderes. Bioshock, Halo 3, Call of Duty 4, Crysis, Orange Box das sind die Titel aktueller Millionen-Seller, die die Charts in den letzten Wochen und Monaten dominierten. Und das sind alles Ego-Shooter.

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Der Held und seine Helfer

Unreal Tournament 3 (Bild: Midway)Unreal Tournament 3 (Bild: Midway)Was reizt so sehr an diesen Ballerspielen? Die tiefgreifende Story ist es wohl eher nicht. Ego-Shooter haben selten viel zu erzählen. Zielen, schießen, weiterlaufen, um mehr geht es kaum. Wenn man beispielsweise als Ex-Cop von Rache vorangetrieben wird, dann hält sich die Berichterstattung über den emotionalen Zusammenhang zwischen Täter und Opfer meistens im Rahmenprogramm versteckt, in Form weniger Dialogzeilen oder Video-Unterbrechungen. Einige moderne Produktionen wie Call of Duty 4: Modern Warfare versuchen sich als wahrhafter Geschichten-Erzähler, indem sie dem Helden Nebenfiguren zuordnen und ihm ein Feinbild vor die Nase halten. Dennoch muss sich der Shooter aus der Schmiede Infinity Ward den Vorwurf gefallen lassen, letztlich nur Klischees zu bedienen. Als Elitesoldat gegen böse arabische Terroristen kämpfen, das ist alles, worum es geht.

Games mit aufsaugender Wirkung

Doom 3 (Bild: Activision)Doom 3 (Bild: Activision)Wer bei Halo 3 als Science-Fiction-Krieger die Erde rettet, erfährt wenig über die Motivation des Helden und der Alien-Schurken, kann aber trotzdem große Gefühle erleben. "Ego-Shooter ziehen den Spieler stärker in ihre Welt hinein, als dies in jedem anderen Genre gelingt", sagt Tim Willits vom texanischen Hersteller id Software, wo einst der Grundstein für das Genre gelegt wurde. "In einem gewöhnlichen Action-Abenteuer beobachten man von außen, wie die Heldenfigur gejagt wird. Es ist aber viel beängstigender, wenn man selbst in der Figur drin steckt, während der Bösewicht hinter einem her ist." Ego-Shooter erzählen Geschichten also weder besser noch schlechter als andere Videospiele, aber sie wirken intensiver auf den Spieler ein.

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Was für Jungs - mit Köpfchen

Timeshift (Bild: Sierra)Timeshift (Bild: Sierra)Insbesondere junge Männer sind von dem Genre angetan. Das hat handfeste psychologische und soziologische Gründe: "Es geht zum Beispiel um Erledigung, Kampf, Verbreitung, Ordnung, Ziellauf, Bereicherung, Prüfung und Bewährung", erklärt der Soziologe Nikolaos Kyriakidis. Schließlich liegt bei männlichen Jugendlichen in ihrer Entwicklung "das Hauptaugenmerk ihrer Sozialisationsbestrebungen auf dem Erlernen von Fähigkeiten, die Kampfbereitschaft und Durchsetzungsvermögen signalisieren." Knapp gesagt: Die Jungen lernen Eigenschaften, die ihnen helfen, sich im Leben durchzusetzen. In seiner Studie Fun, Anyone!? Jugendliche Sozialisation und die Faszinationskraft von Video- und Computerspielen formuliert Kyriakidis des Weiteren, dass die meisten Gamer sich besonders herausgefordert und angespornt fühlen, wenn sie "mit Köpfchen vorgehen" müssen. So zum Beispiel in Ghost Recon: Advanced Warfighter 2. Hier kommt es darauf an, seine Computer-Kameraden als eine Art Waffe einzusetzen. Der Spieler wird fast schon zum General.

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Der Sonderfall Counter-Strike

Zu traurigem Ruhm gelangte hierzulande der Team-Shooter Counter-Strike. Ursprünglich handelte es sich bei dem Spiel um eine Modifikation des Shooters Half-Life, die vor allem aufgrund des einfachen Spielprinzips schnell zu großer Beliebtheit gelangte. In dem Multiplayer-Spiel treten Teile der Gamer als Terroristen an, während andere die Rolle der Anti-Terror-Fraktion übernehmen. Jeder hat die Aufgabe, den anderen vom Sieg abzuhalten. Nach dem Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 geriet das Spiel ins Kreuzfeuer, da der Amokschütze Robert Steinhäuser angeblich regelmäßig Counter-Strike spielte. Seither hat das Spiel den Begriff "Killerspiel" wie kein zweites geprägt. Noch heute führen Experten Counter-Strike als Beispiel für gewalthaltige Games auf, obwohl ein Indizierungsantrag ohne Folgen blieb. Der beliebte Shooter ist in Deutschland in einer zensierten Version ab 16 Jahren freigegeben, da nach Ansicht der Jugendschützer das Töten von Gegnern keine zentrale Rolle einnimmt und das Spiel auch gewonnen werden kann, ohne einen Feind zu vernichten.

Von Taktik und Moral

Crysis (Bild: EA)Crysis (Bild: EA)Der Forderung nach Ego-Shootern mit Köpfchen zollen Spieleentwickler zunehmend Tribut. Bioshock von 2K Games setzt beispielsweise auf die Vertiefung der Action durch ein Plus an Handlung und eine ordentliche Prise Taktik. Und Moral. So muss der Spieler immer wieder entscheiden, welchen Weg er bei der Erledigung seiner Aufgaben geht. Handelt er als Bösewicht oder als Guter? Je nachdem verändert sich auch der Spielverlauf. Chef-Designer Ken Levine erklärt das Konzept: "Wir wollten das Ego-Shooter-Genre erweitern, sowohl vom Gameplay her und auch in Sachen Ästhetik und Entscheidungsfreiheit."

Breite Anerkennung - in Amerika

Killzone 2 (Bild: Guerilla)Killzone 2 (Bild: Guerilla)Das Vorhaben scheint geglückt: Bei den "Video Game Awards 2007" räumte das Spiel am 8. Dezember 2007 die Trophäen als "Spiel des Jahres", "Bestes Game für Xbox 360", und "Bester Soundtrack" ab. Die Auszeichnung für die beste Grafik ging an Crysis. Beste Technik? Half-Life 2: Orange Box. Bestes Multiplayer-Game? Halo 3. Das sind alles Ego-Shooter. Die "Video Game Awards" werden vom MTV-Ableger Spike TV veranstaltet. In den USA hat offenbar nicht nur das breite Publikum wenig Berührungs-Ängste mit Action-Spielen, sondern auch die Prominenz. Spike TV konnte Bambi-, Golden-Globe- und Silberner-Bär-Preisträger Samuel L. Jackson als Moderator verpflichten. Ob sich hierzulande ein Thomas Gottschalk oder Günther Jauch offen zum Unterhaltungs-Wert des Ego-Shooter-Genres bekennen würden? Das ist momentan eher unwahrscheinlich.

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