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Internet- und Spielsucht: Gamer-Ambulanz in Mainz eröffnet

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Problem Computerspiele-Sucht  

Deutschlands erste Gamer-Ambulanz eröffnet

03.03.2009, 09:50 Uhr | Golem.de / jr

Spiele-Sucht (Bild: dpa)Spiele-Sucht (Bild: dpa)An der Universitätsklinik Mainz wurde Deutschlands erste ambulante Anlaufstelle für Computerspiele- und Internetsucht eröffnet. Auch pathologische Glücksspieler sollen in der Einrichtung, die sich die sich als Namenspatin die vor kurzem verstorbenen Wissenschaftlerin Sabine Grüsser-Sinopoli ausgesucht hat, behandelt werden. Die Mediziner reagieren mit dem zunächst auf zwölf Monate befristeten Modellprojekt auf die steigende Zahl von Betroffenen, die an diesem Störungsbild leiden. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen bieten sie zur Behandlung sowohl fallspezifische Einzelgespräche als auch eine spezielle Form der Gruppentherapie an.

Eine völlige Abstinenz wie bei Alkohol- oder Drogensucht dürfe man als Ergebnis der Behandlung aber nicht erwarten, erklärten Professor Manfred Beutel und Diplom-Psychologe Klaus Wölfling, die Leiter der neuen Ambulanz. Vielmehr sei es das Ziel, die Online-Zeiten der Betroffenen wieder auf ein "normales Maß" zu reduzieren

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Eine psychische Störung?

Spiele-Sucht (Bild: dpa)Spiele-Sucht (Bild: dpa)"In den letzten Jahren ist der Bedarf an Beratung und psychotherapeutischen Interventionen bei Betroffenen mit exzessivem Computerspielverhalten im Kindes- und Jugendalter sowie bei jungen Erwachsenen stark angestiegen", warnt Klaus Wölfling, der psychologische Leiter der neuen Ambulanz. Er verweist auf Studien, denen zufolge etwa 6 bis 9 Prozent der untersuchten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die aktiv am Computer spielen, die Kriterien einer Abhängigkeit in Bezug auf ihr Computerspielverhalten erfüllen. Bei drei Prozent davon könne man von einem Suchtverhalten sprechen. Betroffen seien vor allem Jugendliche und junge Männer im Alter von bis zu 25 Jahren, die wöchentlich mehr als 35 Stunden mit Computerspielen zubrächten. Diese müssten ihre Dosis "immer mehr erhöhen, um die erhofften Glücksgefühle, Entspannung oder Freude zu erleben". Ein typisches Suchtsyndrom sei auch die Aggressivität der Betroffenen, wenn ihnen Eltern oder Freunde den Zugang zum Computer verwehren würden. Die größte Gefahr, so Wilkerling, gehen von Rollenspielen mit ihrer offenen Spielwelt und den ständigen Erweiterungen aus. Hier gebe es kein "offizielles Ende", stattdessen würde Druck auf die Betroffenen ausgeübt, immer weiter zu machen.

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Auch international ein neues Forschungsfeld

Die sich mit dem Aufkommen des Internets verbreiternde nichtstoffliche Spielesucht ist für Forscher noch ein weites Feld. Klare Kriterienkataloge und Behandlungsmethoden sind erst im Entstehen begriffen. Die renommierte "American Medical Association" (AMA) hat sich kürzlich mit der Aufnahme einer Diagnose "Computer-/Videospielsucht" in den Kriterienkatalog psychischer Störungen befasst - eine Entscheidung ist aufgrund der zu geringen Datenlage allerdings noch nicht gefallen. Eine Anerkennung dieses Störungsbildes im angloamerikanischen Raum wäre auf gesundheitspolitischer Ebene auch für Deutschland ein deutliches Signal für die Anerkennung von "Computerspielesucht" als Krankheit.

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Versorgungsdefizit erkannt

Spiele-Sucht (Bild: imago)Spiele-Sucht (Bild: imago)"In unserer täglichen Arbeit häufen sich Anfragen hinsichtlich der exzessiven und inadäquaten Nutzung moderner Medien vor allem im Kinder- und Jugendbereich", unterstreicht Professor Manfred Beutel, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Bisher habe es hier nicht die Möglichkeit zur zielgenauen Behandlung gegeben. So bestehe trotz steigender Fallzahlen in der medizinischen Versorgung und in den Anlaufstellen der Suchtkrankenhilfe aktuell ein Versorgungsdefizit für Patienten mit suchtartigem Computerspielverhalten. Diese Situation will die neue Ambulanz mit ihrer Gruppen- und Verhaltenstherapie nun ändern. Zugleich mit der Eröffnung der Gamer-Ambulanz wurde in Mainz auch die Elterninitiative "rollenspielsucht.de" vorgestellt, in der Betroffenen ihre Erfahrungen austauschen und Behandlungsmöglichkeiten diskutiert werden.

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