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Verbotskriterien für Spiele: Jugendschutz auf die scharfe Tour

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Neue Verbotskriterien für Spiele  

Jugendschutz auf die scharfe Tour

13.02.2008, 15:51 Uhr | Richard Löwenstein / jr

USK-18-Logo (Bild: USK)USK-18-Logo (Bild: USK)Deutschland hat eines der schärfsten Jugendschutz-Gesetze weltweit. Seit der letzten Gesetzesnovellierung im Jahr 2003 sind die auf den Verpackungen und den Datenträgern der Spiele aufgedruckten Alterskennzeichnungen für die Händler verpflichtend. Sie müssen ihre Kundschaft entsprechend kontrollieren, sonst droht ein Ordnungsgeld von bis zu 50.000 Euro. Hält die für die Alterskennzeichnung von Computer- und Videospielen in Deutschland zuständige Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ein Spiel für jugendgefährdend oder sind gar strafrechtliche Normen wie das Verbot der Gewaltverherrlichung, der Volksverhetzung oder das Zeigen von verfassungsfeindlichen Symbolen in Spielen tangiert, wird keine Alterskennzeichnung vergeben. Dann liegt der Ball im Spielfeld der staatlichen Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), die Spiele auf den Index setzen kann. Mit drastischen Folgen.

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Politik will Regeln verschärfen

Unreal Tournament 3 (Bild: Midway)Unreal Tournament 3 (Bild: Midway)Hat ein Spiel eine Alterskenn- zeichnung der USK erhalten, kann die Prüfstelle kein Indizierungs- verfahren mehr einleiten. Dies ist nur dann möglich, wenn die USK eine Alterskennzeichnung verweigert. Zudem kann die BPjM keine Entscheidungen der USK revidieren, weder zu Gunsten noch zu Ungunsten des jeweiligen Titels. Vor allem konservativen Politikern sind diese Regelungen noch nicht scharf genug. Auch Familienministerin Ursula von der Leyen erkannte politischen Handlungsbedarf. "Ich will jetzt nichts durchpeitschen, sondern glaube, dass uns eine Atempause hilft, über wirksame Schritte im Jugendschutz zu diskutieren", sagte die Ministerin. Das Ergebnis dieses Nachdenkens über weitere Schritte zur Verschärfung der geltenden Jugendschutz-Bestimmungen ist jetzt zu besichtigen. Die für die Indizierung von Computer- und Videospielen zuständige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hat stillschweigend ihren Kriterienkatalog verschärft.

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Veränderter Kriterienkatalog

Killzone 2 (Bild: Guerilla)Killzone 2 (Bild: Guerilla)Zwölf Mitglieder gehören zu dem mit der Indizierung von Spielen befassten BPjM-Gremium (nur in eindeutigen Fällen entscheidet eine Dreierrunde). Grundlage der Beratungen war bis dato ein vier Prüfpunkte umfassender Kriterienkatalog. Dazu gehörten die Gewaltanwendung von Seiten der Spielfiguren sowie die aufwendige Inszenierung oder die Ästhetisierung von Gewalt. Die bildliche Darstellung von blutenden Wunden oder abgerissenen und zerfetzten Körperteilen war ebenso verboten wie Todesschreie. Wenn die Spielfigur komische oder zynische Kommentare abgab, während sie Gegner im Spiel tötete oder verletzte, wurde das als Grund für eine Indizierung mit herangezogen. In der neuen, verschärften Liste der Prüfkriterien stehen jetzt sechs Punkte. Charakteristisch ist, dass darin bisher technisch gefasste Sachverhalte durch ethische Kriterien abgelöst wurden. Die Einschätzung für Spiele-Hersteller und Publisher, ob ihr jeweiliges Spiele-Produkt es an diesen Klippen vorbei schafft, wird dadurch ungleich schwieriger..

Die 6 Prüfkriterien der BPjM

  • Unsittlichkeit ("verwerfliche" sexuelle Orientierung)
  • Verrohende und zu Gewalt anreizende Wirkung durch Gewaltdarstellung
  • Anreizen zum Rassenhass / Verherrlichung der NS-Ideologie
  • Diskriminierung von Menschen
  • Verherrlichung / Verharmlosung von Drogenkonsum
  • Schwere Jugendgefährdung

"Gewaltbeherrscht" soll verboten werden

Die Stoßrichtung des Ganzen ist klar: "Gewaltbeherrschten" Spielen, die besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten und in denen Gewalt als Selbstzweck angewandt wird, sollen verboten werden. "Wenn Sie beispielsweise in einem Spiel belohnt werden, weil Sie Gewalt anwenden, anstatt eine Aufgabe friedlich zu lösen, kann das aus unserer Sicht Jugendliche negativ beeinflussen", erklärt ein Sprecher der Familienministerin. Damit würde Jugendschutz erheblich weiter greifen als bisher. Theoretisch ist jeder Ego-Shooter davon betroffen. Sogar Abenteuer- und Echtzeitstrategiespiele, da auch diese beiden Genres friedliche Lösungen selten zulassen und damit nach strenger Interpretation "von Gewalt beherrscht" sind.

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Gründe gegen eine Indizierung

Neben den schärfer gefassten Prüfkriterien stellt die BPjM auch Argumente vor, die der Indizierung eines Computer- oder Konsolenspiels entgegen sprechen. Dazu gehören:

  • "Spiele, bei denen die Verletzung und/oder Tötung von Menschen eine unter mehreren möglichen Spielhandlungen darstellt und das Ergebnis der Kampfhandlung unblutig präsentiert wird"
  • "Spiele, in denen andere Elemente als Gewalttaten gegen Menschen eine wesentliche Rolle spielen"
  • "Spiele, in denen Tötungsvorgänge gegen Menschen verfremdet dargestellt werden und zwar in einer Form, die Parallelen zur Realität nicht nahe legt"
  • "Spiele, in denen Tötungsvorgänge ausschließlich gegen solche Wesen dargestellt werden, die Menschen eher nicht ähneln"
  • "Spiele, in denen auch Horror- und Splatterelemente enthalten sind, in denen jedoch nicht gewalthaltige Anteile spielbestimmend sind, wobei die Horrorelemente nicht so gestaltet sein dürfen, dass auf Grund der besonderen Brutalität die anderen Spielelemente in den Hintergrund treten."

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Folgen der Indizierung

Wenn ein Spiel indiziert wird, muss es aus den Regalen entfernt werden. Volljährige können es jedoch gegen Vorlage des Personalausweises erwerben, der Versand auch gegen Nachweis der Volljährigkeit (zum Beispiel durch eine Kopie des Personalausweises) ist jedoch nicht gestattet. Ferner darf es nicht mehr öffentlich beworben werden. Spiele-Medien ist es zudem verboten, Rezensionen zu den betreffenden Spielen abzudrucken oder online zu stellen. In der Praxis wird ein indiziertes Spiel vom Handel sofort ausgelistet. Denn wenn ein Game nicht beworben und nicht ins Regal gestellt werden darf, erfährt keiner von dessen Existenz, also ist niemand am Kauf interessiert, ein wirtschaftlicher Handel ist unmöglich. De fakto gleicht eine Indizierung also einem Handelsverbot.

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