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Neues Jugendschutz-Gesetz in Kraft

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Gewaltspiel-Debatte  

Neues Jugendschutz-Gesetz in Kraft

09.05.2008, 11:26 Uhr | Golem.de / vb / jr

USK 18 / GTA 3 (Montage: t-online.de)USK 18 / GTA 3 (Montage: t-online.de)Für die Verbreitung von Computerspielen mit Gewaltdarstellungen gelten ab sofort strengere Auflagen: Nachdem Bundestag und Bundesrat das verschärfte Jugendschutzgesetz gebilligt haben, treten die Veränderungen zum 1. Juli in Kraft. Darin wird der Verbotskatalog für schwer jugendgefährdende Medien erweitert.

Computerspiele, die besonders realistische, grausame und reißerische Gewaltdarstellungen und Tötungshandlungen beinhalten, können künftig mit weitreichenden Abgabe-, Vertriebs- und Werbeverboten belegt werden.

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Größere Alterskennzeichen

Ein ESL-Teilnehmer spielt Counter-Strike gegen ein anderes Team  (Bild: dpa)Ein ESL-Teilnehmer spielt Counter-Strike gegen ein anderes Team (Bild: dpa)Festgeschrieben wurden zudem Mindestgrößen und Sichtbarkeit der Alterskennzeichen der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) und der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK). Künftig müssen die Logos "mindestens 1200 Quadratmillimeter" auf der Verpackung und 250 Quadratmillimeter auf dem Bildträger groß sein. In einer Mitteilung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend äußerte sich Ministerin Ursula von der Leyen, auf deren Initiative hin die Gesetzesnovelle beschlossen wurde, zufrieden mit den Neuerungen. "Demnächst kann man auf den ersten Blick erkennen, ab welchem Alter Spiele und Filme für Kinder und Jugendliche freigegeben sind", so von der Leyen. Sie sieht die Gesetzesnovelle als deutliches Signal an die Händler. Die Oppositionsparteien FDP und Die Linke halten die Neuerungen für den falschen Weg und fordern eine bessere Vermittlung von Medienkompetenz sowie eine Selbstkontrolle der Wirtschaft.

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Beckstein fordert "kreative Strafen"

America’s Army (Bild: MOVES Institute)America’s Army (Bild: MOVES Institute)Mit dem Gesetz sollen Kinder und Jugendliche besser vor sogenannten "gewaltbeherrschten Computerspielen" geschützt werden. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) ist das nicht genug: Er will jugendliche Täter mit neuen Strafen wirksamer maßregeln. Es sei unabdingbar, dass so genannte "kreative Strafen" wie die Beschlagnahmung von Spielkonsolen, Handy-Verbot, Fahrverbot oder ein Warnschuss-Arrest eingeführt werden, sagte Beckstein der Berliner Zeitung. Solche Sanktionen würden bei Jugendlichen eine viel bessere Wirkung erzielen, als wenn beispielsweise die Großeltern eine Geldstrafe übernähmen, meint der bayerische Ministerpräsident. Seiner Meinung nach muss das Jugendstrafrecht insgesamt verschärft werden. Für heranwachsende Gewalttäter über 18 soll laut Beckstein in der Regel das Erwachsenenstrafrecht gelten.

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Defizite beim Jugendschutz

Resistance 2 (Bild: Insomniac Games)Die Gesetzesnovelle geht zum Teil auf Ergebnisse einer Studie des Hamburger Hans-Bredow-Instituts zum Jugendschutz bei Computerspielen ein, die im Sommer 2007 vorgestellt wurde. Sie war vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und den Ländern in Auftrag gegeben worden und empfahl unter anderem transparentere Indizierung und bessere Kennzeichnung. Darüber hinaus kam die Studie aber zu dem Schluss, bei der Umsetzung des Jugendschutzes, also bei der Kontrolle der Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben und bei der Bestrafung, gebe es erhebliche Defizite. Sie brachte die Idee ins Spiel, Ordnungsämter sollten Testkäufe vornehmen, um die Kontrolle in Ladengeschäften zu verbessern. Von der Leyen nahm nach heftiger öffentlicher Erregung von dieser Idee wieder Abstand.

Themen außen vor gelassen

GTA 4 (Bild: Rockstar)GTA 4 (Bild: Rockstar)Die Studie lässt aber viele Fragen noch offen, zum Beispiel die mangelnde Wirkung von Vertriebsbeschränkungen, die Problematik des Onlinevertriebs von Spielen oder von Mods, Demo-Versionen und Trailern. Sie sollen in einer Hauptevaluation behandelt werden. So bleiben diese Themen auch bei der aktuellen Novelle des Jugendschutzgesetzes außen vor. Kritiker der Jugendschutznovelle argumentieren mit Blick auf diese Probleme, die neue deutsche Gesetzesregelung führe de facto nicht dazu, Jugendlichen den Zugang zu Gewaltdarstellungen zu verbauen, da viele indizierte Spiele nicht in deutschen Geschäften, sondern aus dem Ausland und über das Internet bezogen würden. Und schließlich können auch Onlinespiele Gewaltdarstellungen enthalten.

Technische Lösungen besser

PEGI-Freigabe (Bild: PEGI)PEGI-Freigabe (Bild: PEGI)Der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) fordert deshalb, die USK müsse auch digital vertriebene Spiele und Onlinespiele prüfen. Außerdem setzt der BIU auf ergänzende technische Lösungen: Es gibt bereits Spielkonsolen und PC-Plattformen mit Altersabfragesystemen. Ein digitales Alterskennzeichen der Software vergleicht dann die im Spielerprofil eingestellten Altersangaben.

Auch die EU wird aktiv

Die EU-Kommission nimmt Gewalt verherrlichende Computerspiele ebenfalls ins Visier. Die beiden verantwortlichen Kommissarinnen Meglena Kuneva und Viviane Reding riefen in Straßburg die 27 EU-Mitgliedstaaten auf, PEGI ("Pan European Game Information", ein europaweites Alterseinstufungssystem für Computer- und Videospiele) auszubauen und regelmäßig zu aktualisieren. Damit werden Kinder und Eltern - wie bei Kinofilmen - darauf hingewiesen, für welche Altersstufe ein Spiel freigegeben ist. Eine europaweite Gesetzgebung ist jedoch nicht geplant, die Kommission baut auf das freiwillige Handeln der Verkäufer. Derzeit beteiligen sich 230 Spiele- und Konsolen-Hersteller an PEGI, das System wird von 23 EU-Mitgliedsstaaten genutzt. Zudem plant man, innerhalb der nächsten zwei Jahre einen europaweiten Verhaltenskodex für den Verkauf von Videospielen an Minderjährige auszuarbeiten. Beide Kommissarinnen betonten die Bedeutung des elterlichen Engagements: Erziehungsberechtigte sollten Kinder über so genannte "Killerspiele" informieren, was zunächst ein Wissen über derartige Titel und Altersfreigaben voraussetzt.

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